Der Wahlkampf zwischen Hillary Clinton und Donald Trump hatte Schlammschlacht-Qualitäten. Darüber gerieten die politischen Positionen der Kontrahenten häufig ins Hintertreffen. Zur Wahl ein Überblick über die wichtigsten Standpunkte.

Wirtschaft

Hillary Clinton  Unabhängige Experten schätzen, dass die Pläne der ehemaligen Außenministerin in den nächsten zehn Jahren zehn Millionen neue Jobs schaffen. Unter anderem will sie in Bildung, moderne Produktionsmethoden, erneuerbare Energien und Infrastrukturmaßnahmen investieren. Beide Kandidaten planen steuerpolitische Wachstumsanreize. Allerdings setzt Clinton direkter bei der Mittelschicht an als Trump. Beim Thema Handel hat Clinton eine Kehrtwende hingelegt: Das geplante pazifische Freihandelsabkommen, das sie einst pries, lehnt sie heute ab.

Donald Trump  Der Immobilienmogul verspricht für die nächsten zehn Jahre 25 Millionen neue Jobs. Er will das durch niedrigere Steuern, kräftige Infrastrukturinvestitionen, weniger Regularien und eine Neuausrichtung des internationalen Handels erreichen. Die Kontrolle der Finanzmärkte soll gelockert werden. Das zwei Jahrzehnte alte nordamerikanische Handelsabkommen Nafta will Trump neu verhandeln oder kündigen. Neue Zölle sollen US-Arbeiter vor vermeintlich unfairem Wettbewerb schützen. Trump hat vor allem China gegenüber eine härtere Gangart angekündigt.

Haushalt

Hillary Clinton Die USA sind mit knapp 20 Billionen Dollar verschuldet. Unabhängige Fachleute schätzen, dass Clinton diese Summe nicht reduzieren würde, denn die meisten ihrer Vorhaben erfordern Investitionen: Vorschulbildung, bessere Schulen, Gratis-Studium für alle außer für die Reichsten. Clintons Infrastrukturpaket soll 275 Milliarden Dollar kosten, dazu kommen ein höherer Mindestlohn für Staatsbedienstete und ehrgeizige Programme von der Polizei bis zu Kindertagesstätten. Bei den populären Sozialprogrammen Social Security und Medicare, den kritischsten Posten im Haushalt, will Clinton nicht sparen: Auf Druck der Linken hat sie sogar Leistungserhöhungen versprochen. Für die meisten ihrer Projekte hält sie aber Konzepte zur Gegenfinanzierung bereit.

Donald Trump plant massive Steuersenkungen, die vor allem Firmen und Gutverdienenden zugute kämen. Obendrein will er stärker ins Militär investieren und für Infrastrukturmaßnahmen ein Billionenprogramm auflegen. Teile davon sollen durch erhöhte Produktion von fossilen Energien finanziert werden. Anders als seine Partei will auch Trump die Sozialprogramme Social Security und Medicare (Krankenversicherung für ältere oder behinderte Bürger) nicht kürzen. Wie Clinton möchte er Milliarden für Bildung ausgeben. Konservativen Schätzungen zufolge würden allein Trumps Steuersenkungen in der nächsten Dekade Einnahmeverluste zwischen sechs und neun Billionen Dollar bedeuten.


Außenpolitik

Hillary Clinton hat sich in ihrer Zeit als Außenministerin etwas aggressiver positioniert als Präsident Barack Obama. Sie war eine treibende Kraft hinter der US-Beteiligung an der Intervention in Libyen, kämpfte für die Bewaffnung von syrischen Rebellen und Kurden und fordert bis heute die Errichtung von Flugverbotszonen über dem Bürgerkriegsland. Bodentruppen schließt sie allerdings jenseits von Spezialkräften aus. Den russischen Präsidenten Wladimir Putin hat Clinton als Tyrannen bezeichnet, dem sie entschieden entgegentreten werde. In vielem dürfte Clinton die Außenpolitik fortführen, die sie unter Obama mitgestaltet hat. Anders als Trump hat Clinton sich vorbehaltlos zur Bündnistreue innerhalb der Nato bekannt.

