Die Aktionen "Pro Fleming" nehmen in den sozialen Netzwerken kein Ende. Außerdem schlagen die Stadtratsparteien CSU und SPD den vor der Entlassung stehenden Trainer für den Ehrenring der Stadt Bamberg vor. "Chris Fleming hat mit seinem Erfolgen in ganz Europa Werbung für die Sportstadt Bamberg gemacht. Für diese hervorragenden Leistungen möchten wir uns im Namen aller Basketballfreunde und auch im Namen der Stadt bedanken", begründet der CSU-Fraktionsvorsitzende Dr. Helmut Müller den gemeinsamen Antrag. "Die einzigartige Geschichte vom Bamberger Basketball wird für immer mit den Leistungen und den Erfolgen von Chris Fleming verbunden sein", betont auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Klaus Stieringer.

Ob sich der Aufsichtsrat der Brose Baskets, der sich zuletzt am Donnerstag besprach, von solchen Maßnahmen umstimmen lässt, ist sehr fraglich. Das oberste Gremium der Brose Baskets zögert seine Entscheidung auf jeden Fall weiter hinaus. Man will offensichtlich warten, bis sich die Gemüter beruhigt haben - doch das wird so schnell nicht passieren.

Auf Zeit zu spielen ist ohnehin die falsche Taktik: Spieler, die kurz vor einer Unterschrift beim sechsfachen deutschen Meister standen, zögern noch mit ihrer Entscheidung bzw. haben sich auf Grund der ungeklärten Trainerfrage inzwischen anderweitig umgesehen. Denn eins steht fest, bevor nicht klar ist, wer die Brose Baskets coacht, wird sich kaum ein Spieler für Bamberg entscheiden.


Karsten Tadda stützt den Trainer
"Die Situation ist völlig übertrieben. Chris ist ein guter Trainer mit viel Erfahrung, und ich denke, das hat er in den letzten Jahren auch gezeigt. Sportlich ist es normal, dass eine Serie reißt, und dieses Jahr war nicht so konstant wie die Jahre davor. Für mich ist trotzdem an Chris als Trainer nicht zu rütteln", bricht der gebürtige Bamberger Karsten Tadda im Interview mit bamigo-bamberg.net eine Lanze für seinen Trainer. Und das, obwohl der Verteidigungsspezialist in dieser Saison mit seiner Rolle nicht immer zufrieden war und sich mit Wechselgedanken trägt. Die Oldenburger sollen Interesse daran haben, den "Kettenhund" zu verpflichten.

Und wer sucht jetzt den neuen Trainer? Der Geschäftsführer Sport, Wolfgang Heyder, der nach wie vor von einer Fleming-Entlassung nichts wissen will, liegt auf Grund dieser Denke seit geraumer Zeit mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Michael Stoschek im Clinch und ist nicht bereit, sich nach einem Nachfolger umzuschauen. In Frage kommt ein guter Bekannter von Stoschek, nämlich Carl Steiner. Der ehemalige Inhaber der Firma Steiner Optik sitzt nicht nur als Vorsitzender im Aufsichtsrats von Medi Bayreuth, sondern auch im Gremium bei der Konkurrenz in Bamberg und gilt als sportlicher Berater im Kreis der Brose-Oberen - eigentlich ein unhaltbarer Zustand. Stelle man sich vor, der Aufsichtsratsvorsitzende der SpVgg Greuther Fürth würde mitentscheiden, wer beim Fußball-Zweitliga-Konkurrenten 1. FC Nürnberg neuer Trainer wird.


Imageverlust
Steiner soll die Trainer Predrag Krunic (von 2011 bis 2013 in Bayreuth) und dessen Nachfolger Marco van den Berg (von März bis Dezember 2013) ins Gespräch gebracht haben. Zwei Coaches, die Steiner in Bayreuth entlassen hat, sollen das schlingernde Schiff in Bamberg wieder auf Kurs bringen. Die Brose-Verantwortlichen sind derzeit auf dem besten Weg, das in jahrelanger Aufbauarbeit entstandene, glanzvolle Image der Brose Baskets kaputt zu machen. Ganz Basketball-Deutschland macht sich über den Zirkus in Bamberg lustig und freut sich, dass der Sturz vom Thron zum großen Teil hausgemacht ist.