Der Termin und die Mannschaften stehen noch nicht fest, aber immerhin existiert das Stadion schon lange. Anders als die Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens muss das Champions-League-Finale 2015 in Berlin wohl kaum verschoben werden. Die Entscheidung der UEFA, das Endspiel um die höchste europäische Club-Trophäe im Olympiastadion spielen zu lassen, ist Balsam auf die Seele der Stadt. Nach dem Flughafendebakel und all den anderen Pleiten und Pannen bei öffentlichen Projekten, kann die deutsche Hauptstadt positive Schlagzeilen gut gebrauchen.

"Siehste, geht doch", dürfte der ideelle Gesamtberliner jetzt ausrufen - und sich dann gleich einem anderen Thema zuwenden. Denn es ist ja nicht so, dass Berlin in den vergangenen Jahren bei Großereignissen überfordert gewesen wäre.

Ob das "Sommermärchen" mit den Millionen auf der Fanmeile zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006, die Leichtathletik-WM 2009 oder der Papstbesuch zwei Jahre später - wenn sich Menschenmassen irgendwo in der Metropole versammeln, läuft das Leben in anderen Stadtteilen mehr oder weniger wie gewohnt weiter. Staus und Andrang ertragen die Berliner in der Regel mit Gleichmut - und stellen sich oft am liebsten selber mit an.

Jedes Jahr schreibt die Stadt Rekorde bei Besucherzahlen, täglich finden nach Auskunft des Hotel- und Gaststättenverbands im Durchschnitt 1500 Veranstaltungen statt. Und wie keine andere Stadt in Deutschland kann Berlin eine mehr als ausreichende Zahl an Hotelbetten bieten - vor allem im Top-Segment. Hier konkurrieren mittlerweile 24 Fünf-Sterne-Häuser gegeneinander. Zwischen der oft nörgelnden Selbstwahrnehmung der Berliner und der Außenbetrachtung klafft eine Lücke.

Und so wertet auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) das UEFA-Votum als "starkes Signal" für die Sportmetropole Berlin und erinnert daran, was Berlin in letzter Zeit so gestemmt hat. Die Marketinggesellschaft Visit Berlin rechnet mit zwei Millionen Besuchern rund um das Finale und 100 Millionen Fernsehzuschauern weltweit.

Mitentscheidend für den Zuschlag war wohl auch der Erfolg der Stadt mit dem DFB-Pokalfinale, das jedes Jahr in Berlin ausgetragen wird. Ob der Aufstieg von Hertha BSC in die Bundesliga auch geholfen hat, ist nicht klar. Jedenfalls soll der Klub in die Organisation miteinbezogen werden.

Denn Herthas sportliche Heimat bietet sich als fotogene Arena an. Zwischen dem Potsdamer Platz im Zentrum und dem Stadion sind es kaum mehr als zehn Kilometer, in S- oder U-Bahn ist das Stadion leicht zu erreichen. Das Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner, das auch den neuen Flughafen entworfen hat, baute es von 100 000 auf 70 000 Plätze zurück und ließ ein Dach über die Tribünen ziehen. Bis zum Anpfiff im Sommer 2015 dürfte es hier keine Überraschungen geben. Bleibt abzuwarten, wie die Fans zum Finale anreisen. Ob der neue Flughafen zum Spieltermin - voraussichtlich am 6. Juni - dann endlich in Betrieb ist, steht in den Sternen. dpa