Das Basketball-Erdbeben, von dem Bamberg am Mittwochabend erfasst wurde, ist weiter in vollem Gange. Einige Aussagen, die Michael Stoschek in seinem Exklusivinterview mit infranken.de am Donnerstagabend getroffen hat, wies Wolfgang Heyder einen Tag später als übertrieben zurück. "Ich will nichts schönreden, aber wir müssen die Kirche im Dorf lassen", sagte Heyder, der am Mittwoch von seinem Amt als Sportdirektor zurückgetreten war.

"Einige Spieler sind uns durch die Lappen gegangen"

So sprächen schon die Fakten dafür, dass man keinesfalls von einer desaströsen Saison sprechen könne. In der Bundesliga-Hauptrunde seien die Brose Baskets mit nur einer Niederlage mehr als der FC Bayern München Zweiter geworden. In der Euroleague sei nur knapp der Sprung in die Top 16 verpasst worden. "Die Mannschaft so niederzumachen und zu sagen, sie ist nicht wettbewerbsfähig, wird der Sache nicht gerecht", findet Heyder.
Die Probleme, die sich durch die ganze Saison gezogen hätten, hätten ihre Ursachen zum einen in der Personalauswahl gehabt, "die wir zu verantworten haben". Heyder stellte aber klar, dass einige Budgetzusagen für die Saison erst im August vorlagen. "Dadurch sind uns Spieler durch die Lappen gegangen, die wir früher hätten kriegen können", sagte Heyder.

Zum anderen habe man Entscheidungen getroffen, von denen man überzeugt war, die sich aber erst im Nachhinein als falsch erwiesen hätten. Gerade die beiden Spieler auf den Schlüsselpositionen 1 und 4, Zackary Wright und Novica Velickovic, hätten nicht funktioniert. "Wir haben die zwei nicht leichtfertig verpflichtet, sondern bei beiden ewig recherchiert." Aber Wright wollte die Rolle des dringend benötigten Führungsspielers nicht annehmen, Velickovic habe sich wieder verletzt und sei danach nicht mehr in Rhythmus gekommen. Da Anton Gavel erst spät zu seiner Form gefunden und Casey Jacobsen nicht mehr eine so dominante Rolle wie in den Jahren zuvor gespielt hätte, hätte "Leadership" gefehlt. Spieler wie Jamar Smith und Rakim Sanders hätten mehr Verantwortung übernehmen müssen als vorgesehen. Dies hätte aber nicht geklappt. Dennoch habe das Team viele Spiele gewonnen. "Jetzt aber zu sagen, dass der Trainer schlecht gearbeitet hat, dass die Mannschaft nicht motiviert war und schlecht zusammengespielt hat, ist nicht fair. Chris hat im vergangenen Jahr extrem hart gearbeitet, und die Spieler standen voll hinter ihm", meinte der Sportdirektor.

Titel 2013 war kein Glück

Als "total respektlos" bezeichnete Heyder die Aussage Stoscheks, man habe die Meisterschaft im vergangenen Jahr nur mit Glück gewonnen. Er erinnerte daran, dass die Brose Baskets damals vom ersten bis zum letzten Spieltag auf dem ersten Platz lagen und in der Euroleague die Top-16-Runde erreichten. Trotz der Heimniederlage im Halbfinale gegen die Bayern mit einem kranken und verletzten Gavel habe sich das Team zurückgekämpft ("da hat Chris Fleming einen tollen Job gemacht") und im Finale Oldenburg mit 3:0 besiegt. Heyder: "Das soll Glück gewesen sein? Da fall' ich vom Glauben ab."




Ein Kommentar von Peter Seidel: In diesem Spiel gibt es nur Verlierer

Am Ende eines unrühmlichen Schauspiels, das auf das jähe Viertelfinal-Aus gegen Quakenbrück folgte, bleiben bei den Brose Baskets nur Verlierer zurück. Ein demontierter Trainer, dessen einzigartige Erfolge mit sieben Titeln in sechs Jahren keinen Pfifferling mehr wert waren. Ein vom Kampf in den eigenen Reihen aufgeriebener und frustrierter Sportdirektor, der nur mit seinem Rücktritt einen Rauswurf verhindern konnte. Und ein brüskierter Hauptsponsor und Aufsichtsratschef, der sich Anfeindungen der Fans ausgesetzt sah, weil er drastische Konsequenzen zog, nachdem alle sportlichen Saisonziele verpasst worden waren.

Die Brose Baskets haben ihre Souveränität, um die sie von der Konkurrenz jahrelang beneidet wurden, verloren - nicht nur auf dem Spielfeld. Jetzt droht sogar eine Schlammschlacht. Ein tiefer Riss geht durch den Verein. Er hat auch schon die Fanschar erfasst. In diesen Tagen ist ganz Freak City ein Verlierer.