Cooles Outfit, hipper Event oder auch nur ein langweiliges Meeting - für viele Menschen ist Verwendung englischer Begriffe ein Ärgernis. Muss es aber nicht sein, findet der Vorsitzende des Deutschen Germanistenverbandes, Jörg Kilian. "Der Anglizismengebrauch muss die Menschen nicht besorgen, weil ihr Anteil am deutschen Wortschatz insgesamt relativ gering ist", sagte Kilian der Nachrichtenagentur dpa anlässlich des Deutschen Germanistentages, in Kiel. Auf dem Kongress treffen sich seit Sonntag mehr als 600 internationale Experten, um eine Positionsbestimmung der "Germanistik für das 21. Jahrhundert" vorzunehmen.

Nur rund drei Prozent der Worte in der deutschen Sprache seien Anglizismen, und darin seien schon Worte wie Cord oder Keks enthalten. "Also auch Worte, die aus dem Englischen übernommen wurden, die aber überhaupt kein Ärgernis mehr sind", sagte der Kieler Germanistikprofessor. Auch früher wurde die deutsche Sprache schon von anderen Sprachen beeinflusst, etwa vom Lateinischen oder später vom Französischen.

Anglizismen unter Jugendlichen zur Abgrenzung

Vor allem in der Jugend- und in der Werbesprache gebe es viele Anglizismen. In vielen anderen Bereichen sei die Frequenz weitaus geringer, in der Rechtssprache seien englische Begriffe kaum zu finden. Gerade bei Jugendlichen dienten Anglizismen auch dazu, sich von der erwachsenen Generation abzugrenzen. Dazu kämen mittlerweile im Rahmen der neuen Kommunikationstechnologien aber eben auch bestimmte Wortbildungsstrukturen, bestimmte Abkürzungen. "Da sind Jugendliche sehr erfindungsreich."

In der Werbesprache seien Anglizismen nicht immer sinnvoll, meinte Kilian. "Firmen wählen mitunter Anglizismen, um ihren eigenen Unternehmen einen internationalen Anstrich zu geben, bedenken aber nicht immer, dass sie damit bestimmt Kunden gar nicht mehr erreichen." Etwa weil man den Eindruck habe, "dass hier ein ziemlich rumpeliges Englisch gesprochen wird". dpa