Selbst der Heimatminister war anfangs nichts begeistert. "Ich hätte es schön gefunden, wenn Bayern 1 auch Heimat der Volksmusik bleiben würde", sagte Markus Söder (CSU) Anfang Februar.

Er war nicht der einzige bayerische Politiker, der den Bayerischen Rundfunk (BR) wegen der Verlagerung der Volks- und Blasmusiksendungen auf die Digitalwelle "BR Heimat" damals kritisierte. Im Landtag gab es harte Kritik für den Sender. CSU und SPD bemängelten, Volksmusikfreunde würden einfach ins Digitalradio abgeschoben. Die Freien Wähler strebten eine Unterschriftenakion an. Nur die Grünen stimmten nicht in den Chor der Analogradio-Retter ein. "Ich bezweifle, dass alle, die gerne Volksmusik hören, nicht auch in der Lage sein sollen, irgendwann ein Digitalradio zu kaufen", sagte Grünen-Abgeordnete Ulrike Gote.

Zuletzt war von Kritik kaum mehr etwas zu spüren. Zwar sind die ehrenamtlich organisierten Arbeitsgemeinschaften für Volksmusik in Ober-, Unter- und Mittelfranken nach wie vor nicht begeistert, dass Bayern 1 vollkommen auf die Ausstrahlung der traditionellen Sendungen verzichtet.

Aber die Entscheidung erscheint ihnen als sowieso nicht mehr rückgängig zu machen. Und an diesem Wochenende werden Fakten geschaffen. Samstagabend sendet Bayern 1 ab 19.05 Uhr seine letzte Volksmusiksendung von der BR-Bühne am Volksmusikfestival "Drumherum" in Regen. Zum letzten Mal Blasmusik läuft am Pfingstsonntag zur gewohnten Zeit von 11.05 bis 12 Uhr.


Breites digitales Angebot

Dass der BR für seine Entscheidung kaum noch Gegenwind spürt, liegt vor allem daran, dass die jetzt stattfindende Umstellung gut vorbereitet wurde. Der Sender führte schon Ende November Gespräche mit Brauchtums-, Volks- und Blasmusik-Verbänden. Und er hatte ein besonderes Werbemittel im Gepäck: Mit "BR Heimat" hat der Bayerische Rundfunk mehr Volks- und Blasmusik als jemals zuvor im Programm. Und die Sendungen werden nicht gestrichen, sondern nur andernorts fortgeführt - lediglich die Empfangstechnik ändert sich.

"Auch wenn der Abschied von jahrzehntelangen Gewohnheiten immer schmerzt, wollen wir durch intensive Werbung unsere Mitglieder davon überzeugen, der Blasmusik ins digitale Radio zu folgen", heißt es in einer Stellungnahme des Nordbayerischen Musikbundes (NBMB). Nach eigenen Angaben vertritt der Verband rund 900 Blaskapellen und Spielmannszüge, davon 201 in Oberfranken, 388 in Unterfranken und 153 in Mittelfranken. Auch innerhalb des Bayerischen Blasmusikverbands gebe es eine gemeinsame Linie, berichtet NBMB-Geschäftsführer Andreas Kleinhenz. "Auch deshalb, weil wir nur zu gut wissen, dass die Position des BR nicht verhandelbar gewesen ist. Eine Auseinandersetzung hätte uns mehr geschadet", sagt Kleinhenz. Zudem biete dieses Konstellation in Zukunft die Möglichkeit, noch mehr Blasmusik zu platzieren.


Rund 200.000 Hörer täglich

Neue Auftrittsmöglichkeiten auf "BR Heimat" für Blasmusiker, für die es auf UKW keine Sendeplätze gab - dieses Angebot hat viele anfängliche Kritiker inzwischen überzeugt. Und der BR hat 15 Monate nach dem Start der Digitalwelle "BR Heimat" ein weiteres Argument für sein Genre-Aus bei Bayern 1. Der neue Sender wird angenommen, hat sich laut BR-Angaben zur erfolgreichsten Digitalwelle des Bayerischen Rundfunks entwickelt. Mittlerweile verzeichne "BR Heimat" eine Tagesreichweite von rund 200 000 Hörern, berichtet BR-Pressesprecherin Sylvie Stephan.

Der Grund, der den BR bewogen hat, die Volksmusiksendungen nicht mehr parallel digital und analog laufen zu lassen, sondern komplett aus dem Programm von Bayern 1 zu entfernen, war aber gar nicht so sehr, immer mehr Zuhörer auf seinen "BR Heimat"-Sender zu locken. Ihm passte die "Klangfarbe" nicht ins Konzept. Man wolle "die vorhandenen Formatbrüche (Volksmusik neben Pop- und Rockmusik) auf Bayern 1 beseitigen", heißt es in einer Pressemitteilung.


"Umfeld, das nicht passt"

Martin Wagner, aus Würzburg stammender Hörfunkdirektor des Bayerischen Rundfunks, wird da noch konkreter. "Ein Programm wie Bayern 1 muss erwartbar sein. Wer früh um 7 Uhr einschaltet und eine bestimmte Art von Musik hört, der ist enttäuscht, wenn um 19 Uhr Volksmusik läuft. Und wer erst um 19 Uhr zur Volksmusik einschaltet, der hat vorher und nachher ein Umfeld, das nicht passt", erklärt Wagner. Die Stunde zwischen 19 und 20 Uhr passe da nicht rein.

Laut BR ist das Programm von Bayern 1 für die Generation der Um-die-50-Jährigen gedacht und für Ältere, die Baby-Boomer. Die seien mit viel englischer Musik aufgewachsen. Deshalb sei inzwischen diese Art von Musik zu hören, wobei es weiter auch deutsche Musik im Programm geben werde.

Bayern 1 steigerte zuletzt die werktägliche Reichweite von 22,7 Prozent auf 23,1 Prozent. Ob sich daran nun etwas ändert, wird sich zeigen.