Die neue Saison in der Ringer-Bundesliga Nord beginnt zwar erst am 20. September, doch schon im April wirft sie ihre Schatten voraus. Da die Wechselfrist am 31. Mai endet, schließen die meisten Vereine in diesen Wochen ihre Kaderplanungen ab.
So auch der AC Lichtenfels, der seit dem Osterwochenende Vollzug melden kann hinsichtlich der meisten Personalentscheidungen. Und dabei gab es reichlich Veränderungen, wobei den sieben Neuzugängen immerhin zehn Ringer gegenüberstehen, die den Verein verlassen haben (siehe Kasten).

Lieb: Weniger Variationen möglich

Durch die vielen Veränderungen gegenüber der Vorsaison sind die Erfolgsaussichten des neuen Kaders derzeit schwierig einzuschätzen. Doch auch wenn Publikumslieblinge und Punktegaranten wie Tim Müller oder Dato Kerashvili nicht mehr mit dabei sind, sieht Mannschaftsführer Jürgen Lieb durchaus Chancen: "Klar ist, dass wir im Vergleich zum Vorjahr nicht mehr ganz so viele Variationsmöglichkeiten haben werden. Aber es gibt auch Gewichtsklassen, in denen wir uns sicher nicht verschlechtert haben. Und außerdem: Die jungen Ringer brennen vor Ehrgeiz, ihr Können in der ersten Bundesliga zu beweisen."
Weniger Variationsmöglichkeiten - das liegt in erster Linie auch an der neuen Deutschenquote: Fünf Deutsche, dazu maximal vier EU- und ein Nicht-EU-Ausländer - so lautet die eigentlich gut gemeinte Verbands-Vorgabe des Deutschen Ringer-Bundes (DRB), die in vielen Vereinen für ähnlich große große Rochaden in den Kadern geführt hat.

Run auf die guten Deutschen

Zuerst setzte damit ein Run auf die überschaubare Zahl an richtig starken deutschen Athleten ein. Und weil die Plattitüde "Geld regiert die Welt" im Sport ganz allgemein und im Ringen ganz besonders gilt, haben sich die großen Vereine die Dienste der bundesligatauglichen Deutschen mit "bemerkenswerten" Summen gesichert.
Heiko Scherer, Zweiter ACL-Schriftführer und neben Kevin Tischer und Jürgen Lieb für die Verpflichtung neuer Ringer maßgeblich verantwortlich, erklärt ein Folge-Phänomen: "Mit dem Wissen um die Deutschquote haben inzwischen auch deutsche Oberliga- oder Regionalliga-Ringer Gehaltsvorstellungen, die jenseits von Gut und Böse sind."

Zeit für den eigenen Nachwuchs

Für die ACL-Verantwortlichen scheint jetzt aber auch der Moment gekommen, den Eigengewächsen wie dem amtierenden deutschen Juniorenmeister Hannes Wagner, aber auch Leon Raps oder Christopher Kegel mehr Einsätze zu gewähren, um sie an das Bundesliga-Niveau heranzuführen. "Sie sind jetzt in der Bayernliga gereift, haben sich dort wirklich bewährt, und können jetzt den nächsten, wenn auch sicher großen Schritt ins Auge fassen", sagt Jürgen Lieb.

Saisonziel: Um Rang 4 kämpfen

Welches Saisonziel hat man also beim ACL? "Hinter den drei Großen aus Mainz, Mömbris und Köllerbach sollten wir uns mit Aachen, Mansfelder Land und Luckenwalde in etwa auf Augenhöhe befinden, auch wenn die beiden Letzteren personell stark aufgerüstet haben", erläutert Lieb. Als Viertplatzierter hätte man es nach aktueller Lage in der für alle (außer dem Staffelsieger) geplanten Zwischenrunde mit dem Siebten der Südstaffel zu tun, als Fünfter mit dem Zweiten, als Sechster mit dem Dritten usw. Ein etwas eigenartiges System, aber dass sich der Modus in der Ringer-Bundesliga fast jährlich ändert, ist man ja schon einiges gewöhnt.