Der FC Eintracht Bamberg ist nach sechs Spieltagen Tabellen-Zweiter in der Fußball-Regionalliga Bayern. Das von Trainer Dieter Kurth hervorragend eingestellte Team erzwang beim SV Viktoria Aschaffenburg in der Schlussphase einen 2:1 (0:0)-Erfolg. Überschattet wurde der Sieg am Samstag aber von der schweren Verletzung von Victor Gradl. Der Mittelfeldspieler brach sich Mitte der ersten Halbzeit ohne gegnerische Einwirkung das Sprunggelenk innen und außen, wurde noch am Abend in Aschaffenburg operiert und liegt dort noch im Krankenhaus.
FCE-Trainer Dieter Kurth sprach von einem glücklichen Sieg. Die Tore für die Bamberger erzielten Nicolas Görtler (78.) und Aleksander Hurec (89.). Aschaffenburg war durch Petrit Topic (58.) in Führung gegangen.

Aschaffenburg startet gut

Die Gastgeber starteten als das aktivere Team. Florian Pieper hatte gleich zu Beginn zwei Chancen. Dann kam Zino Zampach im Strafraum zu Fall. Die Zuschauer forderten Elfmeter für die Viktoria, aber die Situation war für Schiedsrichter Rainer Pongratz aus dem niederbayerischen Regen nicht eindeutig genug (8.). In der Folge war kein Unterschied zwischen dem Letzten und den Bambergern zu sehen. Nach einer Viertelstunde ebbte der Angriffsdruck der Unterfranken etwas ab, und die Gäste kamen besser ins Spiel.
Der FC Eintracht hatte eine erste Chance per Kopf nach einem Freistoß (23.). Aufschrei dann in Minute 21: Victor Gradl hatte an der Seitenauslinie einen Ball ins Aus geklärt und fiel dabei ganz unglücklich. Sofort waren die Betreuer auf dem Platz, und denen bot sich ein grausiges Bild. Gradl war im Rasen hängen geblieben und hatte sich dabei übelst den Knöchel verdreht. Es sah zunächst nach Schienbeinbruch aus, die Diagnose lautete später aber Bruch des Sprunggelenkes innen und außen: "Schlimm, was da passiert ist. Es war zwar ein gegnerischer Spieler in der Nähe, der war aber an der Aktion nicht beteiligt. Das war für uns alle ein Schock", schilderte Coach Kurth die Szene.

Ohne Fremdeinwirkung

Allen Beteiligten war sofort klar, dass da etwas ganz Schlimmes passiert war. "Es war alles ohne Fremdeinwirkung. Der Spieler ist mit den Stollen im Rasen hängengeblieben und hat sich schwer verletzt. Der Spieler hatte sehr große Schmerzen, und die Betreuer haben auf den Notarzt gewartet, der direkt von einem anderen Einsatz kam. Dadurch hat sich das alles so verzögert", schilderte Schiedsrichter Pongratz, der die Partie für 35 Minuten unterbrach, den Vorfall.
Ob ein Spielabbruch nicht die bessere Variante, es stand ja noch 0:0, gewesen wäre? "Ich habe mit Verantwortlichen beider Mannschaften gesprochen, beide Seiten wollten weiterspielen. Wir haben dann die Halbzeitpause verkürzt, um das Spiel ordnungsgemäß zu Ende bringen zu können", sagte der Referee, somit gab es für ihn keinen Grund zum Abbruch. Gradl wurde ins Krankenhaus in Aschaffenburg gebracht und sofort operiert. "Danach hat bei uns eigentlich niemand mehr an Fußball gedacht", sagte der Bamberger Trainer Kurth.
Nach der Pause ging die Viktoria durch einen Distanzschuss von Petrit Topic in Führung, bei dem Keeper Mario Aller keine Chance hatte (58.). In der Folge waren die Gastgeber am Drücker: "Ich muss sagen, dass Aschaffenburg die bessere Mannschaft war", so Kurth, der die Partie eigentlich schon abgehakt hatte, denn die Unterfranken hätten noch erhöhen können.

Nicolas Görtler und Hurec treffen

Doch in den letzten Minuten kam Bamberg auf. Zunächst nutzte Nicolas Görtler eine Verwirrung in der Abwehr der Gastgeber, schaltete am schnellsten und schoss zum 1:1 ein (78.). "Mit dem einen Punkt wäre ich angesichts der ganzen Umstände schon zufrieden gewesen", sagte Kurth. Doch der Bamberger Chefanweiser sollte noch einmal jubeln können. Nach dem Ausgleichstreffer wachten beide Seiten wieder auf und wollten den Sieg, dem die Viktoria näher war. Aber kurz vor dem Abpfiff war Aleksander Hurec zur Stelle und besorgte das 1:2 (89.). Dann war Schluss, und die Eintracht hatte weitere drei Punkte, während Aschaffenburg weiter auf den ersten Saisonsieg wartet: "Es war schon ein sehr glücklicher Sieg für uns", gestand Kurth ein, der mit seinem Team auf Platz zwei vorrückte und nun weiter ganz oben dabei ist.

Zwei Stunden operiert


Nach Angaben der Aschaffenburger Ärzte vom Sonntag verlief die zweistündige Operation Gradls am Knöchel erfolgreich. Der gebürtige Neumarkter muss die nächsten Tage noch im Krankenhaus bleiben, bis die Wundheilung fortgeschritten ist. Danach folgt eine sechswöchige strikte Ruhepause, bis die Rehabilitation beginnt.
Die Mannschaft schickte Gradl noch am Samstagabend einen Genesungsgruß in Form eines gemeinsamen Fotos in die Klinik. Teammanager Marco Müller begleitete den Schwerverletzten ins Aschaffenburger Krankenhaus und blieb bis Sonntagvormittag bei Gradl. "Mir geht es den Umständen entsprechend gut, und ich danke für die vielen guten Wünsche. Der Sieg des Teams hat mir ebenfalls über die Schmerzen geholfen", ließ Gradl am Sonntag wissen.
FCE-Vorsitzender Mathias Zeck dankte den Ärzten um Oberarzt Albrecht Orschler im Klinikum Aschaffenburg für ihre Unterstützung und auch allen Helfern des SV Viktoria Aschaffenburg. "Es war für alle Beteiligten der beiden Mannschaften eine schwierige Situation, die aber sportlich fair überstanden wurde. Wir werden Victor alle mögliche Hilfe zukommen lassen und hoffen, dass er bald zum Team zurückkehren kann, wobei im Moment nur seine Gesundheit im Vordergrund stehen kann. Danke auch an Teammanager Marco Müller für seinen Beistand in dieser außergewöhnlichen Situation", betonte Zeck.

Die Statistik

Viktoria Aschaffenburg: Hinterkopf - Talijan, Brüdigam, Tewelde (23. Pekesen), Cheron, Nakagawa, Schmidt, Öztas, Desch (66. Haith), Zampach, Pieper (56. Topic) / FC Eintracht Bamberg: Aller - Bechmann, Wenninger, Kühnlein, Kishimoto - Gradl (23. Wieczorek), Altwasser, Kaiser, N. Görtler - Deptalla (66. Hurec), L. Görtler (46. Fischer) / SR: Pongratz (Regen) / Zuschauer: 564 / Tore: 1:0 Topic (58.), 1:1 N. Görtler (78.), 1:2 Hurec (89.) / Gelbe Karten: Öztas, Pekesen - Bechmann