Ein Job beim Druckereimaschinen-Hersteller König & Bauer (KBA) in Würzburg galt bisher als sichere Bank. Die Bescherung kommt kurz vor dem Weihnachtsfest 2013: KBA will sich von bis zu 1500 seiner 6200 Mitarbeiter trennen; wie hart es den Stammsitz in Würzburg trifft, erfährt die Belegschaft heute.

"Neuausrichtung" ist das Etikett auf dem Paket, das Claus Bolza-Schünemann, der Vorstandsvorsitzende des nach eigenen Angaben ältesten Druckmaschinen-Herstellers der Welt (gegründet 1817), den Mitarbeitern heute auf den Tisch legen wird. Freude dürfte es nicht auslösen, Überraschung auch nicht, denn die schlechte Nachricht verbreitete sich am Dienstag bereits über die Medien und bei Betriebsversammlungen in zwei der fünf europäischen Werke.


460 Entlassungen in Mödling

Im österreichischen Mödling streicht KBA 460 der 760 Stellen und lässt es offen, ob der Standort überhaupt zu halten ist. Im sächsischen Radebeul bei Dresden wird der Personalabbau wohl weniger drastisch ausfallen; dort arbeiten 1500 Männer und Frauen für KBA-Planeta.

Treffen wird es auch die anderen KBA-Städte: den Stammsitz in Würzburg mit 2000 Mitarbeitern, Frankenthal (Rheinland-Pfalz) und Dobruska in Tschechien. "Wir wollen uns durch einen schnellen und radikalen Wandel zu einem dezentral organisierten und hochflexiblen Druckmaschinenkonzern entwickeln", sagt der Vorstandsvorsitzende, der den Aktionären im dritten Quartal rote Zahlen präsentieren musste: Das Geschäft mit Druckmaschinen ist eingebrochen, der Wandel der Medienlandschaft weg vom gedruckten Wort zur digitalen Lektüre trifft die Branche in der ganzen Breite.


Programm "fit@all"

KBA gibt seinem Umbauplan den schicken Namen "fit@all", doch dahinter steckt zunächst einmal die Reduzierung von Kosten. Menschen sind teuer. 1500 Stellen lassen sich nicht via Sozialplan und Altersteilszeit abbauen. Es wird Entlassungen geben, und mit Ausnahme Würzburgs ist wohl auch kein Standort des Unternehmens sicher. "Die Aufgabe bzw. der Verkauf von Standorten ist nicht ausgeschlossen", sagt Claus Bolza-Schünemann.
Der Vorstandschef hofft, mit dem harten Schnitt schnell wieder schwarze Zahlen zu schreiben. 20 Millionen Euro Verlust bis Ende September ließen am Dienstag die KBA-Aktie in den Keller rauschen; nicht einmal der angekündigte Personalabbau beruhigte die Händler.

Die Arbeitnehmervertreter fahren derweil zweigleisig: Man werde das Unternehmen nach Kräften dabei unterstützen, seine Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, sagt der Erste Bevollmächtigte der IG Metall in Würzburg, Walther Mann. Man werde es aber nicht zulassen, dass alleine die Mitarbeiter Fehler des Managements ausbaden müssen. Die Krise im Druckgewerbe sei nicht über Nacht gekommen, und die Fachleute bei König & Bauer könnten nicht nur Druckmaschinen bauen. "Es gibt einige Stellschrauben, an denen man viel früher hätte drehen müssen", sagt Mann.