Donald Trump hat außenpolitisch widersprüchliche Auffassungen vertreten. Grundsätzlich möchte er, dass die USA sich aus der Rolle des Weltpolizisten zurückziehen. Gleichzeitig gibt es wenige prominente Konflikte, zu denen er nicht schon eine Lösung durchs US-Militär vorgeschlagen hat, dessen Budget soll wachsen. Für den Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" hat Trump Zehntausende US-Bodentruppen vorgeschlagen, bevor er es sich anders überlegte und doch lieber auf Verbündete vor Ort setzen wollte. Trump möchte stärker mit Moskau kooperieren. Während er nach der Annexion der Krim ursprünglich Stärke und Sanktionen verlangte, stellte er später eine Anerkennung der russischen Herrschaft und eine Aufhebung der Sanktionen in Aussicht. Trump möchte den Atomdeal mit dem Iran widerrufen und die Verteidigung von Nato-Mitgliedstaaten stärker an deren Beitragszahlungen knüpfen. Länder wie Deutschland, Japan, Südkorea oder Saudi-Arabien könnten sich sonst auch selbst Atomwaffen zulegen, verkündete Trump im Wahlkampf. Später wollte er sich nicht für nukleare Weiterverbreitung ausgesprochen haben.


Einwanderung & Terrorangst

Hillary Clinton kämpft für eine Einwanderungsreform, will einen Immigrationsbeauftragten in ihrer Regierung. Menschen, die sich ohne Papiere im Land aufhalten, sollen unter Umständen eine Möglichkeit zur Legalisierung erhalten. Clinton möchte außerdem die Zahl der syrischen Flüchtlinge in den USA von derzeit 10 000 auf 65 000 pro Jahr erhöhen. Sie warnt davor, Muslime durch Pauschalisierung und Angstmacherei vor den Kopf zu stoßen. Die meisten hätten nicht nur mit gewalttätigem Extremismus nichts am Hut, sondern seien die wichtigsten Verbündeten im Kampf gegen islamistisch verbrämten Terror. Clinton will das Gefängnis Guantánamo schließen. Die Folterpraktiken der Regierung George W. Bush hält sie für einen großen Fehler.

Donald Trump hat den Kampf gegen illegale Einwanderung aus Mexiko zu seinem Markenzeichen gemacht. Er verspricht an der Südgrenze eine durchgängige Mauer, für die das Nachbarland zahlen soll. Trump hat auch lang davon gesprochen, alle elf Millionen undokumentierten Menschen im Land zu deportieren, obwohl viele Kinder haben, die US-Amerikaner sind. Inzwischen hat er diese Position aufgeweicht.
Trump warnt davor, syrische Flüchtlinge aufzunehmen, da sich unter ihnen IS-Angehörige verbergen könnten. Er versprach eine komplette Grenzschließung für Muslime und eine Überwachung von Moscheen im Land, bevor er auch hier teilweise Rückzieher machte.
Trump glaubt, dass das Guantánamo-Gefängnis sogar neue Gefangene aufnehmen sollte. Er hat sich zeitweise dafür ausgesprochen, noch härtere Verhörmethoden zu verwenden als unter der Regierung Bush und verlangt, dass das US-Militär ihm auch dann folgt, wenn er Gesetzesverstöße befiehlt. Später nahm er das halbherzig zurück.

Gesundheit

Hillary Clinton will Barack Obamas Gesundheitsreform erhalten, eines seiner Prestigeprojekte. Neun von zehn Amerikanern sind seither krankenversichert, Anbieter können unliebsame Kunden nicht mehr ablehnen. Für manche Bevölkerungsgruppen werden die Prämien im nächsten Jahr aber stark steigen, Versicherer ziehen sich aus einigen Gegenden zurück. Clinton will die Kinderkrankheiten des Gesetzes nachbessern.

