"Fast die Hälfte unseres Weizenbocks wird von Frauen getrunken", stellt Stephan Michel fest. Das hat Konsequenzen. Den traditionellen Bockbieranstich gibt es in Michels Brauerei "Mahr" in Bamberg inzwischen nicht nur im Herbst, sondern auch am Aschermittwoch - zu Beginn der Fastenzeit. Dann eben mit besagtem obergärigen Weizenbock.

Allzu alt ist diese Tradition des Fastenbocks noch nicht. Seit 20 Jahren ist der Weizenbockanstich an Aschermittwoch zu einem festen Bestandteil des Bierkalenders geworden. Und die Damenwelt hat sich auf diesen Termin eingestellt. Liane Konrad etwa. Die Bambergerin versäumt seit dessen Einführung keinen Anstich, hat extra Urlaub genommen. Und genießt zusammen mit ihrem Mann am Stammtisch in der Braustube süffig-mildes Bier der alkoholhaltigeren Art. Mit etwas anderem Malz eingebraut, gut drei Monate in der Flasche gereift.

Schräg gegenüber, in der Brauerei Keesmann, setzt man ebenfalls auf Fastenbock. Braumeister Christian Lange hat hier einen Josephibock eingebraut. Allerdings keinen obergärigen wie der Nachbar auf der anderen Straßenseite, sondern ein untergäriges, typisch fränkisches Bier. Vollmundig schmecke das Bier, heißt es, für das eine spezielle Mischung aus Pilsner und Wiener Malz Verwendung fand. Mit einem etwa 1,5 Prozent höheren Alkoholgehalt als ein Pils ausgestattet, allerdings mit einiger Vorsicht zu genießen.

Ein Bockbier auch in der Fastenzeit, das macht in Franken mehr und mehr Schule. Zum Beispiel in Aufseß. Genauer: Bei der insbesondere bei Motorradfahrern beliebten "Kathi-Bräu" in Heckenhof. Braumeister Josef Schmitt hat hier ein dunkles Bockbier - 30 Hektoliter - eingebraut, das jedes Jahr ab dem ersten Märzwochenende ausgeschenkt wird. Die Menge reicht etwa bis Ende April.

Doch damit nicht genug. Am Freitag erfolgt bei der Brauerei Hübner in Wattendorf der Bockbieranstich mit allem, was dazugehört. Eine Premiere in Sachen Fastenbock wartet in Bamberg auf die Bierfreunde. Anfang April will die dortige Brauerei Greifenklau erstmals einen eigenen Fastenbock ausschenken. Indizien dafür, dass sich in Sachen Bierkultur in Franken ein Wandel abzuzeichnen beginnt. Nicht nur mit Blick auf den Fastenbock. Meint Brauerinhaber Stephan Michel.

"Die Szene wandelt sich. Handwerklich gute Arbeit wird zunehmend honoriert."
Und Bernd Sauer vom Verein "Bierland Oberfranken", Kenner der Szene, kann in Sachen Fastenbock noch nachlegen. Am 15. März lade die Stadtsteinacher Brauerei Hübner zum Starkbierfest mit der örtlichen Schützengesellschaft ein. Und am gleichen Tag veranstaltet das Kulmbacher Kleinkunstbrettla in Untersteinach sein 4. Bock-Bier-Brettla. Also: Auch Franken "bockt" zur Fastenzeit.

Info:
Legende Es war zu Zeiten der Gegenreformation, als Bayerns Kurfürst Maximilian I. Paulaner-Mönche ins Land holte. Den aus Italien kommenden Brüdern fiel es schwer, die strengen Fastenregeln einzuhalten. Unter anderem durften sie nur flüssige Nahrung zu sich nehmen.

Erste Hilfe Man behalf sich mit der Verabreichung von Starkbier, sogenanntem "ainpöckischem" Bier aus dem Hofbräuhaus, das seine Wurzeln im niedersächsischen Einbeck hatte. Das Bier war stark, sehr kalorienhaltig und nicht filtriert. Ab 1629 durften die Paulaner ihr eigenes Bier brauchen.

Die Lösung Und die Mönche legten gleich noch eine Schippe drauf. Sie hoben den Stammwürzegehalt nochmals deutlich an und erhielten damit ein noch stärkeres Bier als das "einpöckische". Es handelte sich um die Geburtsstunde des legendären Doppelbocks.

Starkbieranstich
Auf die Idee kam der Paulanermönch Valentin Stephan Still, auch Frater Barnabas genannt. Der führte als Braumeister der Paulaner in der Au die Regel ein, den bayerischen Kurfürsten Karl Theodor zum jährlichen Anstich des Starkbiers am 2. April einzuladen und ihm den ersten Krug auszuschenken. Im Gegenzug wurde den Mönchen der öffentliche Bierausschank genehmigt.

..ator
Sankt-Vaters-Bier wurde das Starkbier zu Ehren des Ordensgründers Franz von Paola genannt. Woraus sich der Name Salvator entwickelte. Als im 19. Jahrhundert weitere Brauereien Doppelbockbier unter diesem Namen vertrieben, gab es einen Rechtsstreit. Ergebnis: Die anderen Brauereien mussten ihr Bier umbenennen. Es blieb die endung ..ator und es entstanden der Animator, Triumphator, Maximator.