Jahrelang verging sich eine Logopäde in Würzburg an behinderten Jungen. Viele Übergriffe fanden in Kitas statt, wo der 37-Jährige den Kindern mit Sprachtherapie helfen sollte. Der Prozess um den Missbrauchsskandal gilt als einer der schlimmsten in Bayern - nun verkündete das Landgericht Würzburg das Urteil.

Update vom 25.05.2020, 17.00 Uhr: Landgericht Würzburg verkündet Urteil im Missbrauchsprozess um Würzburger Logopäden

Wegen des sexuellen Missbrauchs von sieben behinderten Jungen hat das Landgericht Würzburg einen Logopäden zu elf Jahren und vier Monaten Haft verurteilt. Zudem verhängte das Gericht am Montag ein lebenslanges Berufsverbot. Viele Übergriffe fanden den Ermittlern zufolge in zwei Würzburger Kitas statt, in denen der Sprachtherapeut den damals zwei bis sechs Jahre alten Kindern eigentlich beim Verständigen helfen sollte. Der Fall zählt zu den schlimmsten bekannten Missbrauchsdelikten in Bayern. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Die Anklage hatte für den 38-Jährigen 13 Jahre und 9 Monate Freiheitsstrafe verlangt. Zudem hatte Staatsanwältin Manuela Teubel von der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg ein Berufsverbot für den Sprachtherapeuten gefordert. Einige Nebenklagevertreter hatten sich den Haftforderungen der Anklage angeschlossen, darüber hinaus aber auch Sicherungsverwahrung für den Deutschen gefordert. Diese wird in der Regel angeordnet, um die Allgemeinheit auch nach Verbüßung einer Haftstrafe vor dem Täter zu schützen. Die Verteidigung plädierte für eine Freiheitsstrafe von neun Jahren und acht Monaten.

11 Jahre und 4 Monate Haft: Würzburger Logopäde wegen sexuellem Missbrauch an sieben Jungen verurteilt

Ein Großteil des Prozesses fand zum Schutz der Opfer hinter verschlossenen Türen statt. In dem Verfahren vor der Großen Jugendkammer hatte der Angeklagte zu Prozessauftakt Anfang März gestanden, sich jahrelang an den Jungen vergangen zu haben - während die anderen Kinder in Nebenräumen spielten. In mehr als 60 Fällen davon waren die Übergriffe derart massiv, dass der Mann unter anderem wegen schweren sexuellen Missbrauchs angeklagt war.

Der psychiatrische Gutachter in dem Verfahren hatte den Angeklagten für therapierbar erklärt, aber nicht für vermindert schuldfähig. Der 38-Jährige hatte die Taten gefilmt und im Darknet verbreitet, so kamen ihm die Ermittler auf die Spur. In seiner Wohnung stellten Polizisten knapp 23 000 Dateien mit Missbrauchsinhalten sicher.

Update vom 05.02.2020, 16.15 Uhr: Angeklagter gesteht unter Tränen 

Ein wegen schweren sexuellen Missbrauchs von behinderten Kindern in Würzburg angeklagter Mann hat die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft umfangreich eingeräumt. „Er hat unter Tränen gesagt, dass er versteht, wie viel Vertrauen er missbraucht hat“, sagte ein Gerichtssprecher am Donnerstag im Landgericht Würzburg.

Die Aussage des 38-jährigen Deutschen fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt – zum Schutz der mutmaßlichen Opfer und des Angeklagten. Der Logopäde soll von 2008 an bis zu seiner Festnahme im März 2019 sieben Jungen in seinen Praxen und bei Therapiestunden in zwei Kindergärten sexuell missbraucht haben, in 66 Fällen davon schwer. 

Vor der Großen Jugendkammer war zuvor bereits die Anklage ohne Öffentlichkeit verlesen worden; dies dauerte etwa eindreiviertel Stunden. Der Vorsitzende Richter Michael Schaller begründete dies mit dem Schutz der minderjährigen Opfer. Die Jungen sind mittlerweile zwischen 7 und 13 Jahre alt. 

Die betroffenen Kinder sind körperlich und/oder geistig behindert, können gar nicht oder nur wenig sprechen. Manche von ihnen waren laut Staatsanwaltschaft erst zwei Jahre alt, als sich der Angeklagte an ihnen vergriff. Viele trugen damals noch Windeln.

Nach Darstellung der Ermittler fotografierte und filmte der Mann die Übergriffe und stellte sie in einschlägige Foren im sogenannten Darknet. Dort können sich Internetnutzer fast anonym bewegen.

Update vom 05.03.2020, 10.30 Uhr:  Prozessstart in Würzburg - Opferanwalt fordert harte Bestrafung

Vor dem Prozess wegen schweren sexuellen Missbrauchs von sieben kleinen Buben hat der Anwalt von zwei Opferfamilien eine harte Bestrafung für den beschuldigten Logopäden gefordert. Man wolle, dass der Angeklagte nie wieder herauskomme, sagte Bernhard Löwenberg am Donnerstag in Würzburg. „Unsere Mandanten sind seit Monaten beeinträchtig in ihrem Alltag“, sagte er weiter, sie wollten Gerechtigkeit. Der Prozessbeginn vor dem Landgericht verzögerte sich zunächst, weil das Gericht über eine Stellungnahme eines Berufsrichters entscheiden wollte.

Der 38-jährige Angeklagte soll sich in seinen Praxen und bei Therapiestunden in zwei Kindergärten in 66 Fällen massiv an den Kindern vergangen haben. Die mutmaßlichen Opfer sind körperlich und/oder geistig behindert, können gar nicht oder nur wenig sprechen. Manche von ihnen waren laut Staatsanwaltschaft erst zwei Jahre alt, als sich der Angeklagte an ihnen vergriff. Der Deutsche hat die Taten den Ermittlern zufolge weitgehend eingeräumt.

Für den Prozess vor der Großen Jugendkammer am Landgericht Würzburg sind elf Verhandlungstage bis Ende April geplant. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft – festgehalten in 54 Seiten Anklageschrift – fotografierte und filmte der Verdächtige die Übergriffe und stellte sie in einschlägige Foren im sogenannten Darknet. Dort können sich Internetnutzer fast anonym bewegen.
Bei einer Durchsuchung in der Wohnung des Angeklagten stellten Polizisten knapp 23.000 Dateien mit kinderpornografischen Inhalten sicher. Seither konnten weitere 42 Verdächtige im In- und Ausland ermittelt werden.

Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Der Prozess hat am Donnerstagmorgen (05. März 2020) vor dem Landgericht Würzburg begonnen: Michael Schaller, der Vorsitzende Richter der Jugendschutzkammer, hatte die Öffentlichkeit schon vor Verlesung der Anklageschrift ausgeschlossen. Grund hierfür sei, dass wegen des sehr detaillierten Anklagesatzes leicht Rückschlüsse auf die Identität der Betroffenen gezogen werden könnten. In ihrem Umfeld sei zum Teil bis jetzt nicht bekannt, dass sie mögliche Opfer des Angeklagten sind. Um ihre Stigmatisierung zu vermeiden, schließe man Öffentlichkeit aus.

