Eigentlich sollte seine Oma ihn wie jeden Morgen in den Kindergarten bringen. Doch am 24. Oktober 2016 war alles anders. Die 67-Jährige fiel plötzlich Zuhause in Saulgrub bei Garmisch-Partenkirchen um, blieb regungslos liegen. Ein Notfall, doch der Junge wusste sich schnell zu helfen - und rief fast routiniert die 112 an. Dafür wurde er am Mittwoch vom bayerischen Innenminister Joachim Herrmann (CSU) mit der Christophorus-Medaille ausgezeichnet.

"Wir hatten einige Zeit vorher schon einmal durchgespielt, was man in einem Notfall machen muss", sagte die Mutter des Jungen, Barbara Neuner, ein halbes Jahr nach dem Vorfall. Auch im Kindergarten sei das Absetzen eines Notrufs Thema gewesen. Als es dann tatsächlich zum Notfall kam, erinnerte sich Tobias an die Erklärungen der Eltern und an sein Kinderbuch über die Feuerwehr und den Rettungsdienst.

Der Junge holte sich schnell das Buch, in dem auch die Notrufnummer 112 abgebildet ist. "Tobias hat der Bergwacht dann seinen Namen und die Adresse durchgegeben und gesagt, dass er Hilfe brauche, weil seine Oma umgefallen sei und sich nicht mehr bewege", sagte seine Mutter.

Als der Rettungsdienst eintraf, öffnete er die Tür und erklärte, wo genau seine Oma liegt. Nach einer Reanimation wurde die 67-Jährige ins Krankenhaus gebracht. Dort starb sie allerdings fünf Tage später auf der Intensivstation. "Tobias hat uns mit seinem Einsatz ein Riesengeschenk gemacht", sagte seine Mutter. Der Zusammenbruch der 67-Jährigen sei aus heiterem Himmel gekommen. Durch Tobias' Notruf konnte sich die Familie noch von ihr verabschieden. "Die Situation ist nicht leicht für Tobias, aber er fühlt sich schon auch als Retter."


"Menschen wie Sie schenken unserer Heimat Menschlichkeit und Zuversicht"

Tobias ist einer von 129 Lebensrettern, die am Mittwoch von Innenminister Joachim Herrmann (CSU) mit der Bayerischen Rettungs- beziehungsweise der Christophorus-Medaille ausgezeichnet worden. Beide Medaillen werden an Menschen vergeben, die anderen aus lebensgefährlichen Situationen halfen. "Menschen wie Sie sind Bayerns Stärke, Menschen wie Sie schenken unserer Heimat Menschlichkeit und Zuversicht", sagte Herrmann bei der Verleihung.

65 Geehrte erhielten die Bayerische Rettungsmedaille. Der Polizist Torsten Hiljanen aus Bobingen (Landkreis Augsburg) beispielsweise hatte einen Mann gerettet, dem auf dem Oktoberfest 2013 mit einem Weißbierglas ins Gesicht geschlagen und dabei die Halsschlagader durchtrennt wurde. Hiljanen verhinderte das Verbluten des Mannes.

Johanna Weber aus Theilheim bei Würzburg erhielt die Rettungsmedaille, weil die damals Achtjährige ihre Freundin im Kitzinger Schwimmbad vor dem Ertrinken rettete. Die Neunjährige hatte einen Krampfanfall erlitten und war bewusstlos.

Über die Christophorus-Medaille freuen konnten sich in diesem Jahr 64 Menschen, die jemanden unter besonders schwierigen Umständen aus Lebensgefahr gerettet haben.