Zwei Minuten waren im letzten Viertel gespielt, als Chris Fleming der Kragen platzte. Der Trainer der Brose Baskets zog sein Jackett aus und schmiss es derart wutentbrannt auf den Boden, dass ihm sogar die Brille vom Kopf flog. Ihm war bewusst, dass das erste Halbfinalspiel gegen die Münchner Bayern soeben den Bach runterging. "Verantwortungslos" nannte es Fleming später, wie seine Schützlinge in dieser entscheidenden Phase des Spiels mit dem Ball umgegangen waren.

Alle Trümpfe in der Hand

Drei Minuten reichten dem ehrgeizigen Herausforderer des dreifachen Doublegewinners, um das erste Halbfinalspiel um die deutsche Basketball-Meisterschaft für sich zu entscheiden. Aus einer knappen 61:60-Führung zu Beginn des letzten Viertels machten die Bayern in kurzer Zeit einen komfortablen 79:63-Vorsprung. Am Ende feierten sie einen klaren 98:85-Sieg, mit dem sie dem Titelverteidiger den Heimvorteil stahlen und somit in der best-of-five-Serie jetzt alle Trümpfe in der Hand halten. Mit zwei Siegen im Audi-Dome, in dem sie seit 14 Spielen unbesiegt sind, können die Münchner den Einzug ins Finale perfekt machen.

"Offensiv war es okay, defensiv war es überhaupt nicht okay", meinte Bostjan Nachbar, mit 22 Punkten bester Korbschütze der Bamberger. 37 Punkte kassierten die Brose Baskets alleine im letzten Viertel. Am Ende kamen die Münchner auf 98 Zähler, so viele hat in dieser Saison bislang noch kein Team in der Stechert-Arena erzielt. Insbesondere Tyrese Rice konnten die Gastgeber nicht stoppen. 14 seiner insgesamt 25 Punkte erzielte der Aufbauspieler der Bayern im letzten Abschnitt.

Gavel schmerzlich vermisst

Gerade in dieser Phase machte sich das Fehlen von Anton Gavel bemerkbar. Der beste Verteidiger der Liga konnte aufgrund einer fiebrigen Grippe nicht auflaufen. "Sicherlich hat es weh getan, dass Anton Gavel nicht dabei war. Er ist nun einmal unser bester Spieler", sagte Casey Jacobsen. Als Ausrede für die Niederlage wollte der Brose-Kapitän den Ausfall des Leitwolfs aber nicht gelten lassen. "Für 30 Minuten war es ein enges Spiel. Dann haben die Bayern in der Abwehr viel Druck gemacht. Und jedes Mal, wenn wir den Ball verloren haben, haben sie gepunktet. Sie haben uns für jeden Fehler bestraft", meinte Jacobsen. Coach Fleming bemängelte: "Wir haben die Köpfe hängen lassen."

Bayern-Trainer Pesic schwärmt

Bayern-Trainer Svetislav Pesic, sonst für Lobhudeleien nicht unbedingt bekannt, geriet dagegen fast ins Schwärmen: " In den ersten fünf Minuten des letzten Viertels haben wir exzellent gespielt", meinte der Serbe. Sechs Münchner punkteten zweistellig, das an diesem Abend bessere Team setzte sich verdient durch.
Während Edelfan Uli Hoeneß mit einem Lächeln im Gesicht die Bayern-Spieler nach der Schluss-Sirene abklatschte, dauerte es über eine Viertelstunde, ehe sich die Tür zur Kabine der Brose Baskets öffnete und die enttäuschten Bamberger noch einmal zu den obligatorischen Dehnübungen aufs Parkett schlichen. "Wir haben über die Sachen geredet, die wir in der Abwehr ändern müssen. Diese Dinge werden wir am Sonntag richten", versprach Nachbar für das zweite Spiel der Serie in München eine anders auftretende Bamberger Mannschaft.

Nach drei Niederlagen gegen die Bayern hintereinander müssen die Brose Baskets den Bock umstoßen, sonst gerät die vierte Meisterschaft in Folge ernsthaft in Gefahr. Alle hoffen, dass Gavel am Sonntag (19.05 Uhr/Sport1) wieder an Bord ist. Das Kämpferherz scheint derzeit die Lebensversicherung für den Titelträger der vergangenen drei Jahre zu sein.


Top-Quote für TV-Sender Sport1

Rekord Das erste Halbfinal-Duell zwischen den beiden Basketball-Topclubs Brose Baskets Bamberg und Bayern München hat dem Fernsehsender Sport1 eine Topquote beschert. Im Schnitt verfolgten am Mittwochabend 340 000 Zuschauer (ab drei Jahren) den 98:85-Auswärtssieg der Münchner im TV. So viele Zuschauer hatte der Sportsender bei einem Spiel der Basketball Bundesliga noch nie. Der bisherige Bestwert stammte aus der Saison 2002/03, als durchschnittlich 300 000 Menschen das zweite Spiel der Finalserie zwischen Alba Berlin und den Bambergern verfolgt hatten.

Marktanteil In der Spitze schalteten am Mittwochabend sogar bis zu eine halbe Million Interessierte ein, teilte Sport1 am Donnerstag mit. Mit einem Gesamtmarktanteil von 1,2 Prozent und einem Marktanteil von 2,4 Prozent in der Zielgruppe (14-49) war der Sender zufrieden.