Noch bevor der Prozess gegen den 38-jährigen Logopäden offiziell begonnen hatte, wurde die Öffentlichkeit bereits zum ersten Mal vom Vorsitzenden Richter ausgeschlossen. Grund dafür war eine dienstliche Stellungnahme eines Berufsrichters zu dem Verfahren. Darin erklärte einer der beiden Berufsrichter, dass er aus den Verfahrensunterlagen herausgelesen habe, dass er in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem der Nebenkläger und Betroffenen wohne. Die Verfahrensbeteiligten einigten sich allerdings darauf, dass wegen der Wohnortnähe keine Bedenken wegen einer Befangenheit des Berufsrichters bestehen. Das berichtet der Evangelische Presse-Dienst

Update vom 04.03.2020: Missbrauchsskandal - Polizei ermittelt über 40 Verdächtige  

Der Fall des wegen schweren sexuellen Missbrauchs angeklagten Logopäden aus Würzburg hat eine internationale Dimension. Etwa ein Jahr nach der Festnahme des 38-Jährigen hat die Polizei weitere 42 Verdächtige ermittelt. Die meisten Verfahren seien an die jeweils örtlich zuständige Staatsanwaltschaft in Deutschland abgegeben worden; 17 Fälle an Behörden im Ausland.

„Zu den jeweiligen Ländern kann ich aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben machen“, sagte Oberstaatsanwalt Thomas Goger von der Zentralstelle Cybercrime Bayern die bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg angesiedelt ist. Konkret gehe es um Besitz und Verbreitung kinderpornografischer Schriften und sexuellen Missbrauch von Kindern.

Verdächtiger macht Aufnahmen von Bub in Windeln

Bei dem angeklagten Sprachtherapeuten, der sich von diesem Donnerstag an vor dem Landgericht Würzburg verantworten muss, waren knapp 23 000 Dateien mit kinderpornografischen Inhalten entdeckt worden. Diese brachten Ermittler, etwa in den USA, auf die Spur von mutmaßlichen Tätern.

In einem Fall in Europa sei ein Verdächtiger, der Aufnahmen von Buben in Windeln gemacht hatte, identifiziert worden. Weitere geplante Taten hätten so verhindert werden können, hieß es im vergangenen September zum Abschluss der Ermittlungen gegen den Logopäden.

Oberstaatsanwalt spricht von „wertvollen Ermittlungsansätzen“

Laut Oberstaatsanwalt Goger konnte in 19 weiteren Fällen noch kein Beschuldigter namentlich identifiziert werden – allerdings seien „wertvolle Ermittlungsansätze“ an ausländische Behörden übermittelt worden. „In 16 weiteren Fällen laufen derzeit noch Ermittlungen gegen bislang unbekannte Täter.“

Der Logopäde aus Würzburg war im vergangenen März festgenommen worden. Er soll sich in 66 Fällen massiv an Kindern vergangen haben, darunter vor allem körperlich und geistig behinderte. Manche von ihnen waren erst zwei Jahre alt. Der Deutsche ist laut Generalstaatsanwaltschaft weitgehend geständig.

Update vom 01.03.2020: Anklage wegen schweren sexuellen Missbrauchs - Prozess beginnt am 5. März

Fast ein Jahr nach seiner Festnahme muss sich von Donnerstag (5. März) an ein Logopäde wegen schweren sexuellen Missbrauchs von kleinen Jungen vor Gericht verantworten. Der Mann, der an diesem Montag 38 Jahre alt wird, soll sich in 66 Fällen massiv an Kindern vergangen haben, darunter vor allem körperlich und geistig behinderte. Manche von ihnen waren erst zwei Jahre alt. 


Die Jugendschutzkammer am Landgericht Würzburg hat elf Verhandlungstage bis Ende April anberaumt. Der Deutsche ist laut Generalstaatsanwaltschaft weitgehend geständig. Denkbar ist, dass ein Teil des Prozesses unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet, um die Opfer zu schützen.

Sprachtherapeut soll sieben Jungen missbraucht haben

Die mutmaßlichen Taten des Sprachtherapeuten waren im März 2019 ans Licht gekommen. Die Ermittlungen von Cybercrime-Experten hatten ergeben, dass der Mann seit 2008 bis zu seiner Festnahme insgesamt sieben Jungen im Alter von bis zu sechs Jahren in unterschiedlicher Weise missbraucht haben soll. Die Tatorte lassen aufschrecken: Der Mann nutzte den Ermittlern zufolge Behandlungssitzungen in seinen zwei Praxen und in zwei Würzburger Kindergärten für die Übergriffe – Orte, an denen Eltern ihre Kinder in Sicherheit wähnen.


Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft – festgehalten in 54 Seiten Anklageschrift – fotografierte und filmte der Verdächtige die Taten und stellte sie in einschlägige Foren im sogenannten Darknet. Dort können sich Internetnutzer fast anonym bewegen. Bei einer Wohnungsdurchsuchung am 20. März 2019 stellten Polizisten knapp 23 000 Dateien mit kinderpornografischen Inhalten sicher.

„Wir können davon ausgehen, dass der Täter sich gezielt Opfer rausgesucht hat, bei denen zu erwarten war, dass sie sich nicht an Eltern oder Erzieher wenden“, sagte Staatsanwalt Thomas Janovsky zum Abschluss der Ermittlungen im vergangenen September. Außerdem habe der Mann stets gewartet, bis sein aktuelles Opfer die jeweilige Einrichtung verlassen hatte, ehe er sich am nächsten Buben verging – offenbar, um einen Austausch der Kinder untereinander zu verhindern.

Niemand will die Übergriffe bemerkt haben

Die Mitarbeiter der Kindergärten sollen von den Übergriffen nichts mitbekommen haben. Auch der Ehemann des angeklagten Therapeuten wusste offenbar nichts von den Umtrieben seines Partners.

Bei dem Therapeuten wurden nicht nur Aufnahmen der Würzburger Kinder gefunden, sondern auch viele andere. Diese lieferten den Ermittlern Hinweise auf weitere Missbrauchsfälle – mehrere Beschuldigte sind seither ermittelt worden.


Schwerer sexueller Missbrauch von Kindern ist in Paragraf 176a des Strafgesetzbuches definiert. Das sind alle Handlungen an Kindern, die mit dem Eindringen in den Körper verbunden sind.


Laut Polizeilicher Kriminalstatistik wurden 2018 bundesweit 12 321 Fälle von sexuellem Missbrauch von Kindern registriert – 6,7 Prozent mehr als im Vorjahr. 9357 Verdächtige gab es 2018; fast 96 Prozent davon sind Männer.

