Papst Franziskus hat am Freitag seine erste Enzyklika veröffentlicht und kurze Zeit später die Heiligsprechung von Papst Johannes Paul II. beschlossen. Die historische Enzyklika "Lumen Fidei" ("Licht des Glaubens") ist ein gemeinsames Werk von Franziskus und seinem Vorgänger Benedikt XVI. Erstmals in der Geschichte der katholischen Kirche haben zwei Päpste ein solches Werk gemeinsam vollendet. Noch in diesem Jahr stehen dem Vatikan unterdessen weitere große Ereignisse bevor: Die Päpste Johannes Paul II. und Johannes XXIII. sollen von Franziskus in den Stand der Heiligen erhoben werden.

In ihrer Enzyklika befassen sich Franziskus und Benedikt auf gut 80 Seiten mit der Bedeutung des Glaubens. Er sei in der Lage, die Existenz jedes Menschen zu erleuchten, heißt es in der Einleitung. Glaube sei ein Geschenk Gottes - "wer glaubt, sieht." Unterschrieben wurde die Enzyklika nur von Franziskus, Benedikt hat jedoch viel zu dem Werk beigetragen. "Dafür bin ich ihm zutiefst dankbar", schreibt Franziskus.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, hob in einer Reaktion hervor, das neue Weltrundschreiben vollende den Reigen der drei theologischen Grundkräfte Glaube, Hoffnung und Liebe. Es sei "ein bemerkenswertes Zeichen", dass Papst Franziskus bei aller Verschiedenheit von seinem Vorgänger die Ausarbeitung in der Substanz übernommen habe.

Enzykliken sind die wichtigsten päpstlichen Schreiben. Sie sollen den Gläubigen als Wegweiser dienen. Benedikt hatte während seines rund achtjährigen Pontifikats drei solcher Lehrschreiben vorgelegt. Die neue Enzyklika ist kürzer als seine bisherigen Werke. In vier Kapiteln plus Einleitung und Schlussteil befassen sich die beiden Päpste mit dem Glauben. Sie schreiben, es sei unmöglich, nur für sich selbst zu glauben. "Der Glaube ist keine Privatsache, keine individualistische Auffassung, keine subjektive Meinung."

Auch das Verständnis der katholischen Kirche von der Ehe bekräftigen die beiden Päpste in der Enzyklika. "Vor allem denke ich an die dauerhafte Verbindung von Mann und Frau in der Ehe", heißt es. Sie entstehe auch aus der "Annahme des Gutes der geschlechtlichen Verschiedenheit".

Nach Ansicht der katholischen Reformbewegung "Wir sind Kirche" bleiben in dem Text wichtige Fragen unbeantwortet. "Die Enzyklika ist ein Dokument des Übergangs, das die brennenden innerkirchlichen Grundsatzfragen unentschieden lässt", hieß es in einer in München veröffentlichten Stellungnahme. So werde die Familie vor allem als dauerhafte Verbindung von Mann und Frau in der Ehe beschrieben. Doch wie steht Franziskus zur Homosexualität, zu Wiederverheirateten?, fragt die Reformbewegung.

Der Freiburger Theologe Magnus Striet sieht in der Enzyklika einen Widerspruch zum bisherigen Auftreten von Papst Franziskus. "Die Enzyklika passt jedenfalls vom Sprachstil her nicht zu den Symbolhandlungen von Papst Franziskus", sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Auch für den ökumenischen Dialog zwischen Katholiken und Protestanten habe das Schreiben kaum Bedeutung.

Dennoch hat Franziskus mit der Veröffentlichung seiner ersten Enzyklika wieder Akzente gesetzt. Weitere sollen mit der Heiligsprechung zweier seiner Vorgänger folgen, die noch für dieses Jahr geplant ist. Nachdem Franziskus die Heiligsprechungen der Päpste Johannes Paul II. und Johannes XXIII. mit seiner Unterschrift besiegelt hat, soll in Kürze das Datum festgelegt werden, wie der Vatikan mitteilte.

Bereits vor einigen Tage hatte die Kardinalsversammlung der zuständigen Kongregation des Vatikans Johannes Paul II. ein zweites Wunder zugesprochen - Voraussetzung für eine Heiligsprechung. Am Freitag wurden dazu auch Details bekannt. "Das zweite Wunder von Johannes Paul II. ist bei einer Frau aus Costa Rica geschehen", sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi. Sie soll am 1. Mai 2011 - dem Tag der Seligsprechung von Johannes Paul II. - von einer Gehirnverletzung geheilt worden sein, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete.
Johannes Paul II. war 2011 seliggesprochen worden, nachdem der Vatikan die Heilung einer Nonne von der Parkinson-Krankheit als erstes Wunder anerkannt hatte. Der charismatische Pole Karol Wojtyla war der erste nicht-italienische Papst seit mehr als 450 Jahren.

Johannes XXIII., der in seiner fünfjährigen Amtszeit (1958 bis 1963) mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil eine Zeitenwende in der katholischen Kirche eingeleitet hatte, wird ohne die Anerkennung eines zweiten Wunders heiliggesprochen. Der Papst habe entschieden, dass das nicht erforderlich sei, erklärte Lombardi. "Wir kennen alle seine Tugend und die Persönlichkeit, es ist nicht nötig, die Gründe für seine Heiligkeit zu erklären." dpa