Über Basketball wurde am Sonntagabend nach dem 104:94-Erfolg der Brose Baskets gegen Phoenix Hagen wenig gesprochen. Im Brennpunkt stand der Tumult nach dem Ende des ersten Viertels, bei dem es handfest zur Sache gegangen war. Nachdem Hagens Ole Wendt an der Mittellinie in den Block von Sharrod Ford gerannt war und am Boden liegen blieb, rastete Hagens Spielmacher Mark Dorris aus, stieß zunächst Karsten Tadda zu Boden und geriet dann mit Bambergs John Goldsberry aneinander. Die Schiedsrichter und Bambergs Assistenztrainer Arne Woltmann (siehe Bild oben) trennten die Streithähne. Neben Dorris wurden auch die Phoenix-Bankspieler Bernd Kruel und Max Kramer, die aufs Feld gelaufen waren, disqualifiziert.

"Glückwunsch natürlich. Normalerweise sage ich auch, dass es gerecht war. Wir müssen aber erst auf das Video schauen, ob es auch gerecht war. Die Begründung der Schiedsrichter, dass nur fünf Spieler der Bamberger auf dem Feld waren, halte ich für sehr gewagt. Uns - mit der kurzen Rotation - hat es sehr weh getan, dass wir danach einen Ausländer weniger zur Verfügung hatten", schilderte Phoenix-Coach Ingo Freyer zurückhaltend die Schlüsselszene nach zehn Minuten. Phoenix-Geschäftsführer Oliver Herkelmann wurde nach dem Videostudium deutlicher und betonte gegenüber der "Westfalenpost": "Mindestens drei Bamberger hätten auch disqualifiziert werden müssen."

Die Bilder und das Video zeigen, dass von den Bambergern aber lediglich Maik Zirbes aufs Feld gelaufen war. Er kam ohne Strafe davon. Da im Basketball - anders als im Fußball - nach Einsicht der bewegten Bilder eine nachträgliche Bestrafung nicht zulässig ist, muss das Schiedsgericht nur über Sanktionen gegen die disqualifizierten Gästespieler entscheiden. Wird Mark Dorris eine Tätlichkeit vorgeworfen, wird er wohl für Spiel 4 am Mittwoch (20.15 Uhr/Sport 1 live) in Hagen gesperrt.

BBL spricht Klartext

Auf ihrer Facebook-Seite kritisierte die Beko-Basketball-Bundesliga die Unparteiischen ungewohnt deutlich: "Die Schiedsrichter haben in einer doch unübersichtlichen Situation (Aktion von Dorris gegen Tadda, Ertönen der Sirene/Viertelpause) leider nicht den kompletten Überblick behalten. Da beißt die Maus keinen Faden ab, hier haben die Schiedsrichter nicht richtig gehandelt - und wir haben dies bereits bei den Referees deutlich hinterlegt", war auf der Seite der BBL zu lesen.

"Mark Dorris war für mich eindeutig der Auslöser der Auseinandersetzung", schilderte Chris Fleming kurz und knapp den Tumult. Für Bambergs Trainer stand vielmehr im Vordergrund, dass seine Jungs im Schlussviertel nach einer 92:71-Führung sehr unkonzentriert zu Werke gingen. "Ich bin nicht sehr glücklich mit der Art und Weise, wie wir heute gespielt haben", drückte sich Fleming später sehr vorsichtig aus, nachdem er seine Jungs zuvor kräftig zusammengefaltet hatte. Hagen stellte auf Zonenverteidigung um, "wir haben uns von einer aggressiven zu einer passiven Mannschaft entwickelt", kritisierte Fleming.