Im Sommer 1916 lagen deutsche und französische Truppen an der französischen Festung Verdun schon seit Monaten in einem grausamen Stellungskrieg. Die britische Generalität suchte nach Wegen, den Partner Frankreich zu entlasten: Am 1. Juli 1916, vor 100 Jahren, griffen Briten und Franzosen die deutschen Stellungen am nordfranzösischen Fluss Somme an.
in Die Schlacht an der Somme wurde mit mehr als einer Million Opfern zu einer der blutigsten Schlachten des Ersten Weltkriegs. Sie dauerte bis zum 18. November 1916. Am Ende waren mehr als 400.000 britische Soldaten tot, verwundet oder vermisst, hinzu kamen Zehntausende Tote aus Ländern des Commonwealth. Frankreich meldete rund 200.000 Opfer, die Zahlen der deutschen Opfer schwanken zwischen 335.000 und mehr als 400.000. Die Alliierten hatten wenige Kilometer Gelände gewonnen.

Obwohl jedes Jahr 300.000 Besucher die Gedenkstätten, Museen und 410 Friedhöfe in der Region besuchen, gilt die Schlacht an der Somme in Frankreich heute als "vergessene Schlacht". 70 Prozent der Touristen sind Briten. Hinzu kommen Australier, Südafrikaner und Besucher aus anderen Ländern des Commonwealth, die auf britischer Seite kämpften. Das Kilometer weit sichtbare französisch-britische Memorial in Thiepval wird von den Briten finanziert.

In England ging der 1. Juli 1916 als schwarzer Tag in die Kriegsgeschichte ein. Nie zuvor hatte die britische Armee so hohe Verluste an einem Tag erlitten. Die britischen Generäle hatten damit gerechnet, die deutschen Stellungen nach tagelangem Artilleriebeschuss schnell einnehmen zu können. Es war eine gewaltige Fehleinschätzung. Viele deutsche Maschinengewehrstellungen waren noch intakt. Schon in der ersten halben Stunde wurde Tausende Briten getötet, am Ende des ersten Tages waren es fast 20.000.

Heute steht direkt auf der Frontlinie die 45 Meter hohe Gedenkstätte von Thiepval und daneben das Museum - ein Glasgebäude mit Rasendach. Der Eingang führt den Besucher in die Tiefe zu einem 400 Quadratmeter großen neuen Bereich, der Anfang Juni eröffnet wurde. Zu sehen sind Objekte aus dem Ersten Weltkrieg: ein deutsches Maschinengewehr, Überbleibsel vom Besitz der Soldaten: Geldbeutel, Briefe, Fotos, Essbesteck. Ein monumentales Panorama-Fresko des in Amerika lebenden Comic-Zeichners Joe Sacco zeigt das tausendfache Sterben.
Multimedia-Installationen erklären die Schlacht und stellen sie in einen historischen Kontext. "Wir wollten auch die verschiedenen Sichtweisen zeigen - die des britischen Commonwealth, der Franzosen und der Deutschen", erklärt Direktor Hervé François. "Dabei haben wir auch mit deutschen Historikern zusammengearbeitet."

François ist gleichzeitig Leiter einer weiteren Erinnerungsstätte zum Gedenken an die Somme-Schlacht: des "Historial de la Grande Guerre" im Schloss von Péronne. Sie wurde 2014 renoviert, zu sehen sind unter anderem 50 Radierungen des Künstlers Otto Dix aus seiner Serie "Der Krieg", veröffentlicht 1924.

François Bergez, Tourismusdirektor der Region, beschreibt die Besonderheit der Schlacht und des Gedenkens an der Somme: "Der Unterschied zu Verdun: Unser Schlachtfeld ist viel internationaler, über 25 Nationen haben hier gekämpft." Sogar Neufundland hat in der Region um Amiens sein eigenes Memorial. Soldaten von der Insel im äußersten Mündungsgebiet des kanadischen Sankt-Lorenz-Stroms kämpften im Ersten Weltkrieg aufseiten der Briten. 1916 verlor Neufundland in Beaumont-Hamel an der Somme innerhalb von zwei Stunden drei Viertel seiner Truppen.

Heute führen kanadische Studenten durch die original erhaltenen Schützengräben und die Granatenlöcher, die bis zum Friedhof am Horizont mit Gras überwachsen sind. Die Familie der 20-jährigen Kanadierin Mackenzie Safire stammt aus Neufundland: "Damals starben die jungen Männer ganzer Dörfer", erklärt die angehende Bauingenieurin den Besuchern.

"Die Hälfte von Neufundland wird am 1. Juli hier sein", sagt Mémorialdirektorin Arlène King. Die andere Hälfte der Bevölkerung gedenke der Schlacht zu Hause. Es werde eine "intime und bewegende" Zeremonie in Beaumont-Hamel geben.

Auch das Museum des südafrikanischen Memorials von Longueval wird anlässlich der 100-Jahr-Feier renoviert. Noch wenige Tage zuvor stehen Farbtöpfe und Gerüste vor den mit Plastikfolien geschützten Exponaten. Die 24.000 schwarzen Südafrikaner, die den in Truppen in Europa dienten, seien - wenn überhaupt - nur als minderwertige Wesen dargestellt worden, kritisiert Direktor Tapedi Masanabo. Der Besuch im Museum ruft ins Gedächtnis, dass der Erste Weltkrieg auch in Afrika stattfand: Unter anderem besetzte Südafrika die deutsche Kolonie Südwestafrika und blieb dort bis zur Unabhängigkeit Namibias 1990.

141 Tage dauerte die Schlacht an der Somme, 141 Tage dauert auch das Gedenken. Tourismusdirektor Bergez hofft, dass auch darüber hinaus Besucher kommen - um etwa die Gegend um die "Montagne de Frise" zu besuchen, wo 1916 die französischen Truppen im monatelangen Stellungskrieg kämpften. Der "Berg" ist zwar nur 120 Meter hoch, aber von hier aus kann man die grüne Flusslandschaft der Somme weit überblicken. Heute ist hier ein Naturpark, das Tourismusbüro hat zahlreiche Wanderwege angelegt.
Die Frontlinie mit allen Gedenkstätten des Ersten Weltkriegs, darunter elf im Tal der Somme, soll Weltkulturerbe werden. Der Antrag liegt bei der Unesco in Bearbeitung.