Update vom 06.12.2019: Logopäde aus Würzburg wegen schweren Kindesmissbrauchs angeklagt

Wegen mehrfachen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern  hat die Generalstaatsanwaltschaft Bamberg Anklage gegen einen 37-jährigen Logopäden aus Würzburg erhoben. Der Fall war im März dieses Jahres bekanntgeworden, als Polizeibeamte die Wohnung des Mannes und seine Praxisräume durchsucht hatten.

Der Logopäde soll sieben Jungen im Alter von bis zu sechs Jahren sexuell missbraucht, davon Fotos und Videos angefertigt und diese verbreitet haben. Die Missbrauchshandlungen fanden in den Praxisräumen des Mannes sowie in zwei evangelischen Kindertagesstätten statt. 

Bei Verurteilung: 37-Jährigem drohen bis zu 15 Jahre Gefängnis

Die Anklage wurde bereits am 20. November erhoben, wie die Behörde am Freitag (6. Dezember 2019) in Bamberg mitteilte. Wegen des Alters der Tatopfer wurde die Anklage zur Jugendschutzkammer des Landgerichts erhoben. Diese habe nun über die Eröffnung des Hauptverfahrens zu entscheiden. Die Ermittler legen dem Mann insgesamt 66 Fälle des schweren sexuellen Missbrauchs zur Last – das Gesetz sieht dafür jeweils Freiheitsstrafen von bis zu 15 Jahren vor. In der Hauptverhandlung werde auch zu prüfen sein, ob gegen den Angeschuldigten die Anordnung einer Sicherungsverwahrung in Betracht kommt, hieß es weiter.

Kinder sind zum Teil hochgradig behindert

Der Mann befindet sich seit 21. März in Untersuchungshaft. Die Taten sollen zwischen 2012 und März 2019 stattgefunden haben. Die betroffenen Kinder seien zum Teil hochgradig körperlich und/oder geistig behindert oder hätten Entwicklungsstörungen. Als Tatorte standen schnell auch zwei evangelische Kitas in Würzburg fest – eine integrative Einrichtung im Stadtteil Heuchelhof sowie eine weitere Kita im Stadtteil Zellerau. Das dortige Personal hat nach den Erkenntnissen der Zentralstelle Cybercrime nichts von den Missbrauchstaten bemerkt. Der Logopäde hatte in den Kitas Einzeltherapie angeboten.

Neben dem Logopäden war auch sein Partner kurzzeitig festgenommen worden. Er war stellvertretender Leiter der betroffenen integrativen evangelischen Kita. Die Ermittler haben den Pädagogen allerdings schnell wieder auf freien Fuß gesetzt. Anfang Oktober waren die Ermittlungen gegen den Partner offiziell eingestellt worden. Er wusste laut Ermittlern nichts von den Taten

Update vom 09.10.2019: Mann des Logopäden unschuldig

Im Würzburger Kinderporno-Fall  ist der Ehemann des verdächtigen Logopäden jetzt reingewaschen. Die Ermittlungen gegen den Sozialpädagogen sind offiziell eingestellt. Dies teilten sowohl sein Anwalt Norman Jacob als auch die Centralstelle Cybercrime bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg am Dienstag mit. Die Ermittler vollzogen damit, was Generalstaatsanwalt Thomas Janovsky in der Pressekonferenz vom vergangenen Montag auf Anfrage bereits angedeutet hatte. 

Wie die Zentralstelle Cybercrime Bayern bei der Bamberger Generalstaatsanwaltschaft am Dienstag mitteilte, haben die polizeilichen und staatanwaltschaftlichen Ermittlungen ergeben, dass eine Beteiligung des Ehemanns oder auch nur eine Kenntnis der Taten des beschuldigten Logopäden ausgeschlossen werden kann. Der Logopäde und sein Ehemann waren am 20. März festgenommen worden. Während der Logopäde am 21. März in Untersuchungshaft sitzt, wurde sein Partner noch am selben Tag mangels dringenden Tatverdachts wieder freigelassen. Der Logopäden soll sieben Jungen unter sechs Jahren zwischen 2012 und März 2019 mehrfach sexuell missbraucht, die Taten gefilmt und schließlich im Darknet verbreitet haben. Teilweise waren die Opfer schwerstbehindert.

Würzburger Kinderporno-Skandal: Partner mit Chance für Zukunft

Sein Partner geriet zunächst mit unter Verdacht, litt unter persönlichen Angriffen und verlor seinen Arbeitsplatz. "Es ist schön, dass die Staatsanwaltschaft die Einstellung jetzt auch offiziell mitteilt," sagte sein Anwalt auf Anfrage. "Das kommt nämlich nicht so häufig vor. Damit ist mein Mandant von dem Makel befreit – und bekommt eine Perspektive für seine Zukunft."

Die Ermittlungen gegen den Logopäden sind abgeschlossen. Mit einer Anklage gegen ihn wird bereits Ende Oktober gerechnet.  Die Ermittler sind sich sicher, dem Verdächtigen 78 Missbrauchstaten nachweisen zu können, davon 45 Fälle von schwerem sexuellem Missbrauch. Dazu kommt das Anfertigen und Verbreiten von kinderpornografischen Aufnahmen.

Die Nachforschungen der Polizei haben von diesem Fall zu 42 weiteren Ermittlungsverfahren und zehn Verdächtigen im In- und Ausland geführt.

Update vom 30.09.2019: Würzburger Kinderporno-Skandal - Sieben Jungen unter sechs Jahren missbraucht

Die Behörden haben sich am Montag (30. September 2019) zum Missbrauchsfall aus dem unterfränkischen Würzburg geäußert. Dabei wurden in einer Pressekonferenz neue Ermittlungsdetails vorgestellt: Generalstaatsanwalt Thomas Janovsky betonte zunächst, wie bedrückend die Ermittlungen gewesen seien: Er sagte es sei "menschlich sehr belastend". 

Aktuell wird die Anklage gegen den Beschuldigten Oliver H. vorbereitet: In den Ermittlungen konnten die Behörden 78 konkrete Missbrauchsstraftaten feststellen. 45 Fälle davon sind Fälle schweren sexuellen Missbrauchs. 

Insgesamt waren sieben männliche Opfer im Alter unter sechs Jahren betroffen. Dabei ging der Beschuldigte sehr gezielt vor: Laut Janovsky suchte sich Oliver H. bewusst Jungen aus, die geistig oder körperlich behindert sind. Durch die Entwicklungsstörung der Kinder, plante er laut Angaben der Generalstaatsanwaltschaft ein, dass sich die Opfer nicht an ihre Eltern oder Ansprechpartner wenden würden. Die Kinder wurden im Zeitraum 2012-2019 sexuell missbraucht. 

