Mehr als eine Million Migranten sind im vergangenen Jahr nach Europa gekommen, viele von ihnen über Griechenland. Der Flüchtlingspakt der EU mit der Türkei hat die Zahlen sinken lassen. Doch das Problem bleibt: Länder wie Griechenland und Italien sind die Hauptankunftsländer für Bootsflüchtlinge in Europa. Die EU-Kommission schlägt eine Grundsatzreform vor, die EU-Staaten und das Europaparlament müssten aber noch zustimmen. Die vorgeschlagenen Änderungen im Überblick:


Ankunftsland

Das Land, in dem ein Migrant zuerst den Boden der Europäischen Union betritt, soll auch weiterhin für das Asylverfahren zuständig bleiben.


Richtwert

Für jedes Land würde daher künftig ein Richtwert für die Zahl zumutbarer Asylanträge festgelegt. Der Richtwert ist ein Anteil an der Zahl aller Asylanträge in Europa. Bei der Berechnung werden die Bevölkerungszahl und die Wirtschaftskraft zugrunde gelegt. Bei den Asylanträgen würden nicht nur Menschen mitgezählt, die von selbst in das betroffene Land kommen, sondern auch Flüchtlinge, die das Land von außerhalb Europas aufnimmt - etwa aus der Türkei.


Fairness-Mechanismus

Wenn der Richtwert innerhalb von zwölf Monaten um mehr als die Hälfte überschritten wird (also mehr als 150 Prozent des Richtwertes erreicht sind), würde automatisch ein Fairness-Mechanismus greifen. Asylbewerber, die ab diesem Zeitpunkt im betroffenen Land einen Antrag stellen, werden in andere europäische Staaten umverteilt. Dies geschieht solange, bis der Richtwert wieder um weniger als die Hälfte überschritten wird.


Ausgleichszahlung

Wenn ein Land sich weigert, einen anderen europäischen Staat über den Fairness-Mechanismus zu entlasten, würden stattdessen 250 000 Euro pro Asylbewerber fällig. Diese Ausgleichszahlung soll an das Land fließen, das sich stattdessen um den Migranten kümmert.


Keine freie Ortswahl

Für Asylbewerber soll es keine Auswahl ihres Aufnahmelandes in der EU geben. Theoretisch gilt diese Regel schon, wird aber laut EU-Kommission nicht konsequent umgesetzt. Schutzsuchende, die unerlaubt das Land wechseln, müssten mit Kürzungen der Unterstützung und mit Sanktionen rechnen.


Familien

Gleichzeitig sollen die Rechte unbegleiteter Minderjähriger gestärkt werden. Das Recht auf Familienzusammenführung würde auf Geschwister ausgeweitet - bisher gilt es vor allem für Ehepartner und minderjährige Kinder.


Großbritannien, Irland und Dänemark könnten entscheiden, ob sie bei der Neuregelung mitmachen. Die anderen 25 EU-Staaten sind mit im Boot, ebenso Island, Norwegen, die Schweiz und Liechtenstein, die zum eigentlich grenzkontrollfreien Schengen-Raum gehören.