Anton Gavel und Casey Jacobsen waren nach der 66:86-Pleite am Donnerstagabend gegen den FC Barcelona richtig sauer, weil nach einer guten ersten Halbzeit das katalanische Star-Ensemble der Partie seinen Stempel aufdrückte. "Barcelona hat nach der Pause einen Gang zugelegt und uns überrollt. Wenn wir gedacht haben, dass wir mithalten können, hatten sie immer die richtige Antwort", ärgerte sich Gavel.
"Der Schlüssel zum Erfolg war unsere Verteidigung. Wir haben Bamberg nach der Pause das Punkten schwer gemacht und auch in der Offensive unser Spiel verbessert", lautete die lapidare Botschaft von Barcelonas Superstar Juan Carlos Navarro. Wie eine Woche zuvor bei ZSKA Moskau drehten die Katalanen in den zweiten 20 Minuten auf und dominierten den Kontrahenten.
Die Ausgangslage in Sachen Top 16 hat sich für die Brose Baskets aber trotz der Niederlage nicht verändert. Da gleichzeitig Moskau in Vilnius siegte, verteidigten die Bamberger weiter mit vier Punkten vor den Litauern und Partizan Belgrad (je 2), das gegen Besiktas Istanbul seinen ersten Sieg feierte, den zum Erreichen der Zwischenrunde nötigen vierten Platz.
Den Bamberger Frust über diese sicher nicht überraschende Niederlage sollen nun am Sonntag (13.15 Uhr/Kabel eins live) im Derby die Münchner Bayern abbekommen - falls die Kräfte nach der anstrengenden Woche reichen. "Für uns ist das nur ein weiteres Bundesliga-Spiel, aber für die Fans ein Derby. Die Stimmung in der Halle wird sicher großartig sein", blickt Gavel dem längst ausverkauften bayerischen Duell gelassen entgegen, will aber unbedingt gewinnen: "Das Spiel läuft bei Kabel eins live. Da kann jeder in Deutschland sehen, dass wir da oben hingehören und der Weg zur Meisterschaft nur über uns geht!"

Jacobsen: Wir werden bereit sein
Kapitän Casey Jacobsen ist heiß auf die nächste Partie: "Wir haben gegen Barcelona nicht so gut ausgesehen, da kommt ein emotionales Spiel gegen München gerade recht. Wir sind hoch motiviert und wollen gewinnen. Wir wollen die Botschaft senden, dass Brose immer bereit ist - in jedem Spiel."
In die gleiche Kerbe schlägt Sergerio "Teddy" Gipson, der gegen Barcelona gleich drei Dreier versenkte: "Wenn du ein Spiel verlierst, gehst du mit noch größerer Motivation ins nächste, denn du willst zurück in die Erfolgsspur. Aber egal, ob München oder sonst ein Gegner - wir gehen in jedes Spiel mit voller Konzentration."
Die Münchner Bayern, die in dieser Saison auf internationale Partien verzichten, hatten die ganze Woche Zeit, sich auf das Derby in Bamberg vorzubereiten. Mit fünf Siegen und drei Niederlagen erfüllte der FC Bayern nach der viel diskutierten Entlassung von Trainer Dirk Bauermann die Erwartungen noch nicht so ganz, rangiert lediglich auf Platz fünf. Von den Neuzugängen konnte bisher nur Tyrese Rice - er ist mit zwölf Punkten im Schnitt Bayerns-Topscorer - die Erwartungen erfüllen. Zweistellig punkten die Etablierten Chevon Troutman (11,6) und Jared Homan (10,1).


Interview mit Steffen Hamann
Er ist ein Bamberger und freut sich natürlich auf den Auftritt an ehemaliger Wirkungsstätte - nichtsdestotrotz will Steffen Hamann, der Spielmacher des FC Bayern, am Sonntag in Bamberg bestehen. Der 31-Jährige hat inzwischen in der Landeshauptstadt eine zweite Heimat gefunden, ist u.a. mit Bastian Schweinsteiger eng befreundet und drückt auch deshalb den Münchner Bayern heute (15.30 Uhr) im Fußballderby beim 1. FC Nürnberg die Daumen. "Wenn einer in dieser Saison die Meisterschaft verdient hat, dann der FC Bayern."

Ist ein Spiel in Bamberg immer noch etwas Besonderes?
Steffen Hamann: Absolut. Das Telefon klingelt doch etwas häufiger als bei anderen Auswärtsfahrten. Die Freude ist natürlich immer da, in die Heimat zurückzukehren. Wenn man einen Tag vorher anreist, kann man auch ein, zwei Stunden die Familie und Freunde treffen, die man sonst nicht so oft sieht. Das Spiel selbst ist, wenn es dann losgeht, was Besonderes. Aber im Endeffekt geht es auch nur um zwei Punkte. Wie in den letzten Jahren wird es schwer, die mit nach Hause zu nehmen.
Der Hype vor der Partie ist riesig.
Das ist ein Derby. Bamberg ist als Meister und Pokalsieger die beste Mannschaft der Liga. Der FC Bayern ist ein großer Name, da kommen viele Faktoren zusammen. Demond Greene und ich haben in Bamberg gespielt, das hat alles seinen Einfluss. Mal sehen, was am Ende dabei rauskommt. Was vorher passiert, sollte uns als Spieler nicht so sehr interessieren.

Wie läuft's bei den Bayern nach Dirk Bauermanns Entlassung?
Die erste Welle, die sicherlich nicht ohne war, ist jetzt ein bisschen abgeflacht. Jetzt kommt ein bisschen Routine in die ganze Sache. Jeder hat sich an den neuen Trainer gewöhnt. Die Rollenverteilung ist meiner Meinung nach noch nicht zu 100 Prozent in der Mannschaft angekommen. Jeder kann noch eine Schippe drauf legen in den nächsten Wochen. Aber ich denke, es geht alles in die richtige Richtung. Es ist nur eine Frage der Zeit, dass jeder dazu beitragen kann, dass wir als Team erfolgreich sind.

Wie kann man Bamberg schlagen?
Das ist eine tief besetzte, gute Mannschaft. Du musst über 40 Minuten deinen besten Basketball spielen, sonst wird's ganz, ganz schwer. Bamberg hängt sicherlich an Bostjan Nachbar, aber grundsätzlich ist das schon eine sehr tiefe, kompakte Mannschaft. So eine Euroleague-Saison ist sicher anstrengend, ich kenne das ja. Aber wenn man so eine tiefe Mannschaft besitzt wie Bamberg, ist das auch von Vorteil, wenn man im Rhythmus bleibt. Ich denke schon, dass Bamberg das kompensieren kann.

Sie wurden am Knie operiert. Ist die Verletzung komplett auskuriert?
Mein Knie ist in Ordnung. Es hat ein bisschen gedauert. Der Nowitzki merkt's ja auch, dass es nicht so einfach ist, so eine kleine OP hinter sich zu bringen. Aber es hat schon seine Zeit gedauert, bis ich wieder zu 100 Prozent fit war.