Missbrauchsfall in Würzburg: Behinderte Jungen gezielt ausgesucht

Die Ermittler hatten "Glück, dass der Rechner bei dem Zugriff eingeschaltet" war, hieß es auf der Pressekonferenz. Deshalb konnten die IT-Spezialisten der "Zentralstelle Cybercrime Bayern" viele Informationen abgreifen. So wurden sieben weitere Täter ermittelt. Janovsky betonte, dass es sich nicht um eine kriminelle Organisation, also keine Bande, handelt. Die Einzeltäter tauschten allerdings massenhaft kinderpornografische Bilder gegenseitig aus. Allein auf dem Rechner von Oliver H. wurden über 23.000 Dateien gefunden. Dabei handelt es sich überwiegend um Fremdmaterial aus dem amerikanischen, afrikanischen und europäischen Raum. 

Eine Erkenntnis der Ermittlungen ist zudem, dass die Täter versuchten ihre Daten im Darknet zu verwischen. Durch die aufwändige Recherche der IT-Spezialisten konnten allerdings mehrere Beteiligte ermittelt werden. tu

Update vom 02.08.2019: Weiteres Opfer im Würzburger Kinderporno-Fall

Im Kinderporno-Skandal im unterfränkischen Würzburg gibt es Neuigkeiten: Es gibt ein weiteres Opfer sowie einen weiteren Tatort. Dies berichtet der  Bayerische Rundfunk unter Berufung auf die Bamberger Staatsanwaltschaft. Demnach gibt es "eine einstellige Zahl an Opfern", die in zwei verschiedenen Einrichtungen sexuell missbraucht wurden. Derweil ist weiterhin unklar, wann es zur Anklage vor Gericht kommt. 

Würzburger Kinderporno-Skandal: Alles Wichtige im Überblick

Kinderpornoskandal in Würzburger Kita? Kindertagesstätte durchsucht und Verdächtige festgenommen: Im unterfränkischen Würzburg wurden am Donnerstag (21. März 2019) zwei Männer festgenommen, die im Verdacht stehen Kinderpornos erstellt und verbreitet zu haben. Während einer von ihnen wieder auf freien Fuß ist, steht ein Würzburger Logopäde weiter in Verdacht. Gegen den Freigelassenen wird jedoch weiterhin ermittelt.

Die Soko "01-2019" bei der Kripo Würzburg ermittele in enger Abstimmung mit der Zentralstelle Cybercrime Bayern, hieß es.

Update vom 12. April 2019: Verdächtiger war wohl in zwei Kitas tätig

Der unter Missbrauchsverdacht stehende Würzburger Sprachtherapeut hat in einer zweiten evangelischen Kindertagesstätte gearbeitet. "Uns ist bekannt, dass der Beschuldigte in einer weiteren Kita als Therapeut tätig war", teilte das Dekanat der evangelisch-lutherischen Kirche am Freitag auf Nachfrage der deutschen Presseagentur (dpa) mit. Ob auch an dieser Kita Missbrauch vermutet wird, war zunächst unklar. Zuerst hatte darüber der  Evangelische Pressedienst  berichtet.

Der 37-jährige Sprachtherapeut steht unter Verdacht, Kinderpornos angefertigt und verbreitet zu haben. Die Ermittler hatten große Mengen Fotos und Videos gefunden. Der Mann hatte an verschiedenen Stellen Kontakt zu Kindern. Neben einer evangelischen Kita war bislang auch von einem Sportverein die Rede. Am Mittwoch war bekanntgeworden, dass Kita-Kinder als Opfer identifiziert wurden.

Der Verdächtige sitzt seit dem 21. März in Untersuchungshaft. Die Ermittler sind weiter damit beschäftigt, Datenträger auszuwerten. Die evangelische Kirche ist in Würzburg Träger von etwa einem Dutzend Kindertagesstätten.

Update am 11. April 2019: Beschuldigter will mit Ermittlern kooperieren

Im Würzburger Kinderporno-Fall will der beschuldigte Sprachtherapeut nach Angaben seines Anwalts mit den Ermittlern kooperieren. Das meldet die dpa am 11. April 2019.

Der 37-Jährige habe ein Passwort genannt, mit dem die Polizei auf gesicherte Daten auf seinem Computer zugreifen könne, sagte der Würzburger Rechtsanwalt Jan Paulsen am Donnerstag auf Nachfrage. Zuvor hatte die "Main-Post" berichtet.

Paulsen vertritt den beschuldigten Logopäden gemeinsam mit Alexander Hübner aus Dresden. Die Anwälte haben im Namen ihres Mandanten einen Schriftsatz an die Generalstaatsanwaltschaft geschickt, wie Paulsen sagte. Es seien auch Namen von Opfern genannt worden.

Der Logopäde soll Kinderpornos mit kleinen Jungs im großen Stil angefertigt und im sogenannten Darknet verbreitet haben, einem schwer zugänglichen Bereich des Internets. Die Ermittler haben Hunderte Fotos und Videos sichergestellt. Der Mann sitzt seit dem 21. März in Untersuchungshaft. Er hatte an verschiedenen Stellen Kontakt zu Kindern, neben einer Kita auch in einem Sportverein.

Update am 10.April 2019: Erste Opfer identifiziert

Im Rahmen einer groß angelegten Durchsuchungsaktion konnten Einsatzkräfte am 20.03.2019 unter anderem eine dreistellige Zahl an Datenträgern sicherstellen. Insgesamt wurde Datenmaterial mit einem Umfang von mehreren Terabyte gesichert, das derzeit akribisch ausgewertet wird. Im Rahmen dieser fortlaufenden Auswertungen stießen die Ermittler auf eine Vielzahl kinderpornographischer Bilder und Videos.

Die aufwändigen Ermittlungen, die sowohl zur Identifizierung der abgebildeten Kinder, als auch zur Ermittlung der Tatorte und Tatzeiten notwendig sind, werden mit Hochdruck durch die eigens hierfür bei der Kripo Würzburg eingerichteten SOKO "01-2019" unter Sachleitung der Zentralstelle Cybercrime Bayern bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg geführt.

Im Zuge dieser Ermittlungen konnten nunmehr einige der abgebildeten Jungen zweifelsfrei identifiziert werden. Bei diesen Missbrauchsopfern handelt es sich um Kinder einer Kindertagesstätte im Würzburger Stadtteil Heuchelhof, die der inhaftierte Beschuldigte dort als Logopäde behandelt hat. Die entsprechenden Aufnahmen sind auch in den Räumen der Einrichtung entstanden. Trotz der Masse an Material ist die Suche nach den Opfern nicht einfach. Denn auf den Bildern sind dem Vernehmen nach keine Gesichter erkennbar. Für die Identifikation durch die Eltern seien die Bilder so bearbeitet worden, dass keine expliziten Missbrauchsszenen zu erkennen sind, aber beispielsweise Kleidungsstücke.

