Zwei Sekunden vor der Schlusssirene hatte Adam Chubb die Chance, den Oldenburgern die Verlängerung zu sichern, doch der Mitteldistanzwurf des Centers sprang vom Ring in die Hände von Casey Jacobsen. Freak City feierte in der ersten Finalpartie einen knappen 65:63 (33:33)-Erfolg gegen die EWE Baskets Oldenburg. Der Hauptrundenzweite, der ebenso wie die Bamberger fünf Halbfinalpartien (gegen Ulm) in den Knochen hatte und gestern Nachmittag mit Rickey Paulding (Wadenprobleme) auf einen absoluten Leistungsträger verzichten musste, ärgerte den dreimaligen Double-Gewinner mehr, als das viele Freaks in der Frankenhölle für möglich gehalten hatten.

"Die Oldenburger haben heute gezeigt, dass sie verdient im Finale stehen. Sie sind ein sehr guter Gegner. Das Spiel hätte auch anders ausgehen können. Hut ab vor der Leistung von Oldenburg", zollte Bambergs Erfolgstrainer Chris Fleming dem Hauptrundenzweiten Lob. Und er atmete am Ende tief durch, dass seine Jungs diesen Krimi, in dem es 13 Mal unentschieden stand und die Führung 15 Mal wechselte, hauchdünn für sich entscheiden konnten. Beide Mannschaften verteidigten mit viel Intensität und ließen dem Kontrahenten nicht viele Freiräume. Die Trefferquoten von 40 (Bamberg) und 39 Prozent (Oldenburg) spiegeln wider, dass die beiden Teams kaum einen offensiven Rhythmus fanden, nachdem sie sich in der Halbfinalserie noch deutlich treffsicherer präsentiert hatten.

"Unsere Offensivleistung war heute verkrampft, wir haben zu viel gedribbelt und zu wenig gepasst. Hoffentlich spielen wir auswärts etwas befreiter auf. Ich bin froh, dass uns Philipp Neumann heute so viel gegeben hat, gerade in der Phase, in der nicht viel ging und wir Probleme hatten, unser Spiel unter dem Korb zu etablieren", freute sich Bambergs Coach über den Jungnationalspieler, der vor allem im dritten Viertel Akzente setzte und mit 13 Punkten (ohne Fehlwurf) und 4 Rebounds entscheidenden Anteil am Erfolg hatte.

Jenkins nach Pause kontrolliert

Nachdem die Bamberger in der zweiten Halbzeit wesentlich besser gegen ihren ehemaligen Teamkollegen Julius Jenkins (15 Punkte, davon 10 in Halbzeit 1) verteidigten, gelang es auf Grund einiger Stopps, im letzten Viertel erstmals eine Sechs-Punkte-Führung (60:54) herauszuspielen. Nach Nachbars Dreier zum 63:57 drei Minuten vor Schluss schienen die Hausherren auf der Siegerstraße, doch zwei Ballverluste brachten die Oldenburger wieder ins Spiel. Bis zur letzten Sekunde blieb es spannend, ehe Freak City jubeln durfte.

"Nach dieser Bayern-Serie hat jeder gedacht, dass wir automatisch Meister werden. So ist das nicht. Oldenburg hat super gespielt. Wichtig war, dass wir im letzten Viertel konsequent geblieben sind und uns einen kleinen Vorsprung herausgespielt haben", betonte Gavel, der mit 14 Punkten zusammen mit Neumann zu den Bamberger Aktivposten zählte. Jetzt müssen die Oldenburger am Mittwoch (20.15 Uhr / Sport1) zu Hause gewinnen, sonst könnte die Serie bereits am kommenden Sonntag beendet sein.

