Ein kleiner Tiger und ein kleiner zotteliger Bär, der Quasselkasper oder Löwenzahn und Seidenpfote: Die Figuren des Schriftstellers und Illustrators Janosch begeistern Kinder seit Jahrzehnten. Am 11. März wird er 85 Jahre alt. Als Horst Eckert kam er 1931 in einer Bergarbeitersiedlung im früheren oberschlesischen Hindenburg zur Welt, dem heutigen polnischen Zabrze.


Janosch: am liebsten unsichtbar

Doch anders als seine Tierfiguren ist er kein großer Freund von Festen. Er sagte einmal, er sei "am liebsten unsichtbar". Seit mehr als 30 Jahren lebt Janosch auf der Kanaren-Insel Teneriffa.

Nach dem Krieg kam er mit seinen Eltern nach Oldenburg, ging später für einige Probesemester an die Kunstakademie nach München, bevor er freier Maler wurde. 1960, im Alter von 29 Jahren, zeichnete er sein erstes Kinderbuch, "Die Geschichte von Valek dem Pferd". Es folgten noch rund 50 weitere, die keine Riesenerfolge wurden.


Janosch gelang mit "Oh, wie schön ist Panama" der Durchbruch

1978 gelang Janosch dann mit "Oh, wie schön ist Panama" der Durchbruch: Wegen des unvergleichlichen Dufts einer Bananenkiste machen sich die Freunde Tiger und Bär mit ihrer gelb-braun gestreiften Tigerente auf den Weg nach Panama, dem Ort ihrer Sehnsucht. Am Ende sind sie glücklich. Und merken nicht, dass sie wieder zu Hause gelandet sind. Das Werk wurde mit dem Deutschen Jugendbuchpreis ausgezeichnet.

Insgesamt sind über 300 Bücher in mehr als 30 Sprachen erschienen. Beim ihm sind die Kleinen die Starken. Seine liebevoll gezeichneten und beschriebenen Figuren stehen mit ihrer lebensbejahenden Einstellung für Freiheit und Fantasie, für Werte wie Freundschaft und Familie.

"Ich suchte immer alles das, weil es in meiner Familie nicht vorkam", sagte Janosch seiner Biografin Angela Bajorek. "Wie einen Rettungsring". Mit der polnischen Germanistin hat der als eigenwillig geltende Künstler nach Angaben des Ullstein-Verlages in den vergangenen Jahren immer wieder gesprochen und E-Mails ausgetauscht, jetzt ist ihre Biografie erschienen: "Wer fast nichts braucht, hat alles".


Janosch und seine Angst vor dem gewaltigen Vater

Furcht vor Gott und der Hölle, vor dem Suff und den Prügeln des Vaters haben seine Kindheit geprägt. Viele Jahre habe er die schlimmen Erinnerungen mit Alkohol zu betäuben versucht. Seine katholische Erziehung sei "das Schlimmste gewesen", das ihm im Leben widerfahren sei, hat er mehrfach erklärt. Welche Botschaft seine Kinderbücher vermitteln, fragte Bajorek ihn einmal. Die Antwort von Janosch: "Lasst euch nichts gefallen."

Janosch kann weit mehr, als Tigerenten zeichnen. In seinen Büchern für Erwachsene verarbeitet er auch Erlebnisse seiner traumatischen Kindheit. Ablehnung gottesfürchtiger Religiosität, Befürwortung familiärer Beziehungen sowie Freundschaft, Toleranz und Treue sind immer wieder Themen für seine Geschichten. Für die Giordano-Bruno-Stiftung zeichnet er kirchenkritische Cartoons.


Auch Erotik spielt eine Rolle

Er bannt auch ganz abstrakte Motive aufs Papier und widmet sich darüber hinaus dem - auch erotischen - Verhältnis von Mann und Frau. Seit etwa zweieinhalb Jahren ist er wöchentlich mit einer neuen Zeichnung im "ZEITmagazin" vertreten, in der er Neues über "Herrn Wondrak" und seinen Weg durch den Alltag berichtet.
Seine Bilderbuch-Originalillustrationen hat der Künstler schon 1999 als Dauerleihgabe an das Bilderbuch-Museum der Stadt Troisdorf bei Bonn gegeben, wo regelmäßig Ausstellungen zu seinem Werk veranstaltet werden.
Mit seinen 85 Jahren und dem dicken weißen Schnauzbart erinnert Janosch mehr denn je an den alten Onkel Popov aus einem seiner Bücher, dessen bester Freund ein Siebenschläfer mit dem Namen Piezke ist. Sein ehemaliger Lektor Hans-Joachim Gelberg - ebenfalls 85 Jahre alt - nannte ihn einmal einen der ganz wenigen Autoren der Kinderliteratur, der "so frei und ungefiltert erzählen kann."

