Die Stechert-Arena verwandelte sich in ein Tollhaus, Freak City stand Kopf: Nach 72 Pflichtspielen haben die Brose Baskets ihr großes Ziel erreicht und die Finalserie um die deutsche Basketball-Meisterschaft am Sonntagnachmittag im Schnelldurchgang beendet. Nach dem 65:61-Sieg in der ersten Finalbegegnung und dem 63:61-Auswärtserfolg in Spiel zwei gewannen die Bamberger gestern auch das dritte Duell gegen die EWE Baskets Oldenburg. Mit dem 91:88 (32:37) nach Verlängerung machten die Bamberger die vierte Meisterschaft in Folge perfekt und triumphierten zum insgesamt sechsten Mal in der Bundesliga. Die Titelverteidigung bescherte dem deutschen Basketball-Aushängeschild zudem erneut das Ticket für die Euroleague. Der alte und neue deutsche Meister darf sich in der kommenden Saison abermals mit den 24 besten Vereinsmannschaften des Kontinents messen.

Wie in den Duellen zuvor war es auch diesmal ein von der Defensive geprägtes Spiel. Die Gäste standen den Bambergern von Beginn an auf den Füßen und gestatteten ihnen kaum einmal einen freien Wurf. Und wenn die Brose Baskets von der Dreier-Linie einmal Maß nahmen, war dies nicht von Erfolg gekrönt. Alle fünf Versuche von jenseits der 6,75-Meter-Linie im ersten Viertel gingen daneben. Zudem störten die EWE Baskets den Offensiv-Rhythmus ihres Gegners dadurch empfindlich, dass sie gegen Anton Gavel und Boki Nachbar äußerst aggressiv verteidigten. Null Assists standen nach zehn Minuten für den für sein mannschaftsdienliches Spiel bekannten Meister nach dem ersten Viertel, in dem die Gäste eine 17:13-Führung vorlegten, zu Buche.

Auch im zweiten Abschnitt taten sich die Brose Baskets schwer zu Punkten zu kommen. Oldenburg fand wesentlich öfter eine Lücke in der gegnerischen Verteidigung und baute seinen Vorsprung schnell auf zehn Punkte aus (16:26, 12. Minute). Alex Renfroe übernahm dann aber Verantwortung im Angriff und führte die Hausherren bis zur Pause zumindest wieder bis auf fünf Punkte heran (32:37).

Die Brose Baskets kamen mit viel Dampf aus der Kabine. Renfroe und Bostjan Nachbarn trugen mit jeweils vier Punkten dazu bei, dass die Gastgeber sich die Führung bis zur 24. Minute zurückeroberten (40:39). Allerdings ließen sich die Norddeutschen davon nicht beeindrucken. Zwar mussten auch sie jetzt um jeden Punkt hart kämpfen, doch hielten sie dem Druck des Meisters stand und und gingen mit einer knappen 53:51-Führung in den letzten Spielabschnitt.

Durch zwei Dreier von Mustafa Abdul-Hamid und Drew Joyce verschafften sich die Oldenburger etwas Luft, aber auf Bamberger Seite sorgte jetzt Philipp Neumann mit seinen Punkten und Rebounds dafür, dass das hart umkämpfte Spiel spannend blieb. Anschließend profitierten die EWE Baskets von Bamberger Ballverlusten und setzten sich wieder etwas ab (59:66). Doch der offene Schlagabtausch war noch lange nicht beendet. Casey Jacobsen und Nachbar wendeten das Blatt, zweieinhalb Minuten vor der Schlusssirene hatte plötzlich der Meister wieder die Nase knapp vorne (69:68). Die Partie blieb nichts für schwache Nerven. Nach einigen Fehlversuchen auf beiden Seiten brachte EWE-Center Adam Chubb sein Team sechseinhalb Sekunden vor Schluss mit 74:72 in Front. Der Bamberger Trainer Chris Fleming ordnete in einer Auszeit den letzten Spielzug an. Jacobsens Dreier sprang 0,9 Sekunden vor Schluss vom Ring, doch Maik Zirbes schnappte sich den Abpraller und donnerte den Ball per Dunking in den Korb - Verlängerung!

