In den Umkleidekabinen des Nürnberger Fußballstadions riecht es nach kaltem Schweiß. Schlittschuhe stehen pärchenweise unter den Bänken, an den Wandhaken hängen Helme und die als Körperschutz dienenden Plastikpanzerungen. Draußen, mitten im Anstoßkreis, steht auf dem vom Regen aufgeweichten Rasen ein Eishockeyfeld. Eine Holzkonstruktion trägt die 2500 Quadratmeter große Spielfläche, die fast fertig gestellt ist. Arbeiter montieren gerade die letzten Glasbanden hinter einer Strafbank. "Wir liegen im Zeitplan, von uns aus kann es losgehen", sagte Lorenz Funk, Manager der Nürnberg Ice Tigers am Donnerstag.

Nur einen Steinwurf vom "Tigerkäfig" entfernt steigt heute das größte Freiluftspektakel, das Eishockey-Deutschland je gesehen hat. Rund 50.000 Zuschauer werden beim "DEL Winter Game" (16.30 Uhr) im bereits so gut wie ausverkauften Frankenstadion für einen Europarekord sorgen. Das erste Punktspiel in der Geschichte der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) unter freiem Himmel zwischen den Nürnberg Ice Tigers und dem deutschen Meister Eisbären Berlin wird die bisherige Zuschauer-Höchstmarke für ein Freiluftspiel von 36 .444 Besuchern, aufgestellt bei einem Spiel der finnischen Liga am 5. Februar 2011 in Helsinki, bei weitem übertreffen.

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"Für uns ist das ein verspäteter Silvesterknaller", freut sich DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke auf die spektakuläre Liga-Premiere, die Servus TV landesweit live im frei empfangbaren Fernsehen übertragen wird. Nicht nur der private TV-Sender betreibt mit seinen 25 Kameras - darunter einer Spezialkamera für Superzeitlupe - einen riesigen Aufwand. Auch das Organisationsteam um Ice-Tigers-Manager Funk hatte in den vergangenen Wochen Schwerstarbeit zu verrichten. Seit dem 12. Dezember wurde Material angeliefert, zehn Firmen waren an der Errichtung der Anlage beteiligt. In sechs Sattelschleppern und sieben Lkw wurde herangeschafft, was für die Eisfläche und den Unterboden notwendig ist, zudem Banden und Bänke angeliefert.


Sabo: wirtschaftlich kalkuliert
Die Eisbereitung übernahm ein darauf spezialisiertes österreichisches Unternehmen, das bereits die Spielfläche für das WM-Eröffnungsspiel 2010 in der Schalker Arena hergestellt hat. Diese Partie sahen seinerzeit fast 78.000 Zuschauer - doch damals war das Dach geschlossen.

"Wir haben zwar wirtschaftlich kalkuliert, mussten aber dennoch viel Geld in die Hand nehmen", sagt Thomas Sabo, Namenssponsor der Ice Tigers und einer der Gründerväter des "Winter Games". Zahlen nennt der Schmuck-Unternehmer zwar nicht, doch soll das Spektakel rund eine Million Euro kosten. Aufgrund von Sponsorenverträgen und den Zuschauereinnahmen geht Nürnbergs Manager Funk aber davon aus, dass "wir kein Minus machen werden".

Der enorme Aufwand scheint sich gelohnt zu haben. "Die Qualität des Eises ist super", sagte der Nürnberger Mannschaftskapitän Patrick Reimer nach dem ersten Test und war schon am Mittwochabend von der Kulisse beeindruckt, obwohl das Stadion zu diesem Zeitpunkt völlig leer war. "Das wird gigantisch. Die Vorfreude ist bei mir schon riesig." Ebenso freut sich Peter John Lee, Manager des deutschen Meisters aus Berlin, auf einen "besonderen Moment. Dieses Ereignis wird ein Fest für alle Eishockeyfans".

Auch bei der Zusammenstellung des Rahmenprogramms griffen die Macher des Winter Games in die Vollen. Das Vorspiel bestreiten zwei Teams um bekannte "Altstars" wie die Ex-Nationalspieler Erich Kühnhackl, "Peppi" Heiß und Dieter Hegen, anschließend wollen "The Boss Hoss" die Stimmung im Stadion weiter anheizen. Und damit sich bei vorausgesagten milden Temperaturen von sechs Grad wenigstens ein bisschen winterliche Gefühle breit machen können, wird der Fußball-Rasen rund um die Eisfläche mit 15.000 Quadratmetern weißem Teppich abgedeckt.