Während die Spieler nach dem 0:3 im Kellerduell gegen den SC Freiburg die Niederlage schönredeten, waren viele Fans stocksauer. Noch eine Dreiviertelstunde nach Spielende machten mehrere Hundert Anhänger, zum überwiegenden Teils Ultras, in der Nordkurve des Grundig-Stadions ihrem Ärger lautstark Luft. "Ich verstehe, dass die Fans sauer sind, und ich hoffe, dass wir ihr Vertrauen zurückgewinnen. Ich weiß aber, das geht nur über Resultate", sagte Gertjan Verbeek nach seiner misslungenen Heimpremiere.

Der neue Club-Coach hatte sich zusammen mit der Mannschaft und Sportvorstand Martin Bader den aufgebrachten Fans gestellt. Die Situation schien zu eskalieren, als die Anhänger Mannschaftskapitän Raphael Schäfer nicht zu Wort kommen ließen. Der Torwart riss sich wutentbrannt die Kapitänsbinde vom Arm, warf sie auf den Boden und ging zurück in die Kabine. "Die Fanseele ist besorgt, und das Ergebnis hat die Stimmung aufkochen lassen. Aber klar ist: Wir können nur mit den Fans", kommentierte Bader am Sonntag bei "Sport1" die brisante Lage beim fränkischen Traditionsverein.

Ex-Fürther Felix Klaus trifft

Zwölf Tage nach dem Amtsantritt des Niederländers scheint die erhoffte Wirkung des Trainerwechsels schon verpufft zu sein. Der blamablen 0:5-Pleite gegen den Hamburger SV, die zur Entlassung Michael Wiesingers geführt hatte, folgte am Samstag eine weitere ernüchternde Heimniederlage. Zwar präsentierten sich die Nürnberger, anders als gegen den HSV, diesmal bemüht und waren zweifellos das bessere Team. Doch die bis dato ebenfalls noch sieglosen Breisgauer nutzten im Gegensatz zum Club ihre wenigen Chancen eiskalt und gingen nach Toren von Felix Klaus (57. Minute), Vladimir Darida (79.) und Admir Mehmadi (88.) als glücklicher Sieger vom Platz. "Mir fehlen die Worte. Seitdem ich für Nürnberg spiele, haben wir noch nie ein Spiel so dominiert wie heute. Deshalb ist diese Niederlage so schwer zu begreifen", meinte Mittelfeldspieler Mike Frantz kopfschüttelnd.

Klägliche Chancenverwertung

So schwer die Niederlage zu verstehen sein mag, so einfach ist sie zu erklären. Bei ihren zahlreichen Chancen ließen die Nürnberger entweder die nötige Kaltschnäuzigkeit vermissen oder scheiterten am überragenden Oliver Baumann. Dem Freiburger Torwart gelang nach seinen drei verhängnisvollen Patzern vor einer Woche gegen den HSV eindrucksvoll Wiedergutmachung in eigener Sache und brachte die Club-Spieler mit seinen Paraden ein ums andere Mal zur Verzweiflung. Zudem hatten sie das Glück nicht gepachtet, denn der Weitschuss von Makoto Hasebe (19.) klatschte ebenso an den Pfosten wie der Versuch aus kurzer Distanz von Per Nilsson (76.).

20 Minuten in Überzahl

Obwohl Verbeek im Training in der vergangenen Woche vermehrt den Torabschluss üben ließ, schafften die Nürnberger es nicht, die wohl jüngste Viererkette der Bundesliga - Christian Günter (20 Jahre), Immanuel Höhn (21), Matthias Ginter (19) und Oliver Sorg (23) entstammen allesamt der Freiburger Fußballschule - zu überwinden. Und auch mit ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit in den letzten 20 Minuten (Sorg hatte die Gelb-Rote Karte gesehen), wussten sie nichts anzufangen.

Trotz des "brutalen Rückschlags" (Bader) herrscht beim Club noch keine Alarmstimmung. "Die Mannschaft hat an sich geglaubt. Das ist der Weg, den wir weitergehen müssen", meinte Kapitän Schäfer. "Wenn wir weiter so auftreten, werden wir irgendwann dafür belohnt werden", ergänzte Frantz. Auch Trainer Verbeek sieht Fortschritte. "Was wir im Training besprochen haben, habe ich heute auf dem Platz gesehen. Das gibt mir Zuversicht." Auch ein Blick in die Bundesliga-Historie zeigt, dass es noch nicht fünf vor zwölf ist. Der Club ist die erste Mannschaft seit sechs Jahren, die nach elf Spieltagen sieglos ist. Energie Cottbus schaffte in der Saison 2007/08 dann noch den Klassenerhalt.