Julian Nagelsmann saß an seinem freien Tag bei seiner Mutter auf der Terrasse. Mit den drängenden Themen des FC Bayern beschäftigt sich der Trainer der Münchner aber auch in seiner Freizeit.

Und so telefonierte Nagelsmann am Donnerstag mit seinem Vorstandschef Oliver Kahn und diskutierte auch Kader-Ideen. «Der Austausch war bis dato sehr gut», lobte der Bayern-Coach.

Kahn will von Nagelsmann «ein Bild haben, was der Trainer denkt.» Die Haltung des im Sommer von RB Leipzig gekommenen Coaches zu Robert Lewandowski, auf den auch der FC Barcelona scharf sein soll, ist jedenfalls eindeutig. «Natürlich würde ich ihn gerne behalten», versicherte Nagelsmann. Lewandowski sei ja ein «extrem wichtiger Spieler, sehr wichtiger Torjäger».

Lewandowski wieder Gegenstand von Spekulationen

Lewandowski ist wieder Gegenstand von Spekulationen geworden. Das hängt auch mit dem Vertrag des 33-Jährigen zusammen, der im Sommer 2023 ausläuft. Das trifft beim deutschen Fußball-Rekordmeister ebenfalls auf die angejahrten weiteren Führungsspieler Manuel Neuer (36) und Thomas Müller (32) zu. In Zeiten von Ablösefreiheit bei Vertragsende sorgen solche Laufzeiten schnell für viele Gerüchte.

Vor dem Aus im Champions-League-Viertelfinale gegen den spanischen Europa-League-Sieger FC Villarreal berichtete der polnische Fernsehsender TVP, dass Lewandowski Münchens Vorstandschef Kahn bereits über seinen Abschiedswunsch informiert habe und zum FC Barcelona wechseln wolle.

«Scheinbar gibt es einen Wettbewerb da draußen, wer bringt die größte Nonsense-Geschichte über Robert Lewandowski», sagte der frühere Weltklasse-Torwart bei Amazon Prime Video kurz vor dem 1:1 am Dienstag. Kahn verwies auf den gültigen Vertrag mit dem sechsmaligen Bundesliga-Torschützenkönig. Und außerdem diskutiere der Verein «nicht über einen Wechsel von einem Spieler, der jede Saison zwischen 30 und 40 Tore macht», insistierte der Vorstandsboss. «Wenn es etwas zu vermelden gibt, dann tun wir das auch.»

«Höre das zum ersten Mal»

Offene Vertragsfragen haben immer Knatsch-Potenzial. Mal mehr, mal weniger. Als Lewandowski Ende Februar nach dem 1:0 in der Bundesliga bei Eintracht Frankfurt im TV-Sender Sky darauf angesprochen wurde, dass Sportvorstand Hasan Salihamidzic verkündet habe, ihn unbedingt halten zu wollen, entgegnete der Weltfußballer lächelnd: «Ich höre das zum ersten Mal.» Jemand in seinem Alter und mit seiner Erfahrung gehe aber «ganz ruhig» mit solchen Dingen um. So wird medial alles genau beobachtet, auch dass Lewandowskis Frau Anna via Instagram berichtete, Spanisch zu lernen.

Lewandowski kennt diese Vertragssituation. Bevor er im August 2019 vorzeitig beim FC Bayern um zwei Jahre eben bis Ende Juni 2023 verlängert hatte, liebäugelte der Angreifer mehrfach mit einem Wechsel nach Spanien. Damals hieß die mögliche Destination aber Real Madrid, Lewandowski wollte sich den Titel-Traum in der Champions League erfüllen. Das schaffte er auch. 2020 mit dem FC Bayern.

Kahn hat der Zukunft von Lewandowski, Neuer und Müller eine «hohe Priorität» eingeräumt. Vertragsverhandlungen könne man aber nicht «mal kurz im Vorbeilaufen regeln», bemerkte er Ende März. Auch die Spieler hätten schließlich gewisse Vorstellungen.

Münchner Topverdiener

Lewandowski zählt wie Neuer und Müller zu den Topverdienern im Münchner Kader. Eine weitere Verlängerung über 2023 hinaus ist auch eine Kostenfrage. Selbst bei so verdienten Spielern, die eine goldene Ära geprägt haben und immer noch Topleistungen abliefern.

«Wir müssen schauen, dass unsere Qualität in der Mannschaft und die wirtschaftliche Komponente zusammenpassen», hatte Salihamidzic zu bedenken gegeben und mit Blick auf zwei Jahre Corona-Pandemie eingeräumt: «Wir haben eine schwierige Phase, finanziell.»

Tormaschine Lewandowski könnte sich natürlich die Frage stellen, welches finanzielle und sportliche Gesamtpaket ihm ein - allerdings seit Jahren über seine Verhältnisse lebende - FC Barcelona bieten könnte.

«Er weiß, was er am FC Bayern hat. Wir als FC Bayern wissen auch, was wir an ihm haben. Jetzt warten wir das mal ganz entspannt ab», sagte Kahn über Lewandowski, der seit seinem Wechsel von Borussia Dortmund im Sommer 2014 in 370 Pflichtspielen unglaubliche 341 Tore für den FC Bayern erzielt hat.

Nagelsmann hat nicht den Eindruck, dass dieser Ausnahmestürmer weg will. «In den Gesprächen wirkt er schon so, dass er gerne bleiben würde», sagte der Münchner Coach vor dem Gastspiel am Sonntag bei Arminia Bielefeld und verwies auf fußballspezifische Unterhaltungen mit Lewandowski. Man könne aber «nicht voll in den Kopf reinschauen», sagte Nagelsmann. Es sei auch ein «Stück weit normal, dass man sich immer über seine Zukunft Gedanken macht». Kahn und Salihamidzic seien aber mit Lewandowski im Austausch.