Frischer Wind für die Entlastung von Familien. Der Berliner Bundestags-Abgeordnete Kai Wegner (CDU) macht sich nun dafür stark und fordert, Eltern ab dem dritten Kind deutlich mehr Kindergeld zu zahlen. In einem Strategiepapier prescht der Politiker, der gleichzeitig Großstadtbeauftragter der Union ist, laut Medienberichten mit einem Bündel von Ideen für eine zeitgemäße Familienpolitik vor.


Familienpolitik: Sein Vorstoß enthält folgende Vorschläge:


- Kindergeld-Bonus ab dem dritten Kind
- 24-Stunden-Kitas
- Ehegattensplitting in Familiensplitting umwandeln
- Kinder-Bonus bei der Rentenversicherung
- Ausweitung der Kostenübernahme für künstliche Befruchtungen
- Anreize für Arbeitgeber bei Anstellung von Frauen mit Kindern
- Berufliche Auszeit für Großeltern.

Wegner erneuert vor allem die Forderung der CDU, Familien ab dem dritten Kind ein deutlich erhöhtes Kindergeld zu zahlen. Derzeit bekommen Eltern für das erste und zweite Kind monatlich 188 Euro Kindergeld und für das dritte Kind 194 Euro - also nur sechs Euro mehr.


Nur Ehepaare bekommen Kinderwunschbehandlung

Ungewollt kinderlose Paare sollten ebenso mehr finanzielle Unterstützung für Kinderwunschbehandlungen erhalten. Offen blieb, ob der CDU-Politiker damit auf die Ungleichbehandlung von verheirateten und unverheirateten Paaren abzielt. Derzeit zahlen die Krankenkassen nur Ehepaaren eine Kinderwunschbehandlung.

Wegner möchte Eltern gegenüber Kinderlosen besser stellen. Zum Beispiel, indem das Ehegattensplitting abgeschafft und in ein Familiensplitting umgewandelt wird. Dann profitieren Paare bei der Steuerentlastung nicht von ihrem Trauschein, sondern von der Zahl ihrer Kinder. "In Berlin beispielsweise kommen mittlerweile mehr Kinder außerhalb einer klassischen Ehe zur Welt als innerhalb. Wünschenswert ist daher ein Familiensplitting nach französischem Vorbild, wo das Einkommen durch die Zahl der Familienmitglieder geteilt wird", erklärt Wegner gegenüber der Tageszeitung "Die Welt".

Der streitbare Unions-Politiker regt außerdem an, einen Kinderbonus bei der Rentenversicherung einzuführen. Die Beiträge könnten nach der Anzahl der Kinder gestaffelt werden.

Weiterhin könnten Unternehmen für die Beschäftigung von Müttern belohnt werden. Dazu schwebt dem Politiker ein Rabattsystem bei den Arbeitgeberbeiträgen zu den Sozialversicherungen vor.


Kinderbetreuung müsse "bedarfsgerecht" ausgebaut werden

Bei der Kinderbetreuung nähert sich der SPD-Position an: Kinderbetreuung müsse "bedarfsgerecht" ausgebaut werden. Dazu gehörten seiner Vorstellung nach auch 24-Stunden-Kitas. Gegen diesen Plan von Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) hatte die Union zuletzt scharf polemisiert. Nicht so Wegner: "Mütter und Väter, die im Schichtdienst arbeiten, sind keine Rabeneltern, sondern verdienen mehr gesellschaftliche Wertschätzung und Unterstützung."

Nun muss Wegner seine Ideen innerhalb der CDU durchsetzen. Sein Strategiepapier will er dem Landesvorstand vorlegen. Doch mit seinen Plänen steht er nicht allein da. Bereits im April hatte sich der familienpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Marcus Weinberg (CDU), für eine Kindergelderhöhung für Familien ab drei Kindern ausgesprochen. Und was meint die CSU? Noch schweigt die Partei zu dem Strategiepapier. Der Familienpolitische Sprecher der CSU-Landesgruppe, Stephan Stracke, wollte auf Anfrage dieser Zeitung keine Einschätzung abgeben.