Nach derzeitigem Ermittlungsstand sind keine Anhaltspunkte dafür vorhanden, dass die Missbrauchshandlungen vom Personal der Kindertagesstätte bemerkt wurden. Die Eltern der betroffenen Kinder wurden inzwischen unter Einbindung von psychologischem Fachpersonal und eines Kriseninterventionsteams informiert und dabei auch in Hinblick auf weitere Betreuungsmöglichkeiten beraten. Auch der Träger der Kita sowie das Jugendamt der Stadt Würzburg sind über den aktuellen Ermittlungsstand informiert.

Derzeit wird nach wie vor an der Identifizierung weiterer Tatopfer und Tatorte gearbeitet. Der inhaftierte Beschuldigte hat eine erste kurze Stellungnahme abgegeben. Die Generalstaatsanwaltschaft Bamberg und die Kriminalpolizei bitten nach wie vor um Hinweise aus der Bevölkerung. Die Hotline der Kriminalpolizei Würzburg ist unter 0800/7733744 von 8 Uhr bis 22 Uhr zu erreichen.

Die Leitung der betroffenen Kindertagesstätte lässt ihr Amt ruhen, bis alles geklärt ist. "Eine neue kommissarische Leitung wurde eingesetzt", teilte Dekanin Edda Weise am Mittwoch mit. "Als Träger einer Kindertagesstätte sind wir verantwortlich für die Sicherheit und das Wohlbefinden der Kinder und ihrer Eltern. Das ist uns eine große Verpflichtung", hieß es weiter. Deshalb stehe der Kita geschultes Personal von Notfallseelsorge und Polizei als Ansprechpartner für Familien und Mitarbeiter zur Verfügung.

Weise teilte mit: "Wir möchten unsere Kita weiterführen, das ist aber nur mit dem Vertrauen der Eltern möglich." Deswegen habe der Träger mit Experten des Jugendamtes und der Jugendhilfe mehrere Maßnahmen erarbeitet. "Es ist uns ein tiefes Anliegen, auf die Bedürfnisse und Ängste der Kinder und ihrer Eltern zu reagieren", sagte Weise.

Update am 05. April 2019, 13 Uhr: Eltern sichten Fotos im Würzburger Missbrauchsfall

Im Missbrauchsfall um den Sprachtherapeuten aus Würzburg haben die Ermittler Eltern möglicher Opfer Fotos aus dem beschlagnahmten Material gezeigt. Diese seien so bearbeitet, dass keine expliziten Missbrauchsszenen zu erkennen seien - wohl aber beispielsweise Kleidungsstücke, die bei der Identifizierung helfen könnten, sagte ein Sprecher der Zentralstelle Cybercrime Bayern am Freitag der Deutschen-Presse-Agentur. Zum Umfang der Befragung machte der Sprecher keine Angaben. Auch in den kommenden Tagen sollen seinen Angaben nach weitere Eltern Bildmaterial sichten.

Update am 26. März 2019, 08:10 Uhr: Kirche bietet im Würzburger Missbrauchsfall Elternabende a

Da im Würzburger Kinderporno-Fall auch eine evangelische Kindertagesstätte betroffen sein könnte, bietet die Kirche Eltern Hilfe an. In dieser Woche soll es mehrere Elternabende mit Mitarbeitern der städtischen Erziehungsberatungsstelle geben, teilte das Dekanat Würzburg der Deutschen Presse-Agentur mit. "Ein wichtiges Thema bei diesen Elternabenden wird die Frage sein: Wie können Eltern mit ihren Kindern in dieser Situation im Gespräch bleiben?"

Seit Beginn der Ermittlungen können Kita-Eltern mit Mitarbeitern von "Notfallseelsorge in Schulen" sprechen. Das Team sei auch in dieser Woche in der Kita. "Sehr hilfreich war auch die Unterstützung durch die Verhandlungsgruppe der Polizei, die ebenfalls in den ersten Tagen viele Gespräche mit Eltern und Mitarbeitenden geführt hat", so der Sprecher. "Die Angebote werden so lange aufrechterhalten, wie es für Eltern, Kinder und auch Mitarbeitende notwendig und hilfreich ist." Für die Eltern stehe die Sicherheit ihrer Kinder im Mittelpunkt.

An einem ersten Elternabend nach Aufkommen der Vorwürfe am Donnerstag hatten alle Mitarbeiter der Kita, Leitung und Träger, Vertreter der Polizei und von Beratungsstellen Fragen der Eltern beantwortet. "Wichtig war die Aussage der Polizei, dass in der Kita für die Sicherheit der Kinder gesorgt ist und nicht gegen die Kita oder den Träger ermittelt wird", erklärte der Sprecher weiter. Besonders Experten der Erziehungsberatungsstelle hätten geraten, möglichst für Normalität daheim und in der Kita zu sorgen. Ein weiteres Thema sei gewesen, wie Eltern damit umgehen können, wenn sie bei ihrem Kind Anzeichen ungewöhnlichen oder beunruhigenden Verhaltens wahrnehmen.

Update am 26. März 2019, 05:21 Uhr: Kirche teilt mit - Bislang keine Hinweise auf Missbrauch in Würzburger Kita

Im Kinderporno-Fall von Würzburg hat die evangelische Kirche keine Hinweise darauf, dass Kinder in einer ihrer Tagesstätten betroffen sein könnten. "Davon ist uns derzeit nichts bekannt", teilte das Dekanat der Deutschen Presse-Agentur mit.

Die Polizei hatte vergangene Woche eine Kita durchsucht, in der der Partner des mutmaßlichen Täters arbeitete. Beide Männer waren zunächst festgenommen worden. Der Kita-Mitarbeiter kam auf freien Fuß, weil sich der Verdacht gegen ihn nicht erhärtet hatte. Er ist nach Angaben des Dekanats bis auf Weiteres vom Dienst freigestellt.

"Dem Hauptverdächtigen wurden für seine Tätigkeit als Logopäde die Räume der Kita zur Verfügung gestellt", teilte der Sprecher des Dekanats Würzburg weiter mit. "Dort hat er in eigener Verantwortung mehrere Therapien pro Woche durchgeführt."

Update vom 25. März 2019, 13:32 Uhr: Tatverdächtiger hüllt sich in Schweigen

Der verhaftete Tatverdächtige im Würzburger Kinderporno-Fall schweigt weiterhin zu den Tatvorwürfen vermeldet der Evangelische Presse-Dienst. "Er äußert sich nach wie vor nicht", sagte Oberstaatsanwalt Christian Schorr von der Zentralstelle Cybercrime bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg am Montag dem epd auf Anfrage. Die von der Kripo Würzburg eingerichtete Sonderkommission "01-2019" setzt bei der Aufklärung auch auf Hinweise aus der Bevölkerung.

