Für die Steuererklärung wird es jetzt höchste Zeit. Am Dienstag endet die Frist zur Abgabe. Aber wie lange dauert es dann, bis der Bescheid kommt? Die Hamburger erhalten ihren Steuerbescheid am schnellsten, hat der Bund der Steuerzahler ermittelt. Im Durchschnitt benötigten dort die Finanzämter für die Bearbeitung der Steuererklärung eines Arbeitnehmers zuletzt 38 Tage. Bayern liegt im Deutschland-Ranking immerhin im Mittelfeld. In 47 Tagen haben die Bürger hier im Schnitt ihren Steuerbescheid im Briefkasten. Zum Vergleich: In Nordrhein-Westfalen, dem Schlusslicht der Erhebung, warten die Bürger mitunter sechs Monate darauf.


"Kein Unterschied"

29 Finanzämter gibt es in Franken (Außenstellen nicht mitgerechnet). Werden dort elektronisch abgegebene Erklärungen heuer bevorzugt behandelt? Nein, versichert eine Sprecherin des Bayerischen Landesamts für Steuern. Die Finanzämter unterschieden nicht zwischen Papierform und Elektronik, so die Antwort auf unsere Anfrage.


Bad Neustadt scannt selbst

Alle Steuererklärungen in Papierform, die bei einem Finanzamt in der Region abgegeben wurden, werden von dort aber zunächst einmal nach Wunsiedel geschickt. Dort hat seit 2011 das zentrale Datenerfassungs- und Scanzentrum seinen Sitz, mit rund 90 Beschäftigten. Rund 900 000 Steuererklärungen pro Jahr würden hier von Papierform in elektronische Daten umgewandelt, ließ Finanzminister Markus Söder unlängst verlauten.
Fast alle Finanzämter in Franken nutzen derzeit das Scanzentrum in Wunsiedel. Lediglich Bad Neustadt a.d. Saale und Kaufbeuren scannen in Bayern selbst. Die Bearbeitung im Nordosten Frankens dauert nicht länger als einen Tag. Dann gehen die Unterlagen wieder zurück ans zuständige Finanzamt - jetzt in digitaler Form.


"Einige Vorteile"

Wer seine Steuererklärung gleich elektronisch über das von der Steuerverwaltung zur Verfügung gestellte Elster-System im Internet abwickelt, habe einige Vorteile, heißt es beim Landesamt für Steuern. "Unter anderem, dass Ihre Eingaben bereits vor der Übermittlung auf Plausibilität geprüft werden", teilt eine Landesamt-Sprecherin mit. Des Weiteren müssten gleichbleibende persönliche Daten wie Name, Geburtsdatum oder Anschrift nicht jedes Mal erneut eingeben werden, wenn die Funktion "Datenübernahme" aus dem Vorjahr genutzt werde.
Durch die unverbindliche Steuerberechnung könne der Bürger schließlich schon vorab ermitteln lassen, mit welchem steuerlichen Ergebnis er voraussichtlich rechnen könne.


Neues Gesetz kommt

Wer den 31. Mai als generell gesetzlich vorgeschriebenen Termin zur Abgabe der Steuererklärung (ohne Inanspruchnahme eines Steuerberaters oder Lohnsteuerhilfevereins) versäumte, musste bisher kaum mit Problemen rechnen. In der Regel nahmen die Finanzämter die Steuererklärungen auch danach noch ohne Probleme an.
Doch jetzt läuft ein Gesetzgebungsverfahren, das einen automatischen Verspätungszuschlag vorsieht. Mindestens 25 Euro pro Monat sind im Gespräch. Wer in großem Stil Steuern nachzahlen muss, wird mit einer monatlichen Verspätungsgebühr von 0,25 Prozent der zu zahlenden Summe zur Kasse gebeten. Das Gesetz, das am 12. Mai vom Bundestag beschlossen wurde, benötigt noch die Zustimmung im Bundesrat. Am 17. Juni soll auch dieser Schritt vollzogen werden.


Änderungen erst ab 2019

Ändern wird sich aber erst im Jahr 2019 etwas, wenn die Steuererklärung für 2018 ansteht und das neue Gesetz erstmals greift. Und auch dann muss nicht jeder, der die Abgabefrist versäumt, gleich mit einem Verspätungszuschlag rechnen.

"Erst wenn 14 Monate seit dem Ende des Besteuerungszeitraums überschritten sind, wird der Verspätungszuschlag relevant", erklärt Jürg Weißgerber, Pressesprecher im Bundesfinanzministerium. Bei der Steuererklärung für das Jahr 2018 heißt das: Vor Ende Februar 2020 passiert in der Regel nichts.
Bei Steuerpflichtigen, die sich nicht vom Steuerberater helfen lassen, sind laut Bundesfinanzministerium künftig drei Fälle zu unterscheiden. Wer seine Erklärung für 2018 ohne Fristverlängerung erst im März 2020 oder später abgibt, und wenn die Steuerfestsetzung dann eine Nachzahlung ergibt, der wird zwingend mit mindestens 25 Euro pro Monat zur Kasse gebeten - und zwar gerechnet ab August 2019. Ist keine Nachzahlung fällig oder steht eine Erstattung an, so könnte der Steuerpflichtige dennoch den Verspätungszuschlag zahlen müssen. Das liegt aber im Ermessen des Finanzamts (Kann-Regelung).
Schon bei einer Abgabe vor dem März 2020 kann das Finanzamt im dritten Fall einen Verspätungszuschlag verlangen, und zwar bei Personen, die schon in den Vorjahren durch Verspätung aufgefallen sind und mehrfach ermahnt wurden.


Ab 2019 ist Stichtag der 31. Juli

Auffälligste Änderung beim modernisierten Gesetz ist der neue Abgabestichtag für die Steuererklärung. Die Frist endet ab 2019 nicht mehr am 31. Mai, sondern am 31. Juli. Auch diejenigen mit Steuerberater haben dann zwei Monate mehr Zeit. Ihre Frist endet am 28. Februar des übernächsten Jahres.