Es war zwar nicht immer alles Gold, was glänzte - aber immerhin befanden sich die Brose Baskets in den letzten Wochen auf einem erfolgreichen Weg. Deshalb ist es umso unerklärlicher, warum sich der deutsche Meister am Mittwochabend in Ankara derart desolat präsentierte und mit einer 68:81-Pleite im Gepäck die Heimreise antreten musste. "Die Mannschaft hat, da kann man fast keinen ausnehmen, überhaupt keine Einstellung gezeigt. Sie war nicht auf das Spiel vorbereitet, nicht fokussiert. Uns war klar, dass der Gegner gute Spieler besitzt, dementsprechend muss man verteidigen, hart spielen. Das haben wir aber in keinster Weise getan. Jeder hat dann gedacht, er kann es in der Offensive für sich entschieden. Hinten waren wir so gut wie nicht präsent. Das war für mich die enttäuschendste Leistung in der Saison überhaupt", äußerte Wolfgang Heyder bei brosebaskets.tv massive Kritik an der Einstellung der Mannschaft.

Keine Erklärung für leblose Vorstellung

Eine Erklärung hatte der Sportdirektor für diese leblose Vorstellung nicht - lediglich einen Erklärungsversuch: "Man hat sich wohl daran orientiert, wie die Türken vor zwei Wochen in Italien verloren haben. Wahrscheinlich hat man den Gegner total unterschätzt", vermutet Heyder, dass die Mannschaft den 103:67-Erfolg von Sassari gegen Ankara im Hinterkopf hatte und die Bamberger das Team aus Sardinien vor eigenem Publikum mit 83:72 bezwungen hatten. Wie ausgeglichen diese Gruppe J besetzt ist, zeigt auch die Tatsache, dass sich Dünkirchen am Mittwoch überraschend in Sardinien mit 85:79 durchgesetzt hat - zum Glück für die Brose Baskets. Hätte nämlich Sassari seinen zweiten Sieg gefeiert, hätten die Brose Baskets wohl am Mittwoch die Revanche gegen Ankara mit mindestens 14 Punkten für sich entscheiden müssen, um am Ende im direkten Vergleich die Nase vor den Türken zu haben. Nach jetzigem Stand sollten Heimsiege gegen die Ankara und gegen Dünkirchen reichen, um einen der ersten beiden Plätze in der Gruppe zu erringen.

Gavel: Wir sind selbst Schuld

"Anfang des dritten Viertels war unsere Leistung katastrophal. Wir haben Ankara einfach auf 20 Punkte weglaufen lassen. Dann ist es natürlich schwierig, eine Mannschaft zu besiegen, die einen Lauf hat. Wir hatten uns was ganz anders vorgenommen und sind selbst Schuld, dass es so gelaufen ist", analysierte Anton Gavel, der in der Schlussphase dafür gesorgt hatte, dass sich die Niederlage noch einigermaßen im Rahmen hielt, die Partie.
Auch Trainer Chris Fleming ärgerte sich über die Tatsache, dass seine Jungs die Vorgaben nicht umgesetzt haben: "Wir sind mit wenig Spannung ins Spiel gekommen, liefen dementsprechend auch hinterher. Im zweiten Viertel haben wir uns mit erhöhtem Defensivdruck und besserer Ballbewegung gefangen, aber im dritten Viertel haben wir das Spiel endgültig verloren." Nach einem 20:35-Rückstand nach 15 Minuten kämpfte sich der deutsche Meister bis zur Halbzeit auf 37:41 heran, präsentierte sich aber nach der Pause wieder völlig von der Rolle, sodass die Partie eigentlich schon nach 27 Minuten (41:62) entschieden war.

In Bayreuth Selbstvertrauen holen

/> "Wir sind in den letzten Wochen als Mannschaft gut vorangekommen, aber das Spiel zeigt uns, dass wir noch eine Menge zu tun haben. Die Bereitschaft, unseren Spielplan zu verfolgen, war definitiv nicht da. Es ist sehr gut, dass wir nächste Woche gleich wieder auf Ankara treffen", verspricht Fleming den Bamberger Fans am Mittwoch eine ganz andere Vorstellung. Selbstvertrauen für diese Aufgabe wollen sich die Brose Baskets am Sonntag (20.15 Uhr/Sport1 live) im Oberfrankenderby in Bayreuth holen. Sollte der Bundesliga-Zweite aber auch den Tabellen-16. auf die leichte Schulter nehmen, könnte es das nächste böse Erwachen geben.