Ein klarer Fall von "ausgerechnet!": Tim Handwerker hat Arminia Bielefeld im Abstiegskampf der 2. Fußball-Bundesliga vor einer weiteren Niederlage bewahrt - und das gegen seinen Ex-Verein.

Der Linksverteidiger, der lange für den 1. FC Nürnberg gespielt hatte, erzielte am Samstag (18. April 2026) in der Bielefelder Schüco-Arena den späten Ausgleichstreffer zum 1:1 (0:1)-Endstand. Vor 26.515 Zuschauern rettete sein Freistoßtor den Ostwestfalen einen wichtigen Punkt im Kampf um den Klassenerhalt - und verdarb seinem ehemaligen Arbeitgeber den Sieg.

FCN gegen Bielefeld: Ausgerechnet Handwerker rettet Arminia späten Punkt

Für die Arminia war es ein mühsam erkämpftes Unentschieden gegen die Gäste aus Franken. Die Mannschaft von Trainer Mitch Kniat zeigte über weite Strecken eine erschreckend harmlose Vorstellung, sodass es zur Pause und auch während der zweiten Hälfte Pfiffe von den Rängen hagelte.

Miroslav Klose nahm im Vergleich zur Niederlage gegen Dynamo Dresden drei Veränderungen vor - und sein Team ging bereits nach wenigen Minuten verdient in Führung. Mit der ersten richtigen Chance schlugen die Gäste, und zwar nach einer herzlichen Einladung der Gastgeber: Markhiev schlug aus dem eigenen Strafraum einen langen Ball in den Mittelkreis, wo sich beide Arminia-Innenverteidiger nur auf Grimaldi konzentrierten und Zoma übersahen. Der Stürmer ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen und netzte zur 1:0-Führung ein.

Pech für die Torschützen: Für Zoma war das Spiel bereits nach 21 Minuten beendet. Er signalisierte Klose, dass er verletzungsbedingt ausgewechselt werden musste. Rafael Lubach kam für ihn ins Spiel.

Arminia ohne Durchschlagskraft

Nach dem Seitenwechsel versuchte Bielefeld, mehr Druck aufzubauen. Die Hausherren kamen stärker auf, belohnten sich aber vorerst nicht. In der 58. Minute hatte Arminia-Kapitän Mael Corboz die beste Gelegenheit zum Ausgleich, als er sich aus dem Gedränge im Nürnberger Strafraum löste und frei vor FCN-Keeper Reichert zum Linksschuss kam. Doch der Nürnberger Torhüter glänzte mit einer starken Parade.

Jubel in der Schüco-Arena: Mohamed Ali Zoma vom 1. FC Nürnberg feiert seinen Führungstreffer zum 0:1 mit Vorlagengeber Adam Markhiev. Der Stürmer nutzte einen folgenschweren Bielefelder Abwehrfehler eiskalt aus, musste das Spiel jedoch bereits in der 21. Minute verletzungsbedingt verlassen. Trotz der frühen Führung musste sich das Team von Miroslav Klose am Ende mit einem 1:1-Unentschieden begnügen – Tim Handwerker rettete Arminia Bielefeld mit seinem späten Freistoß den wichtigen Punkt im Abstiegskampf.
Friso Gentsch/dpa

In der 60. Minute reagierte Klose auf den Kontrollverlust seiner Mannschaft und nahm Spielmacher Justvan vom Platz. Baack, der zuletzt immer von Beginn an ran durfte, kam stattdessen rein. Immerhin stand die Gäste-Defensive weitgehend sicher, Nürnberg verlegte sich mehr aufs Kontern. 

Erst in der Schlussphase gelang der Arminia der erlösende Ausgleichstreffer - und es war ausgerechnet ein ehemaliger Nürnberger, der seinem Ex-Club den Sieg raubte.

Ex-Nürnberger erzielt späten 1:1-Ausgleich

Tim Handwerker, der über fünf Jahre das Trikot des FCN trug und in 126 Pflichtspielen für die Franken auflief, übernahm Verantwortung und verwandelte einen Freistoß zum viel umjubelten 1:1-Ausgleich. Für den 27-Jährigen, der im Sommer 2025 von Jahn Regensburg nach Bielefeld gewechselt war, war es ein besonderer Moment - und ein wichtiges Tor im Kampf um den Klassenerhalt.

Der gebürtige Bergisch Gladbacher hatte im Podcast "FootballKO" erklärt, dass er sich beim FCN "etwas anderes erwünscht" hatte und gehofft habe, "dass es hier nochmal weitergeht". Nach seinem Abschied im Januar 2024 und einer Zwischenstation in Regensburg zeigt Handwerker nun bei der Arminia seine Klasse - besonders bei Standardsituationen. Bei kreierten Chancen nach Freistößen und Ecken liegt er ligaweit auf Platz eins beziehungsweise zwei.

Nürnberg, das in der Schlussphase in Person von Rafael Lubach eine klare Chance vergab, hätte den Sieg verdient gehabt. Die Punkteteilung war aus Bielefelder Sicht das bestmögliche Ergebnis nach einer insgesamt enttäuschenden Vorstellung. Weil auswärts so gut wie nichts geht, kommt es für den DSC ganz besonders auf die Heimspiele an. Der Punkt gegen Nürnberg könnte sich im weiteren Saisonverlauf als wertvoll erweisen.

Die Torfolge:

  • 1. Halbzeit - 0:1 Zoma (Vorlage: Markhiev)
  • 2. Halbzeit - 1:1 Handwerker (Freistoß)

Die FCN-Aufstellung: Reichert - Koudossou, Gruber, Lochoshvili, Yilmaz - Markhiev, Fernandez (70. Nzingoula), Becker (70. Porstner), Justvan (60. Baack) - Zoma (25. Lubach), Grimaldi (46. Scobel).

Schiedsrichter: Robin Braun

Zuschauer: 26.515 in der Schüco-Arena

Für den 1. FC Nürnberg unter Weltmeister-Trainer Miroslav Klose war es ein verpasster Sieg. Die Franken, die im Tabellenmittelfeld auf Rang 9 stehen, hätten mit einem Dreier die letzten Mini-Zweifel am Ligaverbleib beseitigen können. Stattdessen mussten sie sich mit einem Punkt begnügen, nachdem sie über weite Strecken die bessere Mannschaft gewesen waren. Mit 38 Zählern steht Nürnberg weiter im Tabellenmittelfeld. Vor dem Spiel hatte Klose vor der besonderen Atmosphäre in Bielefeld gewarnt. Der Weltmeister von 2014 erinnerte an die Stimmung im Stadion, die die Arminia im DFB-Pokal in der vergangenen Saison sogar bis ins Finale gegen den VfB Stuttgart (2:4) geführt hatte. "Das Stadion kann schon was mit einem machen. Wir haben die Spieler darauf auch vorbereitet", sagte Klose vor dem Kräftemessen bei der abstiegsbedrohten Arminia. Der letzte Nürnberger Auswärtssieg in Bielefeld liegt fast zehn Jahre zurück - dass jetzt ausgerechnet ein ehemaliger Spieler den Club um den Sieg brachte, ließ die Enttäuschung für die mitgereisten Fans noch wachsen.