Wenn ein Kind nur mit Mühe schreibt oder liest könnte eine Lese-Rechtschreib-Schwäche dahinter stecken. Doch Vorsicht: Ist die Diagnose erst gestellt, hat das Kind zwar länger Zeit für Proben und Schulaufgaben, aber auch den entsprechenden Eintrag im Zeugnis.

Auch bei ADS oder ADHS und bei Schulängsten muss man genauer hinsehen, um passende Therapien zu finden. Betroffene Eltern und andere Interessenten bekommen alle Infos zu diesen Themen bei einer Telefonaktion dieser Zeitung am Dienstag, 9. Juni. Zwei Experten stehen in unserer Bamberger Zentralredaktion vom 16 bis 18 Uhr Rede und Antwort: Dr. Karlheinz Erbe und Detlef Weich.

Karlheinz Erbe ist Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Bamberg und bildet in seiner Praxis Ärzte für Jugendpsychiatrie aus. Bei unserer Telefonaktion steht er Rede und Antwort zur Diagnose und Therapie von Aufmerksamkeitsstörungen.

Erbe ist am 9. Juni von 16 bis 18 Uhr unter der Durchwahl 0951/188-226 zu erreichen.

Detlef Weich ist Kinder- und Jugendpsychotherapeut und psychologischer Psychotherapeut, Leiter des Schulpsychologischen Dienstes für alle Schulen im Bereich des staatlichen Schulamtes Bamberg und Leiter des Kriseninterventions- und Bewältigungsteams (Kibbs) der Schulpsychologen in Oberfranken.

Er berät bei der Telefonaktion am 9. Juni von 16 bis 18 Uhr unter Tel. 0951/188-221 zum Thema Schulängste.

Erbe und Weich arbeiten beim Thema Schulprobleme von Kindern und Jugendlichen seit 1998 zusammen. Unter anderem haben sie einen Arbeitskreis für Kinder- und Jugendpsychotherapie gegründet, der sich für eine verstärkte Zulassung von Praxen einsetzt.

"Somit können wir die Wartezeiten auf einen Termin verkürzen." Etwa vier bis sechs Wochen dauert es im Schnitt, bis ein Kind oder Jugendlicher mit seinen Problemen beim Psychiater vorstellig werden kann. In Notfällen gibt es innerhalb von 24 Stunden einen Termin.

Von ADS bis Mediensucht

Die Themen der jungen Menschen sind vielschichtig, wie Erbe und Weich aus ihrer täglichen Arbeit wissen. Erbe behandelt in seiner Praxis alle Altersstufen vom Kleinkind bis zu 21-Jährigen. Seine Hauptgebiete sind Schul- und Prüfungsängste sowie Themen wie ADS (Aufmerksamkeitsdefizit) und ADHS (Hyperaktivitätsstörung): "Fast zwei Drittel der Patienten haben Probleme mit der Konzentration."

Auch mit emotionalen Störungen nach Gewalterfahrungen oder einer Trennung der Eltern kommen junge Menschen zu ihm, bei Mädchen sind oft Essstörungen ein Thema. "In geballter Form kriegen wir auch zunehmend Medien- und Internetsucht mit", sagt Erbe.

Die Schnittmenge zwischen Erbe und Weich liegt vor allem in der Abklärung von Lese- und Rechtschreibschwächen (LRS) oder Lese- und Rechtschreibstörungen (Legasthenie) sowie ADS und ADHS. Weich und sein Team von Schulpsychologen sind die erste Anlaufstelle. Schwere Fälle schicken sie zum Psychiater, der bei psychischen Störungen das letzte Wort hat.

"ADS kann von den äußeren Begleiterscheinungen her einer Depression ähneln. Deshalb sollten die Betroffenen zumindest einmal dem Psychiater vorgestellt werden", sagen Erbe und Weich. Sie wissen, dass ADS die ganze Familie aus dem Gleichgewicht bringen kann und viele Eltern Angst vor dem Medikament "Ritalin" haben. "Aber es ist sehr effektiv", sagen die Experten. Ergänzt werden sollte die medikamentöse Behandlung durch Elternarbeit, Ergo- und Verhaltenstherapie oder ähnliche Maßnahmen.

Zum Thema LRS und Legasthenie ist Erbe vom Kultusministerium dazu ermächtigt, Stellungnahmen für den schulpsychologischen Dienst anzufertigen. Die diagnostische Abklärung nimmt bis zu sechs Termine in Anspruch und muss mit Bedacht geschehen: "Das Gutachten hat rechtliche Auswirkungen auf das schulische Leben", sagt Erbe. Hier klinkt sich Weich ein, der auf die Vor-, aber auch die Nachteile einer Eintragung von Legasthenie im Zeugnis hinweist: "Deshalb sollte umsichtig mit der Diagnose und daraus folgenden Maßnahmen umgegangen werden."

"Schwäche" oder "Störung"?

Bayern ist, auch das dürften die wenigsten wissen, das einzige Bundesland, das einen Unterschied zwischen "Schwäche" und "Störung" beim Lesen und der Rechtschreibung macht. Dazu gibt es eine Kultusministerielle Bekanntmachung (KMBeK), die eine dauerhafte Regelung zur Legasthenie beinhaltet. So entfällt bei Schülern mit einer gutachterlich festgestellten Lese- und Rechtschreibstörung zum Beispiel eine notenmäßige Bewertung des Lesens und Rechtschreibens.
Komplexe Themen, die gerade Eltern mit Kindern in problematischen Situation oft überfordern. Rat und Hilfe bekommen Betroffene am 9. Juni - kostenlos und auf Wunsch anonym.