Nur ein Tor fehlte der SpVgg Greuther Fürth im Mai zur Rückkehr in die Fußball-Bundesliga - verständlicherweise zählte Coach Frank Kramer seine Fast-Aufsteiger daher noch vor wenigen Wochen zum Kreis der "Gejagten" in der 2. Liga. Die Einschätzung musste er nun, knapp zwei Wochen vor Saisonstart, revidieren. Nach den Weggängen von fünf Leistungsträgern und dem drohenden Verlust zweier weiterer Stammspieler fangen die Franken fast wieder bei Null an.

Von Groll ist bei den "Kleeblättern" aber wenig zu spüren - dafür nahm der Trainer seine Spieler in die Pflicht. "Das ist eine Chance, weil jeder von uns weiß, dass wir uns alles wieder erarbeiten müssen", sagte er in einem Fazit des Trainingslagers in Österreich. In der beschaulichen Gemeinde Oberwang hatten die Fürther am Montagabend auch ihr drittes Testspiel gewonnen, 2:0 (0:0) wurde der russische Spitzenverein Lokomotive Moskau bezwungen. Damit feierte der Zweitligist neun Siege in insgesamt zehn Vorbereitungsspielen.

Freitag gegen Getafe

Das stimmt Kramer optimistisch. "Ich bin sehr zufrieden. Die ganze Truppe hat gut mitgezogen, keiner hat gejammert oder genörgelt", fand er und gab seinen Schützlingen erstmal zwei Tage frei, ehe der Schlusssprint in der Vorbereitung auf die neue Saison ansteht. Am Freitag steigt in Fürth die Generalprobe gegen den spanischen Club FC Getafe, am 2. August folgt das erste Ligamatch beim VfL Bochum.

Welche Mannschaft Kramer dann auf das Feld schickt, lässt sich noch schwer abschätzen. Auf jeden Fall wird sie sich vom Team aus der Vorsaison doch sehr unterscheiden. In Mergim Mavraj (1. FC Köln), Tim Sparv (FC Midtjylland/Dänemark), Zoltan Stieber (Hamburger SV), Daniel Brosinski (FSV Mainz 05) und Nikola Djurdjic (FC Augsburg) verließen gleich fünf Säulen der Vorjahres-Elf den Verein.

Es ist das Schicksal von Vereinen wie Fürth, im Wettbieten gegen wesentlich zahlungskräftigere Clubs nicht mithalten zu können. Das weiß Präsident Helmut Hack und das wusste Coach Kramer, als er bei den Franken anheuerte. Die beiden Macher bei der SpVgg hoffen, mit jungen Nachwuchsspielern wie dem für 400 000 Euro von RB Salzburg verpflichteten Robert Zulj die Weggänge kompensieren zu können. Mit seinem sehenswerten Weitschuss-Treffer zum 2:1-Sieg gegen den russischen Club FK Rostow ließ der Österreicher bereits aufhorchen.

Azemi und Baba umworben

Und möglicherweise stehen in den nächsten Tagen weitere Transfers an, Stürmer Ilir Azemi und Verteidiger Abdul Rahman Baba werden aus der Bundesliga heftig umworben. Sollten sie den Fürthern den Rücken kehren, will Kramer neue Spieler - und zwar keine Perspektivkicker. "Wenn einer kommt, dann einer, der uns sofort weiterhilft", sagte er.

Trotz der schwierigen Personalsituation sind die Fürther guter Dinge, die Stimmung war in Österreich gut. Dafür sorgte auch Rückkehrer Stephan Schröck, der nach den Bundesliga-Abenteuern in Hoffenheim und Frankfurt zu berichten weiß: "Fürth ist immer eine Wundertüte."