Schorr betonte, dass es noch völlig unklar sei, wie viel Zeit die Auswertung des Materials in Anspruch nehmen wird: "Das ist ein sehr breites Feld, das wir bearbeiten müssen. Das ist eine sehr aufwendige Puzzle-Arbeit." Laut seinen Angaben wurde eine dreistellige Zahl an Kinderpornos gefunden, nun gehe es darum, die betroffenen Kinder und die Tatorte zu identifizieren. Der Beschuldigte habe aber offenbar darauf geachtet, dass die Kinder - alles Jungen im Kindergartenalter - und die Örtlichkeiten nicht leicht zu identifizieren sind. Die Kripo hat deshalb eine kostenlose Telefon-Hotline für Hinweise eingerichtet, die täglich von 8 bis 22 Uhr erreichbar ist: 0800 7733 744.

Update 25. März 2019, 11:57 Uhr: Suche nach Opfern im Fokus der Ermittler

Im Würzburger Kinderporno-Fall konzentrieren sich die Ermittler derzeit auf die Suche nach den Opfern. Es gebe eine "große Bandbreite an Tatorten", eine große Zahl von Kontaktmöglichkeiten zu Kindern - "und das über einen mehrjährigen Zeitraum", sagte Oberstaatsanwalt Christian Schorr von der Zentralstelle Cybercrime Bayern bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg am Montag gegenüber der deutschen Presseagentur (dpa).

Pflegekinder wohl keine Opfer des Logopäden

Die beiden Pflegekinder des Verdächtigen zählten den Erkenntnissen zufolge nicht zu den Opern. Der 37-jährige Sprachtherapeut und sein Partner hatten seit Jahren einen vierjährigen Jungen und ein fünfjähriges Mädchen betreut. Die Stadt habe die Kinder rechtsmedizinisch untersuchen lassen, sagte eine Sprecherin der Stadt. Beide seien physisch und psychisch wohlauf. Sie seien bei Bereitschaftspflegeeltern untergekommen.

Der Fall war am Donnerstag bekannt geworden und hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt. Der tatverdächtige Logopäde sitzt in Untersuchungshaft, sein Partner war nach ersten Ermittlungen wieder freigelassen worden. Der Verdächtige soll Kinderpornos mit kleinen Jungen im großen Stil angefertigt und im sogenannten Darknet verbreitet haben, einem abgeschirmten Bereich des Internets.

Auch gegen den Partner seien die Ermittlungen noch nicht eingestellt worden, sagte Schorr. Es gebe aber keinen dringenden Tatverdacht. "Man geht davon aus, dass es eine realistische Möglichkeit ist, dass er nichts von den Aktivitäten seines Partners wusste."

Tatverdächtiger war Trainer im Sportverein

Über die Verhaftung des Therapeuten hat der Sportbund DJK Würzburg bestürzt reagiert. Der Mann habe in dem Verein ein präventives Bewegungsangebot für Kinder geleitet, teilte der DJK auf seiner Seite mit.

"Wir sind geschockt und bestürzt. Wir arbeiten intensiv mit der Polizei zusammen, um die Ermittlungen mit allem, was wir dazu beitragen können, zu unterstützen", erklärte die Vorsitzende des DJK Würzburg, Sonja Buchberger, am Montag gegenüber der dpa.

Ob Kinder aus den Sportkursen betroffen sind ist derzeit unklar

Ob Kinder in den Kursen des Mannes betroffen seien, stehe noch nicht fest. Die Ermittlungen richteten sich ausdrücklich nicht gegen den Verein. Vielmehr sei das Angebot dieses Übungsleiters einer der Bereiche gewesen, in denen der Mann Kontakt zu Kindern hatte. Der Sportbund DJK Würzburg wurde 1920 gegründet und gehört nach eigenen Angaben mit seinen rund 1800 Mitgliedern zu den großen Sportvereinen der Stadt.

Der Fall war am Donnerstag bekanntgeworden und hatte bundesweit Aufsehen erregt. Der tatverdächtige Logopäde sitzt in Untersuchungshaft, sein Partner wurde mangels dringenden Tatverdachts wieder freigelassen. Der Verdächtige soll Kinderpornos mit kleinen Jungen angefertigt und im sogenannten Darknet verbreitet haben, einem abgeschirmten Bereich des Internets. Er steht im Verdacht, auch selbst Kinder missbraucht zu haben.

Update 23. März 2019, 17.10 Uhr: Verdächtiger im Kinderporno-Fall hatte zwei Pflegekinder

Im Würzburger Kinderporno-Fall hat der Verdächtige nach Angaben der Stadtverwaltung seit Jahren zwei Pflegekinder betreut. Anzeichen auf einen Missbrauch gebe es aber zunächst nicht, sagte Stadtsprecher Georg Wagenbrenner der Deutschen Presse-Agentur am Samstag.

Der 37-jährige Logopäde und sein Partner kümmerten sich um einen vierjährigen Jungen und ein fünfjähriges Mädchen, wie Wagenbrenner sagte. Im Zuge der Ermittlungen seien die Kinder zu Bereitschaftspflegeeltern gebracht worden. Ob sie dort am Wochenende noch waren und wie es für die Kinder weitergeht, konnte der Sprecher zunächst nicht sagen.

Bisher keine Hinweise auf Missbrauch der Pflegekinder

Den Kindern gehe es den Umständen entsprechend gut. "Es haben sich keinerlei körperliche oder seelische Hinweise auf Missbrauch ergeben", sagte Wagenbrenner der "Main-Post". Die Untersuchung habe die Stadt veranlasst, bestätigte er der dpa.

Oberstaatsanwalt Christian Schorr von der Zentralstelle Cybercrime Bayern sagte, es deute derzeit nichts darauf hin, dass die Pflegekinder auch auf den Aufnahmen abgebildet sind. Er mahnte zu einer zurückhaltenden Berichterstattung. "Die sehr umfangreichen Ermittlungen laufen hinsichtlich der Opfer aber natürlich in alle Richtungen weiter", teilte der Beamte von der Zentralstelle, die in Bamberg angesiedelt ist, auf Anfrage mit. Neue Erkenntnisse zu dem Fall lägen zunächst nicht vor.

Stadt Würzburg prüft Konsequenzen bei Vorschriften für Pflegeeltern

Nach Angaben der Stadt Würzburg engagierten sich der Logopäde und sein Partner seit 2014 als Pflegeeltern. Dafür seien sie ausführlich überprüft worden, sagte Wagenbrenner. Es habe "drei umfassende persönliche Gespräche" sowie Hausbesuche und Hospitationen gegeben. Ein Verdacht sei dabei nicht aufgekommen. Es sei ihr erstes Engagement als Pflegeeltern gewesen, sagte der Sprecher.

