Die Bonner wussten als erste Bescheid. Irgendwas war im Busch. Es gehe um Auswärtskarten, um Beschränkungen, um neue Regeln. Alles vage, alles ein Gerücht. Dann vernetzten sie sich. Die Bonner mit den Würzburgern, dann mit allen Fanclubs der 18 deutschen Basketball-Bundesligisten. Sie fragten Meinungen ab, ließen sich das Gerücht bestätigen: Ab kommender Saison gibt es für Gästefans in der Basketball-Bundesliga nur noch maximal 300 Karten. Egal für welches Spiel. Egal wie groß die Halle ist. "Wir waren uns schnell einig, dass das Schwachsinn ist", sagt Julian Gopp vom Fanclub Würzburg Youngsters.

Die Klubs beschlossen die neue Regelung am 2. Juli in Hagen. Es war die letzte Sitzung der AG Basketball Bundesliga. Ulm hatte den Vorschlag im Frühjahr gemacht, jetzt stimmten die Vereine ab. Sieben für die neue Regelung. Sechs dagegen. Fünf enthielten sich oder waren nicht da. Dirk Kaiser, der Pressesprecher der Liga will das Ergebnis nicht kommentieren. Er sagt: "Die Vereine wollten das, die Liga exekutiert das nur." Den Vereinen gehe es um Planungssicherheit, sagt Kaiser. Es gehe darum, frühzeitig zu wissen, wie viele Karten Gästefans tatsächlich in Anspruch nehmen. Es gehe um die Einnahmen, sagt Kaiser, deshalb nur noch 300 Karten statt bisher 10 Prozent des Hallenkontingents.

In Würzburg sagt Pressesprecher Patrick Wötzel: "Bei uns hat das organisatorisch auch vorher funktioniert. Es war halt mehr Arbeit." Die Halle war trotzdem voll. Ausverkauft. Immer. 3140 Zuschauer. Die neue Regelung betrifft die Würzburger nicht. Ob 300 oder 314, das ist eigentlich egal. Noch.


Schweigen jetzt die Fans?

Anders sieht das in Bamberg aus. Wolfgang Heyder, der Manager der Bamberger Basketballer sagt: "Wir sind ja eigentlich die einzigen, die negativ betroffen sind." Busweise folgen die Fans ihrer Mannschaft, nach München, nach Bayreuth, vor allem nach Berlin. Fast tausend Bamberger fuhren in der Vergangenheit mit zum Erzrivalen, weil 14 500 Menschen in die Berliner Halle passen, war das alles kein Problem. Und künftig? Heyder sagt, in Berlin gebe es immer Karten. Dirk Kaiser sagt, die Vereine können selbstverständlich untereinander andere Absprachen über das Auswärtskontingent treffen. Und außerdem: Der Härtefall trete höchstens ein knappes Dutzend Mal ein. Meistens fahren gar nicht so viele Fans mit.

Aber darum geht es den Fans nicht. Günther Kolb sagt: "Es ist ein bisschen Mode geworden, dass uns niemand mehr fragt." Kolb ist der Vorsitzende des Fanclubs Faszination Basketball Bamberg. Der größte der drei Bamberger Fanclubs. 900 Mitglieder, im letzten Jahr haben sie 44 Busse zu Auswärtsfahrten geschickt, insgesamt 1722 Fans. Günther Kolb sagt, er verstehe die Bedenken der Vereine: wenn die Bayern 680 Karten in den Play-offs zustehen, dann aber kurzfristig nur 250 gebraucht würden. Wenn dann nur noch wenige Tage bleiben, die Rückläufer loszuwerden. Trotzdem: "Es wird nicht gefragt, es wird einfach bestimmt", sagt Günther Kolb. Und so sehen das die meisten Fan-Vertreter. 25 Fanclub-Vorsitzende aus der gesamten Liga haben einen Offenen Brief unterschrieben. Sie fordern einen Antrag, der die alte Regelung wieder einführt. Dirk Kaiser von der Liga erklärt: "Nichts ist in Stein gemeißelt." Die Liga überprüfe ihre Regularien ständig. Aber das 300-Kontingent sei jetzt beschlossen.

Julian Gopp aus Würzburg sagt: "Es geht nicht mehr um die Fans, es geht nur noch ums Business." Karsten Wollschläger, der Vorsitzende der Bayreuth Bats sagt: "Einerseits ist man in der Liga stolz auf die Fankultur, andererseits stößt man ohne Fans so ein Thema an." Beide fühlen sich nicht ernst genommen. Und beide könnten sich Proteste vorstellen. Die Fans könnten schweigen, vielleicht werden sie dann gehört.