Die Altenburg strahlt in Rot, in der Stadt hängen überall Plakate mit der Aufschrift "Alle für die F5NF" - Freak City fiebert der fünften Meisterschaft in Folge entgegen. Doch in der Saison 2013/14 lief bei den Brose Baskets nicht alles rund. Bereits im Viertelfinale wartet mit den Artland Dragons ein überaus gefährlicher Gegner. Vor dem Startschuss in die Viertelfinalserie nach dem Modus "best-of-five" am Samstag (14.15 Uhr/Sport1 live) in der Brose Arena führten wir ein Interview mit Manager Wolfgang Heyder zu den Aussichten im Titelrennen.

Die Mannschaft trat in den letzten beiden Spielen trotz des Ausfalls von Spielmacher Jared Jordan sehr kompakt auf. Wie beurteilen Sie das Leistungsvermögen?
Wolfgang Heyder: Wir haben sicherlich eine sehr unruhige, in Teilen schwierige Saison gespielt, die personelle Konstellation musste aus verschiedenen Gründen mehrmals verändert werden, dazu kamen Verletzungen zu einem Zeitpunkt, wo man das Gefühl hatte, jetzt passen die Puzzleteile. Die gleichzeitigen Verletzungen von Anton Gavel und Jared Jordan zehn Tage vor dem Bayern-Spiel haben den Rhythmus des Teams nochmals gestört. Positiv ist, dass die Mannschaft, hervorragend eingestellt vom Trainerstab, nach der Niederlage gegen Oldenburg eine sehr positive Reaktion beim MBC und gegen Bonn gezeigt hat. Und deutlich dokumentiert, wie der Weg aussehen kann: Harte, konzeptionelle Verteidigung, intensive Reboundarbeit, Team-Basketball in der Offensive. Wenn jetzt noch der eine oder andere offene Wurf mehr fällt, wir die Freiwurfquote stabilisieren, wird man sicher mit uns rechnen müssen.

Sie haben des Öfteren die jungen Spieler kritisiert. Aber lag die fehlende Konstanz nicht auch daran, dass einige Führungsspieler im bisherigen Saisonverlauf nicht immer ihrem Anspruch gerecht geworden sind?
Es ist bekannt, dass ich ein intensiver Verfechter der Jugendarbeit bin. Ich habe maßgeblich an der Umsetzung der Sechs-Deutschen-Quote mitgewirkt und glaube, ohne Wenn und Aber, dass wir für die Entwicklung des Basketballs heraus aus der Sparte in Deutschland eine starke Nationalmannschaft brauchen. Meine Kritik ist einfach so zu verstehen, dass ich der Meinung bin, dass die deutschen Jungs einfach noch zehn Prozent mehr geben müssen: fokussierter trainieren, intensiver verteidigen, insgesamt mehr Verantwortung tragen. Es gibt bei allen Reserven, davon bin ich überzeugt, die sie in ihrem eigenen Interesse herauskitzeln müssen. Für mich ist das ,Modell' für alle deutschen Jugend- und Nationalspieler Anton Gavel. Er hat sich seine Erfolge, seinen Status und seine Qualität mit viel Fleiß über viele Jahre erarbeitet. Was unsere älteren Führungsspieler betrifft, muss man einfach berücksichtigen, dass sie nun nonstop über fünf, sechs Jahre mit großem Einsatz und Identität für den Teamerfolg verantwortlich waren. Ich meine, eine ,schöpferische Pause' muss man hier einfach respektieren - und sie ist wohl auch notwendig. Ich bin aber davon überzeugt, dass sie uns auch in diesen Play-offs Leadership geben werden.

Wie stehen die Chancen, dass Spielmacher Jared Jordan nach seiner Knöchelverletzung in den Play-offs wieder auf dem Parkett steht?
Jared ist Anfang der Woche ins Mannschaftstraining eingestiegen. Er ist kaum noch beeinträchtigt und auch von der ärztlichen Abteilung frei gegeben. Er macht auf mich einen sehr guten Eindruck. Ich gehe davon aus, dass er uns in den Play-offs als Aufbauspieler führen wird. Er ist einer, der jeden einzelnen Spieler besser macht, und so freuen wir uns, wenn der Floor General wieder zur Verfügung steht und damit auch John
Goldsberry die entsprechende Pause gibt.

Im Viertelfinale warten die Artland Dragons. Wie schätzen Sie den Gegner ein?
Ich habe vor der Saison immer von sechs bis sieben Mannschaften gesprochen, die um die Meisterschaft spielen können. Und da waren natürlich auch die Artland Dragons dabei. Sie hätten genauso gut auf Platz vier landen können, im Mittelfeld der Tabelle liegt ja alles sehr eng beisammen. Die Dragons haben alle Positionen mit hervorragenden Optionen besetzt, ob auf der Eins/Zwei mit Holston und Graves, als Schützen Toppert und Thomas, mit Hill einen sehr vielseitigen Dreier mit sehr gutem Wurf und mit Anthony King vielleicht den besten Vierer/Fünfer in der Liga, er ist ein überragender Rebounder. Wir wissen also, was auf uns zukommt, haben aber das Selbstvertrauen, dass wir uns ein Weiterkommen bei entsprechender Fokussierung natürlich zutrauen.

Was ist Ihrer Meinung nach für die Brose Baskets in dieser Saison drin?
Wir stehen trotz aller Personalprobleme und Formschwankungen auf dem zweiten Platz - das macht Hoffnung. Im Übrigen haben wir uns vorgenommen, jetzt richtig Spaß am Basketball zu haben. Wir wollen es allen zeigen, die uns bereits abgeschrieben haben, und auch als Team eng zusammenwachsen. Wir haben ja auch einige Spieler, die wissen, wie man Meisterschaften gewinnen kann.