Für Sparer und Anleger sind schon seit längerem schwere Zeiten angebrochen: Es gibt so gut wie Null Zinsen mehr. Obendrein schlägt der Staat immer wieder zu, so wird zum Beispiel ab 2018 die Steuerreform die Erträge vieler Fondsanleger und Sparer schmälern. Was lohnt sich also noch? Antworten auf alle Fragen zum Thema Geld- und Vermögensanlage bekamen Leser dieser Zeitung bei unserer Telefonaktion.

Zwei Stunden lang standen mit Peter Arnold und Sabine Hartl zwei Experten des Bundesverbandes deutscher Banken an unserem Redaktionstelefon Rede und Antwort - und hatten kaum Zeit zum Luftholen, so enorm war die Resonanz auf das Thema.

Die Bankexperten wissen aus ihrer täglichen Arbeit: "In diesen Zeiten Geld gut anzulegen, ist gar nicht so einfach. Die Zinsen für Sparguthaben tendieren gegen Null." Über die historisch niedrigen Zinsen freuen könne sich nur, wer einen Kredit benötigt. "Baufinanzierungen sind günstig wie nie zuvor", sagen Arnold und Hartl.


Alternativen für Sparer

Sparer jedoch müssten sich nach Alternativen umschauen. Vielleicht Aktien oder Fonds? Aber welche sind die richtigen? Wie finde ich die Finanzprodukte, die zu mir und meinen Anlagezielen passen? Ist es sinnvoll, in fremde Währungen wie den Dollar anzulegen? Lohnt es in Immobilien zu investieren? Oder Gold zu kaufen? Wie teile ich mein Vermögen sinnvoll auf?

"Trotz der Minizinsen sparen die Deutschen unverdrossen weiter", sagen die Bankexperten. Mehr als fünf Billionen Euro betrage das Geldvermögen der Bundesbürger. Doch ist es auch richtig angelegt? Fast 40 Prozent lägen auf Konten, die keine oder kaum noch Zinsen bringen. Ähnlich groß seien die Ansprüche an Versicherungen und Pensionskassen, wo die Renditen ebenfalls auf Talfahrt sind.


Deutsche sind risikoscheu beim Geldanlegen

Gleichzeitig seien die Deutschen risikoscheu beim Geldanlegen: "Nur gut sechs Prozent des Geldvermögens sind in Aktien investiert", sagen Arnold und Hartl."Dabei bieten Aktienanlagen langfristig hohe Renditechancen." Doch eignet sich jedes Aktiensparen für jeden? Welche Kosten fallen an? Wie kann man sein Vermögen vor Verlusten schützen? Ist es sinnvoll, die fällige Lebensversicherung in Wertpapieren anzulegen? Wie legt man einen kleinen oder großen Geldbetrag gut und sicher an? Soll man in diesen unsicheren Zeiten sein Vermögen neu strukturieren und: Wie kann man überhaupt noch Vermögen aufbauen?


Das waren die Fragen und Antworten

All diese Fragen konnten unsere Leser bei unserer Telefonaktion stellen und bekamen von den Experten Arnold und Hartl kompetente Antworten. Im Folgenden eine Zusammenfassung.

Wo kann man Investmentfonds kaufen?
Bei der Hausbank, bei anderen Kreditinstituten, und auch bei unabhängigen Maklern.

Was halten Sie von Dividendenfonds? Sollen wir die behalten?
Mit verzinsten Anlagen bekommen Sie kaum noch Rendite. Dividendenfonds können dagegen regelmäßig attraktive Ausschüttungen bieten. Wenn Sie das weiterhin wollen und bereit sind, die mit Aktienfonds unweigerlich einhergehenden Wertschwankungen weiterhin auszuhalten, sind Dividendenfonds nach wie vor sinnvoll.

