"Der ACL ist auf jeden Fall eine teure Mannschaft für die Topteams der Liga", bilanzierte ein Ringervater nach der 11:21-Heimniederlage der Korbstädter gegen den amtierenden deutschen Mannschaftsmeister ASV Mainz, "denn sie müssen schon ihre guten und damit teuren Kämpfer aufbieten, um keine böse Überraschung zu erleben." Da hatte er schon Recht, zumal die Gäste reichlich Hochkaräter dabei hatten. Und auch der AC Lichtenfels hatte alles mobilisiert, damit dem Favoriten das Siegen so schwer wie möglich gemacht wurde. So gaben sich hüben wie drüben die deutschen Meister, EM-, WM- und Olympiateilnehmer fast schon die Klinke in die Hand, was gerade vor der Pause zu einigen richtig prickelnden Duellen auf internationalem Niveau führte - freilich, ohne dass der Favorit trotz eines 10:12-Zwischenstandes ernsthaft ins Wanken geriet.

Szenenapplaus für Fliegengewichtler

Schon der Auftakt zwischen den 55-Kilo-Youngsters im freien Stil Juhasz Bence (ACL) und Atli Süleyman (ASV) bot Anlass zu Szenenapplaus für beide Kämpfer, auch wenn der aktuelle Junioren-Weltmeister aus Mainz am Ende überlegen mit 12:0 gewann.
Ganz nahe am Erfolg schnupperte der ACler David Vala (120 kg, griechisch), der den verbissenen Fight der Zwei-Zentner-Muskelpakete gegen Daigoro Timoncini absolut offen gestaltete und erst 30 Sekunden vor Ende den 1:1-Ausgleich und damit aufgrund der letzten Wertung eine 1:2-Niederlage hinnehmen musste.

Spannender Greco-Kampf

Greco-Spektakel pur bot anschließend ACL-Neuzugang Michael Tracz in der 60-Kilo-Klasse gegen Sefai Ilir: 0:2 - 5:2 - 5:5 - 13:5 lautete die Abfolge der gegebenen Wertungen. Wer hatte nochmal gesagt, dass griechisch-römisch-Ringen zur Langeweile neigt? Der vor Dynamik nur so strotzende 21-jährige Pole beweis eindrucksvoll, welch immense Verstärkung er für das Korbstadt-Team ist.
Doch bald folgte wieder eine gewisse Ernüchterung, weil der Sieggarant und aktuelle WM-Fünfte des ACL, Dato Kerashvili, seinen Vorjahreserfolg über William Harth trotz 3:0-Führung nach Runde 1 nicht wiederholen konnte. Er stieß damit freilich auf Verständnis bei ACL-Trainer Ali Hadidi: "Ohne die WM-Strapazen von zuletzt hätte es für Dato wohl gereicht." So aber unterlag der sichtlich platte Georgier noch mit 3:4.

Tim Müller kocht noch zwei Kilo ab

Strapazen hatte auch der Lichtenfelser Tim Müller (66 kg, Freistil) hinter sich, um überhaupt auf die Matte gehen zu können. Erst tags zuvor von einem DRB-Kaderlehrgang aus Sibirien zurückgekehrt, musste er am Kampftag noch zwei Kilo Gewicht abkochen. "Aber das zeigt den Sportsgeist und den Ehrgeiz von Timmy, der für die Mannschaft immer alles gibt", lobte Mannschaftsführer Jürgen Lieb. Dass es gegen den unbequemen und oft auch recht passiven George Bucur beim 4:7 nicht ganz reichte, konnte ihm niemand verübeln.

Benjamin Hofmann verkürzt auf 10:12

Zumal der ACL beim 6:11-Pausenstand sogar noch halbwegs auf Schlagdistanz war, und mit zwei hart erfochtenen greco-Erfolgen von Laimutis Adomaitis (84 kg, 1:0 über Pascal Eisele) und Benjamin Hofmann (66 kg, 1:1-Verwarnungssieger über Ismail Baygus) gar bis auf 10:12 herankam.
Dann aber zeigte der Meister doch noch, wo der Hammer hängt, denn durch drei klare Punktsiege rückte er die Kräfteverhältnisse wieder gerade: Der ACler Andre Frant (84 kg, Freistil) agierte dabei für viele Beobachter zu vorsichtig, sein Widersacher Konstantin Völk erwies sich aber auch als gewiefter und wieselflinker Ringer und gewann zurecht mit 7:0.

Pilzweger wird ausgebremst

Ähnlich erging es dem Lichtenfelser Simon Pilzweger (74 kg, Freistil), der zwar schnell mit 2:0 vorne lag, in der Folge aber von der beeindruckenden Souveränität des russischstämmigen Griechen Olegk Motsalin mit 9:2 ausgebremst wurde.
Und auch Andreas Eichheimer (74 kg, griechisch) war das Bemühen nicht abzusprechen, doch mit einem blitzsauberen "Fünfer" durch einen verkehrten Ausheber entschied der Mainzers Ilyas Özdemir dedn Kampf mit 8:0 für sich zum 21:11-Endstand für den ASV.