Die Sonne schien in den letzten beiden Tagen auch hier, aber es war bei weitem nicht so warm wie in Los Angeles. Zweimal ist Elias Harris nach seiner Rückkehr aus dem sommerlichen Kalifornien ins winterlich kalte Deutschland schon in seiner neuen Wohnung in unmittelbarer Nähe von Bamberg aufgewacht. Der Jetlag macht ihm zwar noch etwas zu schaffen, doch er fühlt sich trotz des krassen Temperaturunterschieds pudelwohl. "Stegaurach ist schließlich auch das Hollywood Hills von Bamberg", scherzte Chris Fleming bei der Vorstellung des Bamberger Neuzugangs am Dienstag. Damit hatte der Trainer der Brose Baskets die Lacher auf seiner Seite.

Warten auf die Freigabe

Elf Tage, nachdem sein NBA-Traum mit der Entlassung bei den LA Lakers geplatzt war, trainierte Harris am Nachmittag erstmals mit seinen künftigen Teamkameraden. Der deutsche Nationalspieler kann es kaum erwarten, erstmals ins Trikot der Brose Baskets zu schlüpfen. "Es juckt in den Fingern", sagte der 24-Jährige und hofft natürlich, dass er im Euroleague-"Endspiel" der Bamberger am Donnerstag (20 Uhr) gegen Zalgiris Kaunas in der Brose-Arena auf dem Parkett stehen wird. Doch noch liegt die Freigabe durch die NBA nicht vor, und auch Fleming hielt sich bedeckt, ob er seinen prominenten Neuzugang überhaupt ins kalte Wasser werfen würde. Am Sonntag im letzten Heimspiel des Jahres gegen Phoenix Hagen wird Harris aber auf jeden Fall dabei sein.

Premiere in der Bundesliga

Diese Partie wird für den 2,03 Meter großen und 108 Kilogramm schweren Flügelspieler eine Premiere werden. Denn ein Bundesliga-Spiel hat Harris bislang noch nicht bestritten. In den Jahren 2007 und 2008 war der aus Speyer stammende Sohn eines Amerikaners und einer Deutschen zweimal MVP des Allstar-Spiels der Nachwuchs-Bundesliga, doch entschied er sich damals, seine basketballerische und akademische Ausbildung in den USA fortzusetzen.

Vier Jahre lang spielte Harris für die Gonzaga University. In der College-Liga NCAA machte er mit starken Auftritten die NBA-Scouts auf sich aufmerksam. Nachdem Harris sein Sportmanagement-Studium im Frühjahr abgeschlossen hatte, spielte er in der NBA-Summerleague für die Lakers, die ihn schließlich mit einem Zweijahres-Vertrag ausstatteten. Doch an der Seite des lange verletzten Superstars Kobe Bryant sollte Harris nie spielen. Nach zwei Kurzeinsätzen in der NBA versetzten die Lakers den Nationalspieler zunächst in ihr Farmteam Los Angeles Defenders in die D-League und lösten Ende November den Vertrag schließlich auf. "Für mich kam das überraschend. Natürlich war ich zunächst enttäuscht, aber immer, wenn eine Tür zugeht, geht irgendwo eine andere auf", sagte Harris.

Angebote aus dem In- und Ausland

Es war nicht nur eine: Neben der Bamberger Offerte bekundeten auch die Bundesliga-Konkurrenten aus München, Berlin und Oldenburg Interesse am 28-fachen Nationalspieler. Auch aus Russland und Italien hatte Harris Angebote vorliegen. Seine Wahl fiel schließlich auf die Brose Baskets. "Ich wollte zurück in meine Heimat, weil sich die Bundesliga in den letzten Jahren gut entwickelt hat. In Bamberg wird hart gearbeitet und viel Wert auf Verteidigung gelegt. Das liegt mir. Vor dem Wechsel habe ich mit Tibor Pleiß geredet, und er hat mir nur Gutes von Bamberg berichtet", erläuterte Harris.

Für die Brose Baskets ist die Verpflichtung des umworbenen Flügelspielers ein "Glücksfall", wie es Coach Fleming nannte, weil sich mit Sharrod Ford ein Spieler auf der großen Flügelposition verletzt habe und wochenlang ausfalle. "Wir haben schon im vergangenen Sommer versucht, Elias zu bekommen. Er kommt aus einem Uni-Programm, das gewohnt ist, Spiele zu gewinnen. Er identifiziert sich mit den Sachen, die wir für wichtig halten, und er hat großes Entwicklungspotzenial", so Fleming.

NBA bleibt das Ziel

Allerdings ist nicht sicher, ob die Bamberger dieses Potenzial voll ausschöpfen können. Denn Harris hat sich in den Eineinhalbjahres-Vertrag, den er am Samstag unterschrieben hat, eine Ausstiegsklausel für die NBA einbauen lassen. Das große Ziel des Nationalspielers, den der damalige Bundestrainer Dirk Bauermann als Drittliga-Spieler der Baskets Speyer 2009 für die EM in Polen nominiert hatte, bleibt die stärkste Basketball-Liga der Welt."Es ist ein Marathon und kein Sprint. Mund abwischen, weiter geht's!", twitterte Harris am Wochenende auf seinem Weg von Los Angeles nach Bamberg. Lakers-Trainer Mike D'Antoni ist von einer Rückkehr des Deutschen in die USA jedenfalls überzeugt. "Wenn er sich weiter so entwickelt, ist er jemand, den wir beobachten sollten. Ich denke, dass er eine Zukunft in dieser Liga hat", sagte D'Antoni jüngst bei ESPN.com.

Über Weihnachten in Speyer

Es könnte also gut sein, dass Harris den Heiligen Abend im kommenden Jahr wieder alleine in den USA verbringt. Diesmal nutzt der 24-Jährige die Gunst der Stunde und ist über Weihnachten zu Hause in Spey er. Zum letzten Mal war das vor vier Jahren der Fall. Und wie feiert die Familie Harris das Weihnachtsfest? "Ganz traditionell deutsch!"