Sind Aktien sicher?
Nein, Aktien unterliegen Kursschwankungen, und die können heftig sein. Im Extremfall ist bei einer Aktie auch ein Totalverlust möglich. Andererseits bieten Aktienanlagen langfristig aber auch hohe Renditechancen, wie die historische Entwicklung zeigt. Für eine Aktienanlage ist, um Risiken zu mindern, eine breite Streuung notwendig. Sei es, dass der Anleger selbst verschiedene Aktien aus verschiedenen Branchen erwirbt, oder dass er einen Aktienfonds kauft, bei dem von vornherein für eine breite Streuung auf zahlreiche verschiedene Aktien gesorgt wird.

Was ist mit meinem Wertpapierdepot, wenn meine Bank in Konkurs gehen sollte? Ist mein Depot durch die Einlagensicherung geschützt?
Nein, die Einlagensicherung schützt Kundenguthaben bei Banken auf Konten, also Sparkonten, Girokonten, Festgelder usw. einschließlich auf den Namen lautender Sparbriefe. Wertpapierdepots sind aber als Sondervermögen geschützt, das heißt, wenn Ihre Bank tatsächlich zahlungsunfähig werden sollte, betrifft das nicht Ihr Wertpapierdepot, über das Sie weiterhin verfügen können.

Kann ich mit sicheren Anlagen noch Rendite erzielen?
Nein, nehmen Sie zum Beispiel zehnjährige Bundesanleihen, deren Rendite lag bereits leicht im Minus. Wenn Sie noch Rendite erzielen wollen, müssen Sie bereit sein, zumindest etwas Risiko einzugehen.

Wie lege ich 100 000 Euro am besten an?
Da gibt es keine allgemein gültige Antwort. Grundsätzlich ist eine breite Streuung des Vermögens über verschiedene "Anlageklassen" ratsam. Neben Liquidität für Notfälle können Aktien, Gold, Rohstoffe, Immobilien dazu gehören. Sie sollten einen Termin mit Ihrem Berater vereinbaren, der Ihnen je nach persönlichen Vorstellungen ein passendes Anlagekonzept machen kann.

Soll man sein Geld zur Sicherheit besser überwiegend in Gold anlegen?
Als Beimischung ist Gold geeignet, in der Regel bis zu etwa 5 oder 10 Prozent des freien Vermögens. Aber das Vermögen überwiegend in Gold anzulegen, ist risikobehaftet. Denn Gold ist nicht wertstabil. Der Goldpreis schwankt vielmehr ganz erheblich. Außerdem bringen Edelmetalle keine regelmäßigen Zinserträge oder Dividenden.

Wir sind beide Rentner. Lohnt es sich für uns noch, in Fonds anzulegen, da es für unser Geld auf Sparkonten keine Zinsen mehr gibt?
Fondssparen kann sich in jedem Alter lohnen, wenn man das Geld für wenigstens etwa fünf Jahre anlegen kann. Denn mittel- bis längerfristig bieten Fonds attraktive Renditechancen. Für eine kurzfristige Anlage sind Investmentfonds aber nicht geeignet. Da die Fondsauswahl groß ist, sollten Sie sich vorab beraten lassen, welche Fonds zu Ihnen und Ihren individuellen Bedürfnissen am besten passen. Je nach Anlagezielen und Risikoneigung sind unterschiedliche Fonds geeignet.

Kommt bald die Zinswende?
Da sieht es nicht nach aus. Die Europäische Zentralbank ist nach wie vor bestrebt, das Zinsniveau sehr niedrig zu halten.

