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Betrug

Massiver Internetbetrug: Drei Verdächtige aus Unterfranken angeklagt - 200.000 Euro Schaden abgewendet

Die Zentralstelle Cybercrime Bayern erhebt Anklage gegen drei Personen aus Unterfranken. Sie sollen sich Zugriff auf fremde Konten erschlichen haben. Die Polizei verhinderte einen möglichen Schaden von über 200.000 Euro. Mit diesen Tipps können auch Sie sich besser schützen.
Internetbetrüger können sich Zugriff auf Ihr Konto verschaffen - die Polizei konnte diesmal schlimmeres verhindern. Symbolfoto: Robinraj Premchand/pixabay.com

Im digitalen Zeitalter spielen Online-Transaktionen und mobile Geldgeschäfte eine immer wichtigere Rolle. Das ist offenbar auch mindestens drei Betrügern aus Unterfranken nicht entgangen. Ihnen wird vorgeworfen, sich unerlaubt Zugriff zu Bankkonten von fremden Personen verschafft zu haben. Das teilten das Polizeipräsidium Unterfranken und die Zentralstelle Cybercrime Bayern in einer gemeinsamen Erklärung mit. Durch das frühe Eingreifen der Polizei konnte ein Gesamtschaden von über 200.000 Euro verhindert werden. Zudem gibt es wichtige Tipps, wie Sie sich vorsorglich vor ähnlichen Fällen schützen können.

Telefonnummer durch eSIM-Swapping ergaunert - Passwörter aus Darknet gestohlen

Betroffenen Personen war zunächst aufgefallen , dass sie ihr Handy nicht mehr nutzen konnten. Doch das war noch nicht alles: Anschließend wurden von ihren Bankkonten unberechtigte Transaktionen durchgeführt. Die Täter haben offenbar einen eSIM-Swap dazu genutzt, die Telefonnummer ihrer Opfer zu übernehmen. Zuvor sind die Betrüger bereits über verschiedene Wege an die Login-Daten für die Kundenprofile der Betroffenen gelangt. Den Zugang zu den Bankkonten der Geschädigten erhielten die Täter letztlich durch gestohlene Passwörter aus dem Darknet.

Die eSIM (embedded SIM) ist bei solchen Delikten besonders angreifbar, da es sich hierbei um einen im Endgerät fest verbauten Chip handelt, für dessen Freischaltung oft ein QR-Code benötigt wird. Dieser wird meist per Email zugestellt oder ist im Kundenkonto des Mobilfunkanbieters hinterlegt - und ist somit für viele Cyber-Betrüger nicht schwer zu stehlen.

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Zugang zu Bankkonto wegen TAN-Verfahren

Da die Betrüger nun sowohl die Handynummer als auch die Login-Daten der Bank besaßen, hatten sie ungehinderten Zugang zu den fremden Konten. Bei Online-Transaktionen wird in der Regel eine Sicherheits-TAN per SMS an den Auftraggeber gesendet - doch diese kam nun bei den Tätern an. Ab diesem Zeitpunkt konnten sie ungehindert Überweisungen tätigen und sogar Buchungen und Lastschriften stornieren, um auf noch mehr Geld zugreifen zu können. Bundesweit gibt es nach derzeitigem Stand bereits 27 Menschen, die dieser Masche zum Opfer gefallen sind - die Ermittlungen dauern noch an.

Computerbetrug durch Ehepaar

Bereits im Juni 2019 wurde der 33-jährige Hauptverdächtige aus dem Landkreis Würzburg festgenommen. Seitdem befindet sich der Mann in Untersuchungshaft. Ihm wird vorgeworfen, mit einem noch unbekannten Mittäter gewerbsmäßigen Computerbetrug in 36 Fällen nach der beschriebenen Vorgehensweise betrieben zu haben. Weiterhin wird ihm vorgeworfen, zusammen mit seiner 33-jährigen Frau betrügerische Warenbestellungen im Internet getätigt zu haben. Dabei soll das Paar in insgesamt 38 Fällen über 23.000 Euro ausgegeben haben.

Betäubungsmittel im Darknet bestellt - gewinnbringend weiterverkauft

Neben den beschriebenen Delikten liegt dem Ehepaar und einem weiteren 35-Jährigen Mitangeklagten aus dem Landkreis Kitzingen noch etwas zur Last: Das Trio soll verschiedene Betäubungsmittel im Darknet bestellt und die Ware im Anschluss gewinnbringend weiterverkauft haben. In der Anklageschrift wird hierbei auch auf drei Fälle von bandenmäßigem unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln eingegangen. Auch gegen den 35-Jährigen wurde bereits im Juni 2019 auf Antrag der Zentralstelle Cybercrime Bayern Haftbefehl erlassen.

So schützen Sie sich vor Internetbetrügern

Um sich vor Internetbetrügern zu schützen, geben die Polizeiinspektion Würzburg und die Generalstaatsanwaltschaft Bamberg folgende Tipps:

  • Nutzen Sie ein aktuelles Betriebssystem mit den neusten Sicherheitsupdates
  • Setzen Sie ein Anti-Viren-Programm und eine Firewall ein
  • Passwörter sollten ausreichend lang und sicher sein
  • Verzichten sie auf ein einheitliches Passwort für alle Seiten, sondern nutzen sie für jeden Login ein individuelles Passwort
  • Aktivieren Sie, soweit möglich, die Zwei-Faktor-Authentifizierung
  • Geben Sie Passwörter und/oder TANs nie an Dritte weiter, auch nicht, wenn Sie von Ihrem angeblichen Anbieter danach gefragt werden