Diese eröffnete Jacobsen mit einem Dreier. Zirbes und Nachbar legten nach, und beim 83:78 hatten die Brose Baskets sich in der 44. Minute ihren bis dahin größten Vorsprung in dieser Partie erarbeitet (85:78). Joyce brachte Oldenburg mit einem Dreier und zwei Freiwürfen wieder heran (85:83). Gavel vergab anschließend einen Freiwurf, auf der Gegenseite Kramer gar zwei. Die einfachen Bamberger Punkte durch Zirbes konterte Joyce mit einem Korbleger. 25 Sekunden vor Schluss bekamen die Fans bei einer Auszeit noch einmal Zeit zum Durchschnaufen (88:85). Jacobsen erhöhte per Freiwurf auf 89:85, Jenkins' Dreier fand sein Ziel nicht. Oldenburg war wieder gezwungen zu foulen. Diesmal traf Jacobsen beide (91:85). Noch einmal konterte Abdul-Hamid mit einem Dreier, doch dann war die Zeit um - Freak City jubelte über die vierte Meisterschaft in Folge.


Trainerstimmen

Chris Fleming (Brose Baskets): "Ich gratuliere Oldenburg, sie haben eine überragende Saison mit großer Konstanz abgeliefert. Von Oldenburg hat keiner die Saison über gesprochen, trotzdem waren sie immer da und sind mehr als verdient ins Finale gekommen. Es wäre auch möglich gewesen, dass Oldenburg den Titel mit drei zu null gewonnen hätte, also großer Respekt an diese Mannschaft. Jeder im Team hat in irgendeinem Play-off-Spiel eine wichtige Rolle gespielt, deshalb haben die Jungs die Feier heute Abend wirklich verdient."

Sebastian Machowski (EWE Baskets Oldenburg): " Wenn mir vor der Saison jemand gesagt hätte, dass wir Vizemeister werden, hätte ich mir sehr gefreut. Gerade überwiegt jedoch eher der Frust, weil wir dreimal knapp verloren haben. Auch heute haben wir wieder hervorragend gespielt. Am Ende haben wir verloren, weil wir in den entscheidenden Situationen ein oder zwei Offensiv-Rebounds abgegeben haben und keine Antwort mehr geben konnten. Wir haben eine tolle Saison gespielt, national wie international. Ab morgen kann ich mich hoffentlich über diese tolle Saison freuen."


Die Statistik

Brose Baskets Bamberg - EWE Oldenburg 91:88 n.V.
(13:17, 19:20, 19:16, 23:21, 17:14)
Bamberg Nachbar (20 Punkte/1 Dreier), Jacobsen (15/2), Renfroe (14/1), Zirbes (14), Neumann (8), Ford (7), Golds berry (6), Gavel (4/1), Tadda (3/1), Ogilvy, Schmidt
Oldenburg Kramer (16), Joyce (16/2), Chubb (16), Abdul-Hamid (12/2), Jenkins (10/1), Burrell (7/1), Smeulders (5/1), Bahiense de Mello (4), Wysocki (2), Freese
SR Lottermoser, Matip, Fritz
Zuschauer 6800 ausverkauft
Gesamtwurfquote Bamberg 46 Prozent (30 Treffer/66 Versuche), Oldenburg 52 (33/66)
Dreierquote Bamberg 27 Prozent (7/26), Oldenburg 35 (7/20)
Freiwurfquote Bamberg 77 Prozent (24/31), Oldenburg 63 (15/24)
Rebounds Bamberg 40 (25 defensiv/15 offensiv), Oldenburg 30 (20/10)
Ballgewinne/-verluste Bamberg 5/15, Oldenburg 6/13
Assists Bamberg 13/Oldenburg 16
Fouls Bbg. 25/Oldenburg 27