Es wird immer wieder gesagt, mit Aktien könne man gutes Geld verdienen. Ich habe 1999 Aktien eines Unternehmens aus dem DAX gekauft und habe seitdem Verluste. Was habe ich falsch gemacht?
Niemand kann vorhersehen, wie sich ein Unternehmen und dessen Aktienkurs in Zukunft entwickeln werden. Es hat immer Aktien gegeben, die langfristig fallen, und andere, die langfristig steigen. Deshalb ist es wichtig Aktienanlagen breit zu streuen. Denn die historische Entwicklung zeigt, dass langfristig mit einem breit gestreuten Aktiendepot immer gute Renditen möglich waren.
Ich bin über 80 Jahre alt und habe 70 000 Euro auf dem Konto, für die ich zuletzt 1,75 Euro Zinsen gutgeschrieben bekommen habe. Soll ich da nicht besser mein Geld abheben, bevor ich Strafzinsen zahlen muss?
So viel Geld zuhause aufzubewahren, ist riskant. Derzeit sind Strafzinsen für den normalen Sparer nicht in Sicht. Wenn Sie dennoch abheben wollen, sollten Sie das Geld zumindest sicher in einem Tresor oder Tresorfach einer Bank aufbewahren.

Ich habe Angst vor Inflation. Was meinen Sie, kommt es demnächst zu einen großen Inflation, wie wir sie früher einmal in Deutschland hatten?
Derzeit ist die Inflationsrate immer noch sehr niedrig, aktuell liegt sie bei 0,7 Prozent. Im nächsten Jahr dürfte sie etwas ansteigen, aber weiterhin unter zwei Prozent bleiben. Vor einer starken Inflation muss man sich derzeit nicht fürchten, die ist auf absehbare Zeit nicht in Sicht.

Aus einem Hausverkauf erhalten wir demnächst eine große Geldsumme auf unser Bankkonto. Ist das Geld sicher?
Die gesetzliche Einlagensicherung schützt Bankeinlagen von Kunden bis zu maximal 100 000 Euro pro Person, für Eheleute gelten also zusammen 200 000 Euro. Die meisten privaten Banken gehören zusätzlich der freiwilligen Einlagensicherung des Bundesverbandes deutscher Banken an, die auch weit höhere Bankguthaben schützt, auch Millionenbeträge. Nähere Informationen dazu können Sie zum Beispiel unter www.bankenverband.de erhalten. Dort besteht auch die Möglichkeit, zu einzelnen Banken deren Sicherungsgrenze abzufragen, die von der Höhe des haftenden Eigenkapitals der Bank abhängt.

Haben Investmentfonds eine feste Laufzeit?
Die meisten Fonds haben keine feste Laufzeit. Anleger können Fondsanteile grundsätzlich jederzeit zum aktuellen Wert kaufen und verkaufen. Dabei ist zu beachten, dass beim Kauf in der Regel ein einmaliger Ausgabeaufschlag anfällt, der die Rendite des Anlegers schmälert. Investmentfonds kann man bei der Hausbank, bei anderen Kreditinstituten und unabhänigen Maklern kaufen.

Was halten Sie von deutschen Aktien?
Der deutsche Aktienmarkt hat noch Luft nach oben. Gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis ist der deutsche Aktienmarkt immer noch attraktiv bewertet. Kurzfristig müssen Anleger jedoch immer wieder mit Rückschlägen rechnen.

Ich habe 270 000 Euro auf Spar- und Festgeldkonten mit einer Verzinsung von im Schnitt 0,3 Prozent, außerdem 230 000 Euro in Aktien. Ich möchte die 270 000 Euro auf den Konten reduzieren, um mehr Rendite zu bekommen. Aber wie?
Das gibt es viele Möglichkeiten. Sie könnten zum Beispiel den Aktienanteil aufstocken oder eine Beteiligung eingehen. Das sollten Sie aber in Ruhe mit einem Berater Ihres Vertrauens besprechen, der Sie und Ihre Vermögensverhältnisse sowie Ihre Risikomentalität kennt.

Ich habe 2004 eine Lebensversicherung mit einem Garantiezins von drei Prozent abgeschlossen. Was soll ich damit machen?
Diesen Zins bekommen Sie heutzutage bei Neuanlagen nicht mehr. Das spricht dafür, die Versicherung weiter laufen zu lassen. Aber lassen Sie die Versicherung doch einmal durch einen Experten checken.