Dürften seine Fans ein Geburtstagsmenü kreieren, hätte sicher eines große Chancen: der Gänsewein und die Bachforelle in Mandelkernsoße mit Petersilienkartöffelchen aus der Panama-Geschichte mit Bär und Tiger.


Die schönsten Zitate von Janosch

"Herr Janosch, was wäre eigentlich gewesen, hätten Tiger und Bär Smartphones gehabt? "Sie hätten Panama einfach gegoogelt und wären im Übrigen am Tisch sitzen geblieben."" (Janosch, Kolumne aus dem "Zeit-Magazin")

"Was gehört zum perfekten Fernsehabend dazu? Man braucht jemanden, mit dem man sich vor den Fernseher setzen kann. Und wenn man genau den Richtigen hat, braucht man eigentlich gar keinen Fernseher mehr."
(Janosch im Buch "Herr Wondrak rettet die Welt, juchhe!")

"Denn die Sonne scheint, ich ärgere mich über gar nichts, was will ich mehr!" (Aus der Geschichte "Komm nach Iglau, Krokodil" aus der Anthologie "Vielleicht ist auch alles Unsinn, was ich sage!")

"Wir sprechen nicht sehr viel, haben aber eine unglaublich tiefe, telepathische Verbindung. Ich gebe den Hunger per Gedankenübertragung zu ihr rüber. Wenn sie zum Beispiel einkaufen geht, bitte ich sie telepathisch, Käse mitzubringen. Das klappt immer."
(Janosch über die Beziehung zu seiner späteren Ehefrau Ines in einem Interview mit der Illustrierten "Gala" 2003)

"Mein Lieblingswein ist der rote. Habe ich aber keinen, kommt es zu keiner Trauer, dann trinke ich weißen. Habe ich keinen weißen, trinke ich Wasser. Habe ich auch kein Wasser, vergesse ich den Durst. Das sind so die Kunststücke meiner Seligkeit." (Janosch im Buch "Von dem Glück, als Herr Janosch überlebt zu haben")

""O Bär", sagte der Tiger, "ist das Leben nicht unheimlich schön, sag!" "Ja", sagte der kleine Bär, "ganz unheimlich und schön." Und da hatten sie verdammt ziemlich recht." ("Post für den Tiger")

"Meine Lieblingsjahreszeit ist die Zeit der Ewigkeit nach dem Leben. Immer Sonne und kein Gott in der Nähe."
"Da ich ein Sünder und Ketzer bin, wird Gottvater mir noch eine lange Lebenszeit schenken, damit ich wieder in den heiligen Schoß der Kirche zurückkomme."
(Janosch in der Biografie von Angela Bajorek, "Wer fast nichts braucht, hat alles")

"Dass ich hier ewig so sitzen kann und die Sintflut erst kommt, wenn ich ganz weg bin. Also NACH meiner Himmelfahrt." (Janosch über seinen Geburtstagswunsch im Interview der Deutschen Presse-Agentur anlässlich seines 85. Geburtstages am 11. März 2016)


Kurzbiografie von Janosch

Janosch wurde am 11. März 1931 im oberschlesischen Kohlestädtchen Zabrze im heutigen Polen geboren. Sein bürgerlicher Name war Horst Eckert. 1946 siedelte die Familie nach Deutschland um und landete in Oldenburg. Janoschs Anfänge als Autor waren mühsam. Die Kunstakademie in München wollte ihn nicht, sein erstes Buch "Die Geschichte vom Pferd Valek" von 1960 war kein Erfolg. Doch er schrieb und illustrierte weiter. Er schuf Werke wie "Hannes Strohkopp und der unsichtbare Indianer", "Janosch erzählt Grimms Märchen" und "Lari Fari Mogelzahn". Für Erwachsene schrieb er Theaterstücke, bebilderte die pikanten Geschichten des französischen Adligen Marquis de Sade und verfasste Romane. Viele Bücher sind autobiografisch gefärbt wie "Polski Blues" oder "Cholonek oder Der liebe Gott aus Lehm".

Heute ist Janosch berühmt mit mehr als 300 Büchern und Übersetzungen in rund 40 Sprachen. Seit mehr als 30 Jahren lebt er auf der Insel Teneriffa, mit seiner Frau Ines. Sein bekanntestes Werk "Oh wie schön ist Panama" von 1979 machte "Janosch" zu einer Marke. Tiger, Bär und Tigerente schmücken bis heute Kindergeschirr, Puzzles und vieles mehr. 2001 wurde die Janosch film & medien AG gegründet, mittlerweile hält Janosch aber keine Anteile mehr daran.