Donald Trump will das ganze Projekt widerrufen, seine Partei hat im Kongress mehr als 60 Prozessvoten inszeniert.
Es gibt bislang nur vage Details für einen Ersatz: Trump möchte individuelle Sparpläne einführen, aus denen Gesundheitskosten künftig bezahlt werden. Außerdem sollen Versicherer mehr Wettbewerb über Bundesstaatengrenzen hinweg ausgesetzt sein.


Klimawandel und Energie

Hillary Clinton hält den Kampf gegen den Klimawandel für eine der wichtigsten Herausforderungen. Sie will den Erdgasboom nutzen, um sich schneller von Kohle zu lösen, den Anteil der erneuerbaren Energien aber so ausbauen, dass innerhalb von zehn Jahren jedes US-Haus damit versorgt werden kann. Präsident Obama hat versprochen, die Treibhausgasemissionen der USA bis 2025 um bis zu 30 Prozent zu reduzieren, dazu bekennt sich auch Clinton.

Donald Trump hat den Klimawandel über Jahre hinweg als chinesische Erfindung bezeichnet: Der Kampf dagegen verteuere westliche Produkte.
Er möchte die neu erschlossenen fossilen Energiereserven der USA voll nutzen, um von Importen unabhängig zu werden. Obamas Schadstoffvorschriften für Kraftwerke will er zurücknehmen.


Politische Reformen

Hillary Clinton hat ein Herzensanliegen - sie will die Citizens-United-Entscheidung des Supreme Courts revidieren, wonach Unternehmen unbegrenzte Geldmengen in den Wahlkampf stecken dürfen. Ein Richterstuhl ist derzeit unbesetzt, mehrere Robenträger sind so alt, dass sie während der nächsten Präsidentschaft ausscheiden könnten. Wenn die Demokraten neben dem Weißen Haus auch den Senat erobern, könnte Clinton durch entsprechende Richter-Ernennungen die Gewichte verschieben und eine Revision herbeiführen.

Donald Trump hat klargemacht, dass er den Supreme Court als Präsident stark konservativ ausrichten würde. Damit würde sich an der Wahlkampffinanzierung wohl nichts ändern. Allerdings hat Trump eine andere Strukturreform angekündigt: Er möchte die Amtszeit von Kongressabgeordneten begrenzen.
Das ist populär, aber sehr unwahrscheinlich, weil der Kongress dazu eine Verfassungsänderung beschließen müsste. Experten glauben, dass das vor allem die Macht von Lobbyisten erhöhen würde: Sie würden im Lauf der Jahre weit mehr Sachwissen ansammeln als die zum Wechseln gezwungenen Politiker.


Soziale Themen

Hillary Clinton tritt dafür ein, dass Frauen das Recht auf Abtreibung behalten, das der Supreme Court ihnen in den 70er Jahren eingeräumt hat. Auch die Homo-Ehe soll bestehen bleiben, seit 2015 landesweit legalisiert.
Clinton will gleiche Bezahlung für Frauen gesetzlich besser verankern und zwölf Wochen bezahlte Elternzeit durchsetzen. Waffenkäufer sollen sich bei Gebrauchtwarenmessen und im Internet denselben Kontrollen unterziehen müssen wie im Geschäft; wer auf Terrorverdachtslisten steht, darf auch keine Waffe haben.

Donald Trump möchte die Entscheidung über Abtreibungen den einzelnen Bundesstaaten überlassen. Ein von ihm neu gewichteter Supreme Court könnte dem nachkommen und damit dafür sorgen, dass sie in vielen Staaten nicht mehr zugänglich wäre. Ähnlich würde es der Homo-Ehe ergehen.
In Trumps Augen sind die Gesetze zur Bezahlung von Männern und Frauen ausreichend. Im Gegensatz zur bisherigen Linie seiner Partei befürwortet er aber sechs Wochen bezahlte Elternzeit. Die bestehenden Vorschriften zu Schusswaffen sollen gelockert werden.

Die Analyse stammt von unserem USA-Korrespondenten Jens Schmitz.