Wagenbrenner schloss nicht aus, dass nach dem Vorfall die Vorschriften für Pflegeeltern verschärft werden könnten. Für konkrete Maßnahmen sei es aber noch zu früh. Die Stadt habe zunächst den Fokus darauf gelegt, verunsicherte Eltern zu informieren und Telefonnummern zusammenzustellen, damit die Stadt auf Anfragen reagieren kann. Derzeit werden nach Angaben der Stadt Würzburg 98 Kinder in Pflegefamilien betreut.

Update, 22. März 2019, 16 Uhr: Polizei auf Mithilfe der Eltern angewiesen

Laut dpa habe es "eine Vielzahl von Berührungspunkten des Beschuldigten mit Kindern gegeben", sagte Schorr. "Es ist eine breite Palette, die wir abklären müssen. Da ist zeitnah nicht mit Ermittlungsergebnissen zu rechnen. Es wird ein enormer Ermittlungsaufwand werden."

Vor einer Befragung von Kindern werde wahrscheinlich erst einmal versucht, anhand des Bild- und Videomaterials nähere Informationen zu bekommen. Es sei auch "sehr die Frage", ob die Befragung von Kindern überhaupt Sinn ergebe. Die gezeigten Kinder seien vielleicht in einem Alter, "in dem eine Zeugenbefragung sich nicht unbedingt anbietet, weil man da wohl keine Information in belastbarer Art erlangen kann", sagte Schorr. "Da sind wir wohl eher auf die Mithilfe von Eltern angewiesen."

Wie viele Mütter und Väter sich bei der am Donnerstag eingerichteten Hotline der Polizei (Telefonnummer 0800/7733744 ) meldeten oder ob dort konkrete Hinweise eingingen, war bei den Beamten nicht zu erfahren.

Update, 22. März 2019, 13 Uhr: Polizei richtet Soko ein

Laut Oberstaatsanwalt Christian Schorr seien umfangreiche Ermittlungen nötig, um die Opfer zu finden. Es handele sich um eine "extrem kniffelige Arbeit". Die Ermittler richteten eine Sonderkommission ein.

Update, 22. März 2019, 10.30 Uhr: Tatverdächtiger befindet sich in Untersuchungshaft

Oberstaatsanwalt Christian Schorr sagte dem Evangelischen Pressedienst auf Anfrage, der beschuldigte Logopäde befinde sich inzwischen in Untersuchungshaft. Es bestehe zudem die "realistische Möglichkeit", dass sein gestern ebenfalls festgenommener und inzwischen wieder freigelassener Lebenspartner von den pädophilen Machenschaften des Mannes nichts gewusst hat.

Schorr sagte, es sei noch vollkommen unklar, wie viel Zeit die Auswertung des kinderpornografischen Materials in Anspruch nehmen werde. Bislang sei allerdings keine große Kooperationsbereitschaft erkennbar. Man könne daher bislang nicht definitiv ausschließen, dass nicht auch Kinder aus der Kita unter den Opfern des Tatverdächtigen sein können. Die Kriminalpolizei Würzburg hat eine Hotline eingerichtet, um Hinweise aus der Bevölkerung entgegen zu nehmen. Von 8 bis 22 Uhr ist diese unter der Telefonnummer 0800/7733744 erreichbar.

Logopäde soll Kinderpornos produziert haben

Den Ermittlern zufolge gibt es "konkretes Beweismaterial" dafür, dass der festgenommene Logopäde, der auch ab und zu in der Kita tätig gewesen sein soll, die Kinderpornos produziert hat. Deshalb gebe es "auch starke Hinweise darauf, dass er selbst am Missbrauch beteiligt war", sagte Schorr. In der Region war der Mann gerade auch unter Kindergarten-Fachkräften für seine Fortbildungen zu bewegter Erziehung (Motopädagogik) bekannt, die er in verschiedenen Einrichtungen in und um Würzburg angeboten hat. Auf seiner Internetseite warb der Beschuldigte, der im Stadtgebiet zwei Praxen für Logopädie betreibt, zum Beispiel mit seinem Kinderturn-Angebot oder für "bewegte Kindergeburtstage in der Erlebnisturnhalle".

Update, 22. März 2019, 09.10 Uhr: Missbrauch vermutlich über mehrere Jahre hinweg

Die Polizei prüft aktuell, ob der Mann selbst Kinder missbrauchte. Die Opfer sind nicht nur in anzüglichen Posen zu sehen. Es geht den Ermittlern zufolge um handfesten Missbrauch. "Wir gehen schon davon aus, dass es ein Geschehen ist, das sich über mehrere Jahre hingezogen hat", sagte Oberstaatsanwalt Christian Schorr.

Update, 22.März 2019, 07.40 Uhr: Verdächtiger war Vereinstrainer bei der DJK Würzburg

Der Hauptverdächtige im Skandal um Kinderpornos im unterfränkischen Würzburg ist Vereinstrainer bei der DJK Würzburg. Dies berichtet der Bayerische Rundfunk. Die Geschäftsführerin der DJK sagte dem BR, dass der Mann Mitglied und Übungsleiter sei. Bisher habe es keinerlei Beschwerden über ihn gegeben. Der Verein habe von der Polizei erfahren, dass gegen ihn ermittelt werde. Die DJK sagte daraufhin vorerst alle Veranstaltungen ab.

"Es stehen alle unter Schock", so die Geschäftsführerin gegenüber dem BR. Jedoch wolle man das Bestmögliche tun, um die Ermittlungen voranzutreiben.

Update, 21. März 2019, 18:44 Uhr: Beamte haben einen ersten Überblick: Dreistellige Zahl an Foto- und Videoaufnahmen

Einer von anfangs zwei Verdächtigen, soll laut der Deutschen-Presse-Agentur nichts von der Herstellung und Verbreitung der Kinderpornos gewusst haben. Ermittler bestätigten dies gegenüber der dpa. Der Mann ist wieder auf freiem Fuß. Der zweite Mann bleibt vorerst hinter Gittern. Die Staatsanwaltschaft beantragte Haftbefehl wegen der Herstellung und Verbreitung von Kinderpornografie. Sie prüft noch, ob der Mann die Kinder selbst missbrauchte.

Nach Recherchen der Deutschen Presse-Agentur war der Verdächtige in verschiedenen Bereichen mit Kindern engagiert. "Es gibt eine Vielzahl von Ermittlungsansätzen, denen wir nachgehen müssen, um die möglichen Opfer zu identifizieren", sagte Oberstaatsanwalt Christian Schorr von der Zentralstelle Cybercrime Bayern bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg am Donnerstag. "Es wird sicher eine aufwendige Ermittlungsarbeit."