Die Statistik

Brose Baskets Bamberg - EWE Oldenburg 65:63
(11:14, 22:19, 17:16, 15:14)
Bamberg Gavel (14 Punkte/1 Dreier), Neumann (13), Jacobsen (9/1), Nachbar (9/1), Zirbes (6), Goldsberry (6/2), Renfroe (4), Ogilvy (2), Ford (2), Tadda, Schmidt
Oldenburg Jenkins (15/1), Chubb (13), Abdul-Hamid (10/2), Joyce (7/2), Burrell (7), Kramer (5), Bahiense de Mello (2), Wysocki (2), Freese (2), Smeulders
SR Lottermoser, Reiter, Krause
Zuschauer 6800 ausverkauft
Gesamtwurfquote Bamberg 40 Prozent (22 Treffer/55 Versuche), Oldenburg 39 (24/62)
Dreierquote Bamberg 24 Prozent (5/21), Oldenburg 29 (5/17)
Freiwurfquote Bbg. 84 Prozent (16/19), Oldenburg 71 (10/14)
Rebounds Bamberg 34 (26 defensiv/8 offensiv), Oldenburg 37 (25/12)
Ballgewinne/-verluste Bamberg 4/12, Oldenburg 3/11
Assists Bamberg 12/ Oldenburg 9
Fouls Bamberg 15/ Oldenburg 21

Stimmen zum Spiel

Sebastian Machowski (Oldenburger Trainer): "Wir haben heute eine Chance vertan. Wir haben sehr gut verteidigt, waren sehr gut beim Rebound und haben auch als Team gut gespielt. In den entscheidenden Phasen gingen unsere Würfe aber nicht rein. Die Verletzung von Paulding kommt natürlich zu einem ungünstigen Zeitpunkt."

Casey Jacobsen (Bamberger Kapitän): "Wir waren heute ein bisschen müde. Aber wir haben gewonnen, obwohl es sicher nicht unser bestes Spiel war. Es gibt mehr als einen Weg, ein Basketball-Spiel zu gewinnen. Dieser Sieg gibt uns ein gutes Gefühl, auch wenn wir nicht gut gespielt haben."

Philipp Neumann (Bambergs Centertalent): "Das war sicherlich kein guter Basketball. Die Zuschauer vor dem Fernseher haben sich sicher nicht so über das Spiel gefreut. Aber wir haben gekämpft, alles gegeben nach so einer schwierigen Serie gegen München. Sich umzustellen war nicht leicht. Am Ende hat's mit ein bisschen Glück gereicht. Wir haben den Ball nicht gut bewegt, zu viel gedribbelt und zu viele Offensiv-Rebounds des Gegners zugelassen. Ich denke, dass Spiel 2 extrem heiß wird. Ich denke, die Partie wird der heutigen an Spannung in nichts nachstehen. Wir müssen nur die Fehler, die wir heute gemacht haben, abstellen. Man darf aber das fehlende Heimpublikum nicht unterschätzen."

Karsten Tadda (Bambergs Kämpfertyp): "Am Ende standen wir in der Verteidigung besser. Wir haben Julius in der zweiten Halbzeit besser in den Griff bekommen. Im Angriff verloren wir aber gegenüber der Halbfinalserie etwas den Rhythmus. Das gilt es in Spiel 2 zu verbessern. Wenn wir den Ball besser laufen lassen, werden wir auch einfachere und bessere Würfe bekommen. Wir fahren mit einer 1:0-Führung und mit breiter Brust hoch. Oldenburg steht unter Druck. Es ist aber nicht einfach, in Oldenburg zu spielen. Trotzdem wollen wir den Sieg holen."

Konrad Wisocky
(Oldenburger Flügelspieler): "Das Spielende war natürlich blöd, wir hätten gerne diesen Sieg geklaut. Wir haben tollen Basketball gezeigt, aber der verrückte Schuss von Renfroe ging eben rein. Wir gehen motiviert in das zweite Spiel, denn Bamberg ist nicht unschlagbar. Rickey Paulding hat uns heute gefehlt, denn er ist ein echter Crunch-Time-Player."

Julius Jenkins (Oldenburgs Topwerfer): "Das war ein ganz knappes Spiel. Zwei Punkte entschieden über Sieg und Niederlage. Bamberg hat die entscheidenden Spielzüge durchgezogen, wir haben nicht getroffen. Das sind die Play-offs, da gibt es nicht so viele Punkte. Beide Mannschaften haben großartige Verteidigung gespielt. Aber wir werden nicht aufgeben, unsere Fehler analysieren und in eigener Halle einen neuen Versuch unternehmen, die Bamberger zu schlagen."