Umzug leichtgemacht: Diese Idee treibt drei Berliner Jungunternehmer an. Ein Wellpappe-Bett haben sie sich ausgedacht, das 14 Kilogramm wiegt und sich auseinander falten lässt. "Room in a box" nennen sich die Start-up-Gründer und meinen das ziemlich ernst. Ziel ist eine komplette Zimmereinrichtung, die in einen Karton passt und per Post kommt. "Ein Bettkauf kostet Zeit und Geld, auch für den Transport", erklärt Lionel Palm. Beim Umzug komme die Schlepperei dazu. Das sollte ein Ende haben.

Die Firma gründete Palm zusammen mit Gerald Dissen, Wirtschaftswissenschaftler wie er, und dem Verpackungsingenieur Christian Hinse. Beim diesjährigen Berliner Crowdfunding-Preis, finanziert von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung/Projekt Zukunft, belegte "Room in a Box" im Sommer den ersten Platz.


Umzugsnomanden sind die Zielgruppe der Pappmöbel

Als Kundengruppe visieren die Absolventen der Hochschule Witten/Herdecke Menschen an, die Umzugsnomaden sind: etwa Austauschstudenten oder Praktikanten, die außerhalb ihres Heimatortes unterkommen. "Die Nachfrage zieht jetzt zum Semesterbeginn kräftig an", sagt Gerald Dissen.

"Unsere Möbels sind für Leute gedacht, die flexibel wohnen wollen", beschreibt es Palm. Dazu kämen jene, die noch schnell eine Schlafmöglichkeit für Besuch bräuchten. Das Bett besteht es aus einem Geflecht aus Pappscharnieren. Dieses Ziehharmonika-System ist nach wenigen Handgriffen aufgestellt, ohne Werkzeug. Sperrig bleibt nur eines - die Matratze.

"Der Preis ist an ein Studenten-Budget angepasst", sagt Palm. Das günstigste Bett kostet 99 Euro. Lacke, Lösungsmittel, Metall- und Kunststoffteile werden nach seinen Angaben nicht verwendet. Ein deutscher Hersteller fertigt die Ware und schickt sie zu den Kunden. 800 Betten wurden innerhalb eines Jahres verkauft.

Die Wellpappe besteht zu 85 Prozent aus recyceltem Material. Die restlichen 15 Prozent sind FSC-zertifizierte Frischware. Dieses Siegel steht für "Forest Stewardship Council", nachhaltige Forstwirtschaft.

Das alte Papp-Bett kann für ein neues Möbelstück verwendet werden. Dies sorge dafür, dass "man die Möbel mit ökologisch reinem Gewissen kaufen kann", urteilt Ursula Geismann, Pressesprecherin der Verbände der deutschen Holz-, Möbel- und Fertigbauindustrie aus Bad Honnef.

Doch als Wegwerfartikel haben Palm und Mitstreiter ihr Papp-Bett nicht entwickelt. Sie gehen von einer Haltbarkeit von etwa zehn Jahren aus: "Pappe ist zwar leicht, aber stabil. Das Material wird oft unterschätzt", sagt Palm. Um die 1,5 Tonnen würde das Bett aushalten. Das mache die eingesetzte Schwerlastwellpappe möglich, die sonst für Transporte von Motoren oder Maschinenteilen diene.

"Gefaltet geliefert, ein paar Handgriffe - und zack, das fertige Möbelstück steht da", wirbt Palm. Nach diesem Prinzip funktionierten auch Tisch, Hocker und Lampe. An einem Set, in dem außerdem noch ein Regalsystem und das Bett enthalten sein soll, werde gerade gefeilt. Im Sommer 2016 soll das Einrichtungspaket fertig sein, das mit einem Gesamtgewicht von 35 Kilogramm per Post nach Hause kommt.

Aber wollen Kunden solche Möbel? "Sie sind ein Nischenprodukt", erklärt Ursula Geismann. Ihr Anteil sei so klein, dass der Absatz nicht prozentual innerhalb der Möbelbranche erfasst werde. Es seien kleinere Firmen, die sich auf Pappmöbel spezialisierten, daneben Zuliefer-Unternehmen aus der Verpackungsbranche.

Schon 1985 etwa wurde die Firma Stange Design gegründet, die neben ihrem Bett aus Pappe auch Artikel wie eine Garderobe oder einen Sessel anbietet. Als Pionier gilt der Designer Peter Raacke, der bereits 1968 den Pappsessel "Otto" entwarf. Star-Architekt Frank Gehry kreierte 1972 den "Wiggle Side Chair" aus Wellkarton.
Potenzial sieht Geismann bei der Gestaltung der gängigen Pappmöbel. Die Naturtöne, das Beige, schrecke viele ab, glaubt sie: "Es fehlt ein Design, eine feine Formensprache. Beispielsweise wären weiße Papp-Möbel denkbar." Insgesamt geht sie aber davon aus, dass Firmen wie "Room in a box" zukunftsweisend sind, denn: "Mobilität ist gefragt."