Opfer sollen über Beweismaterial identifiziert werden

Die Ermittler setzen auf die sichergestellten Bilder und Videos. Es sei nun zu analysieren: "Was ist da genau zu sehen, und was ist im Hintergrund zu sehen - um die Örtlichkeit genauer zu bestimmen." Auch im Darknet seien Täter allerdings immer vorsichtiger und achteten darauf, dass der Ort der Aufnahmen, Täter und Opfer nicht erkennbar seien. Laut Oberstaatsanwalt Schorr geht es um eine dreistellige Zahl von Foto- und Videoaufnahmen. Die Ermittler wissen aber noch nicht, wie viele Kinder betroffen sind. Es handele sich um "sehr junge Kinder". Mädchen seien nicht dabei.

Auf den sichergestellten Bildern seien auch sexuelle Handlungen zu sehen. Laut Schorr gehen die Ermittler aktuell davon aus, dass es sich um ein mehrjähriges Geschehen gehandelt habe.

In der Kita soll nichts geschehen sein

Am Mittwochabend hatten die Ermittler insgesamt zehn Objekte durchsucht. Spezialeinsatzkräfte und Beamte des Bundeskriminalamtes (BKA) unterstützten die Würzburger Ermittler. In der Kita blieben am Donnerstag die Rollläden geschlossen, obwohl es am Nachmittag teilweise Entwarnung gab: Wahrscheinlich ist dort nichts geschehen.

Ermittlungen im Darknet zu Kinderpornografie hatten nach Würzburg geführt. Dabei handelt es sich um einen abgeschirmten Bereich des Internets, in dem sich viele Kriminelle anonym und sicher vor den Behörden fühlen.

Update 16.30 Uhr: Staatsanwaltschaft will Haftbefehl beantragen

Gegen einen Mann habe sich der Tatverdacht weiter erhärtet, sagte Oberstaatsanwalt Christian Schorr von der Zentralstelle Cybercrime Bayern bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg am Donnerstag. Der Verdächtige soll das Material, auf dem kleine Jungen zu sehen sind, im Darknet verbreitet haben. Ermittler identifizierten einen Internetanschluss, von dem aus selbst hergestellte Bilder und Videos verbreitet wurden. Der Partner hat wohl auch diesen Internetanschluss genutzt, aber überhaupt nichts von den kinderpornografischen Bildern gewusst.

Die Ermittler sind sich sicher, dass das Paar das kinderpornografische Material nicht zusammen hergestellt und verbreitet hat - sondern nur der Partner des stellvertretenden Kita-Leiters. Der Mann ist als Logopäde mit eigener Praxis tätig und bietet etwa in Kooperation mit Sportvereinen auch Kinderturnen an.

Update 14.32 Uhr: Verdächtiger wird Richter vorgeführt

Wie das Polizeipräsidium Unterfranken berichtet, wird einer der beiden Verdächtigen noch am Donnerstag einem Ermittlungsrichter vorgeführt. Der zweite Verdächtige kommt laut den Behörden wieder auf freien Fuß, da sich der Verdacht der Ermittler bisher nicht bestätigt hat. Bei dem Freigelassenen handelt es sich um den Mann, zu dem ein "Bezug" zur Würzburger Kita in Heuchelhof hergestellt werden konnte.

Skandal in Würzburg: Polizei durchsucht Kita

Die zuständigen Ermittler prüfen derzeit, ob es lediglich einer der Festgenommenen oder beide beteiligt waren:"Letztlich muss erst mal abgeklärt werden: Liegt eine gemeinschaftliche Handlung vor oder war es nur einer von beiden - was nach bisherigen Erkenntnissen als möglich und wahrscheinlich erscheint", so Oberstaatsanwalt Christian Schnorr (Zentralstelle Cybercrime Bayern) gegenüber der dem Evangelischen-Presse-Dienst am Mittag.

Kinderpornos: Männer sollen Material im Darknet verbreitet haben

Den Männern wird vorgeworfen, die Kinderpornos erstellt und anschließend im Darknet verbreitet zu haben. Dies teilten das Polizeipräsidium Unterfranken, die Generalstaatsanwaltschaft Bamberg und die Zentralstelle Cybercrime mit. Den Ermittlern zu folge, handelt es sich um eine dreistellige Zahl von Foto- und Videoaufnahmen von Kindern. Jedoch sei derzeit noch offen, wie viele Kinder davon betroffen sind, so Schnorr. "Jetzt muss man im Einzelnen sehen: Welche Bilder gehören zusammen" - möglicherweise in einer Art Serie.

Bei dem Kindergarten handelt es sich um eine integrative Einrichtung, die ihren Fokus auf Kinder mit einer Behinderung hat. Der Träger der integrativen Kindertagesstätte, die Evangelische Gethsemanegemeinde Würzburg, wollte sich auf Nachfrage zu den Vorfällen nicht weiter äußern.

Würzburg: Durchsuchung mehrerer Objekte

Die Ermittler haben bereits am Mittwoch zahlreiche Objekte in Würzburg durchsucht. Die Kriminalpolizei Würzburg, Staatsanwälte der Zentralstelle Cybercrime, die Bereitschaftspolizei, Beamte des Bundeskriminalamtes, Polizisten aus Cloppenburg/Vechta sowie ein Spezialeinsatzkommando waren an den Durchsuchungen beteiligt.

Nach derzeitigem Stand der Ermittlungen zeigt das kinderpornografische Material ausschließlich männlich Opfer. In den Polizeiermittlungen ergab sich ein "Bezug" eines Verdächtigen zur Kita in Würzburg-Heuchelhof. Daraufhin habe man die Kindertagesstätte durchsucht und die Kita-Leitung informiert. Die Beamten der Polizei standen den Eltern "höchstvorsorglich" als Ansprechpartner zur Verfügung.

Oberstaatsanwalt Schnorr sagte gegenüber der Deutschen-Presse-Agentur ebenfalls, dass es derzeit keine konkreten Hinweise gebe, "dass tatsächlich Kinder dieser Kita betroffen" seien, gebe. Deshalb gebe es aus polizeilicher Sicht keinen Anlass, die Kindertagesstätte zu schließen.

Eltern empört: Vater wählt drastische Worte

Im Interview mit der Agentur News5 wählte ein Vater am Donnerstag drastische Worte, um seine Gefühlslage zu beschreiben. Auf die Frage hin, was er über den Mann denke, antwortete er: "Besser, ich sage nichts. Wenn ich diesen Mann finde und er macht mit meiner Tochter etwas, ich töte ihn. Für uns ist das katastrophal."

Im weiteren Verlauf des Gesprächs erzählte der Vater, dass seine Tochter jeden Tag in diesen Kindergarten gehe. Er könne nicht verstehen, wie man so etwas machen könne, Kinderpornografie ins Internet zu stellen, so der Vater - "es ist einfach unglaublich."

Die Kriminalpolizei Würzburg bittet die Bevölkerung um Mithilfe. Hinweise werden unter 0800/7733744 entgegen genommen.

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