"Ich bin a Clubberer" heißt der Song, den Rainer Martin mit seinem Keyboard eingespielt und seiner Stimme eingesungen hat. Der Text stammt von ihm selbst, die Melodie von dem österreichischen Liedermacher Rainhard Fendrich (I'm from Austria).



Der 57-Jährige Martin aus Weilersbach im Landkreis Forchheim ist seit mehr als einem Vierteljahrhundert Club-Fan, hat viele Auf- und Abstiege erlebt, Trainer, Spieler, Funktionäre kommen und gehen gesehen. Deswegen versetzt ihn die aktuelle Krise, in der sich sein 1. FC Nürnberg befindet, auch noch lange nicht in Panik. "Mit 57 nimmt man manche Sachen gelassener", sagt Martin, der am Ehrenbürg Gymnasium Mathe, Physik und Informatik unterrichtet. "Traurig" sei es aber allemal, "ich hoffe, dass der Knoten bald platzt".

Ganz so gelassen wie Martin blicken die Club-Verantwortlichen wohl nicht auf das Bundesligaspiel am Freitagabend gegen den FSV Mainz 05 (20.30 Uhr). Sollten die Nürnberger an diesem 15. Spieltag wieder nicht gewinnen, stellt das Team von Gertjan Verbeek einen historischen Negativrekord auf. Noch nie hat eine Mannschaft in der Bundesliga-Geschichte keine der ersten 15 Partien gewonnen.

Club-Lyrik
Doch die Hoffnung stirbt zuletzt: "Ich schau mers an des nächste Spiel, vielleicht sind dann drei Punkte drin", singt Martin, der kein Spiel vom Club verpasst. Gemeinsam mit Lehrern aus den Gymnasien im Umkreis schnürt er einmal die Woche selbst die Fußballschuhe und auch die Bundesligaspiele sehen sie sich zusammen an. Danach dichtet einer aus der Gruppe regelmäßig einige Zeilen zum Spielverlauf. Das kann mal nur ein Vierzeiler sein, aber auch mal was längeres. Schon seit mehreren Jahren produzieren die Lehrer ihre Club-Lyrik. "Wir spielen sogar mit dem Gedanken, das zu veröffentlichen", verrät Martin, der nebenbei auch als Alleinunterhalter auftritt.

Dass er für seinen FCN aber sogar ein Lied auf fränggisch dichtet, kommt nicht alle Tage vor. "Dazu brauchts schon eine besondere Situation" - wie im März 2011, als der Club von Sieg zu Sieg eilte, während es bei den Bayern gewaltig kriselte. Diese ungewöhnliche Situation inspirierte Martin zu seinem ersten Club-Lied "Zwickt's mi". Jetzt also Song Nummer zwei.

Die Gegner haben keine Angst mehr
"Es muss jetzt einfach was passieren", sagt der Gymnasial-Lehrer, der beim FCN aktuell gleich mehrere Baustellen sieht: Trainerwechsel verpufft, der Sturm zu harmlos, das Mittelfeld ideenlos, auf der Sechs fehlt ein guter Balleroberer und das Spiel ist insgesamt zu berechenbar. "Die Gegner müssen sich vorm Club nicht mehr fürchten", bedauert der 57-Jährige, der von seinen Schülern übrigens "viel positive Resonanz" auf seine Songs bekommt.

Vielleicht ist sein Club-Lied ja ein gutes Omen: Immerhin gelang den Nürnbergern nach Veröffentlichung seines ersten Songs bei youtube der Sprung auf Platz sechs. Ganz so weit nach oben wird es wohl nicht mehr gehen in dieser Saison, aber der erste Dreier gegen Mainz wäre ja schon mal ein Anfang. Aber auch im schlimmsten Fall - dem Abstieg - "stehen wir zum Club und halten zusammen". Ans Leiden hat man sich in 25 Jahren schließlich gewöhnt.