Getötete Studentin in Freiburg: Das ist passiert

Eine 19 Jahre alte Medizinstudentin wollte in der Nacht zum 16. Oktober von einer Studentenparty in Freiburg mit dem Fahrrad nach Hause fahren. Dort kommt sie nie an, sie wird Opfer eines Verbrechens. Ihre Leiche wurde im Fluss Dreisam gefunden. Sie ertrank, zuvor wurde sie vergewaltigt.

Als mutmaßlicher Täter war kürzlich ein 17-jähriger Flüchtling festgenommen worden. Es handelt sich im einen minderjährigen unbegleiteten Flüchtling, der 2015 aus Afghanistan eingereist ist. Ein 18,5 Zentimeter langes blondiertes schwarzes Haar am Tatort hatte die Ermittler auf die Spur gebracht. Es gebe bisher keinen Hinweis darauf, dass sich der Flüchtling und das Opfer kannten, sagte eine Polizeisprecherin. Der Tatverdächtige schweibt bislang zu den Vorwürfen.


Politische Diskussion nach Festnahme

Die Festnahme zieht politische Diskussionen nach sich. Vertreter von SPD und CDU warnten davor, das Verbrechen zur Stimmungsmache gegen Flüchtlinge zu missbrauchen.

"So bitter es ist: Solche abscheulichen Morde gab es schon, bevor der erste Flüchtling aus Afghanistan oder Syrien zu uns gekommen ist", sagte Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) der "Bild" (Montag). "Wir werden nach solchen Gewaltverbrechen - egal, wer sie begeht - keine Volksverhetzung zulassen."

Die stellvertretende CDU-Vorsitzende Julia Klöckner sagte der "Bild": "Solche Grausamkeiten werden leider von In- wie Ausländern begangen, das ist leider kein neues Phänomen." Auch CSU-Innenexperte Stephan Mayer warnte davor, alle Migranten und Flüchtlinge unter Generalverdacht zu stellen.

AfD-Bundeschef Jörg Meuthen meinte hingegen: "Wir sind erschüttert über diese Tat und erleben gleichzeitig, dass unsere Warnungen vor der ungesteuerten Einreise Hunderttausender junger Männer aus patriarchalisch-islamischen Kulturkreisen als populistisch abgewertet wurden." Die bisherige Rechtslage, DNA-Proben nicht nach Ethnie zuzuordnen, bezeichnete Meuthen als skandalös.

Für Kritik sorgte der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, der der "Bild" sagte: "Dieses und viele andere Opfer würde es nicht geben, wäre unser Land auf die Gefahren vorbereitet gewesen, die mit massenhafter Zuwanderung immer verbunden sind."

Der SPD-Vizevorsitzende Ralf Stegner nannte die Äußerungen "politisch widerlich und dümmer als die Polizei erlaubt".


Keine Erwähnung in der Tagesschau: Das sagt die ARD

Der Verzicht der ARD-"Tagesschau" als Deutschlands meistgesehene Nachrichtensendung, über die Festnahme im Fall der getöteten Studentin zu berichten, schlug Wellen. Selbst der Deutsche Journalistenverband (DJV) kritisierte die Entscheidung. ich "vornehm zurückhalten" sei in diesem Fall die falsche Entscheidung gewesen, erklärte DJV-Pressesprecher Hendrik Zörner am Montag in Berlin. "Gerade die 'Tagesschau'-Redaktion muss doch in der Lage sein, ein von einem Flüchtling begangenes Verbrechen so zu schildern, dass der Bericht nicht Wasser auf die Mühlen der Fremdenfeinde ist." Dass der Mord an der Studentin bedeutender sei als andere vergleichbaren Gewaltverbrechen, hätte die Redaktion nach Ansicht des Journalistenverbands daran erkennen können, dass bundesweit Eilmeldungen zu dem Thema verschickten wurden und überregionale Medien berichteten.

In einem Blog-Eintrag am späten Sonntagabend erläuterte ARD-Aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke erneut das Vorgehen seiner Redaktion. Die "Tagesschau" berichte nur "sehr selten über einzelne Kriminalfälle", sondern über "gesellschaftlich, national und international relevante Ereignisse". Der Freiburger Fall hebe sich von anderen Mordfällen nach diesen Kriterien nicht ab. Deshalb habe man bei der Verhaftung des Tatverdächtigen den Maßstab beibehalten.

"Die Herkunft des mutmaßlichen Täters hat also mit dieser Entscheidung nichts zu tun", betonte Gniffke. "Im Gegenteil, dass wir kein Problem damit haben, gegebenenfalls auch die Herkunft von Tatverdächtigen zu nennen, konnte man bei unserer Kölner Silvester-Berichterstattung sehen, bei der wir von Anfang an die Herkunft der mutmaßlichen Täter genannt haben."

Zuvor hatte die "Tagesschau" bereits auf Facebook erklärt, warum die Nachricht in der 20-Uhr-Ausgabe vom Samstag nicht vorkam ("regionale Bedeutung", "der besondere Schutz von Jugendlichen"). Auf diesen Eintrag reagierten zahlreiche Nutzer mit Kritik. Auf Facebook und Twitter hatte die "Tagesschau"-Redaktion über den Fall berichtet.


Bericht im "heute-journal": Das sagt das ZDF

ZDF-Moderator Claus Kleber wehrte sich online gegen Kritik, das "heute-journal" habe die Festnahme verschwiegen. Am Samstag habe die Sendung "vollumfänglich" dazu berichtet, schrieb Kleber auf Twitter. Am Sonntag sei es aber keine Neuigkeit mehr gewesen: "Daher HEUTE-journal, got it?"


AfD-Kampagne gegen Rundfunkbeitrag

Die AfD verlangt - auch als Reaktion auf den Fall Freiburg - , dass der Rundfunkbeitrag abgeschafft wird. Dafür beantragt die Partei in den zehn Landesparlamenten, in denen sie vertreten ist, eine Kündigung des Rundfunkstaatsvertrags. Eine entsprechende Initiative der AfD-Landtagsfraktionen stellten die Parteivorsitzenden Jörg Meuthen und Frauke Petry am Montag in Berlin vor. Meuthen sagte, seine Partei lehne das Prinzip der "Zwangsfinanzierung" grundsätzlich ab. Petry verband ihre Forderung zudem mit Kritik an der Arbeit der öffentlich-rechtlichen Sender.

Die Berichterstattung über die Übergriffe in der Kölner Silvesternacht und jetzt über den Sexualmord in Freiburg seien zwei Beispiele dafür, "dass nicht umfassend berichtet wird", sagte Petry. "Die Begründung der "Tagesschau" in diesem Einzelfall, das sei ein regionales Ereignis, die war schon arg lächerlich", ergänzte Meuthen. 

dpa/epd/ak