Er sagt, es habe ihm sehr viel Spaß gemacht. Aurélien Becquet beantwortet im großen Sitzungssaal des Bezirks Unterfranken in Würzburg die Fragen anwesender Journalisten. Der 23-Jährige sitzt an der Stirnseite, dort wo üblicherweise während der Bezirkstagssitzungen der Präsident und die Spitze der Verwaltung Platz nehmen. Ein ganzes Jahr lang hat er im Partnerschaftsreferat des Bezirks Unterfranken mitgearbeitet. Die Franken und Deutschland kennengelernt. Wie sie leben, wie sie arbeiten.

Das Resümee des jungen Franzosen: Vorsicht mit Vorurteilen! Deutsche Pünktlichkeit, Genauigkeit, Präzision - alles gar nicht so schlimm, wie jenseits des Rheins immer wieder kolportiert. Auch die Deutschen, speziell die Franken, wüssten zu leben. Defizite gibt es natürlich - aus französischer Sicht. Beim Käse zum Beispiel. Da sei die französische Qualität und Vielfalt unerreicht. Daheim im Calvados gebe es immer eine ganze Reihe von Käsesorten im Kühlschrank. Erklärt Aurélien in seinem durchaus verständlichen, aber immer noch französisch geprägten Deutsch. Auch beim Rotwein könnten die Franken nicht mit den Franzosen mithalten, so der junge Mann freimütig. Und handelt sich prompt mit Blick auf das fränkische Rotweinzentrum um Bürgstadt kritische Anmerkungen ein. Immerhin, Aurélien ist ehrlich. Dazu gehört auch der Hinweis, dass er den fränkischen Silvaner inzwischen durchaus zu schätzen gelernt hat. Den und die fränkischen Bratwürste, mit denen sich zwischenzeitliche fränkische Käsedefizite offenbar gut kompensieren ließen.

Dolmetscher für junge Franzosen

Natürlich, das deutsch-französische Verhältnis durfte nicht nur auf Kulinarisches reduziert werden. Was er denn in dem Jahr beim Bezirk arbeiten musste, interessierte die Runde. Bei einem Musik-Workshop in Hammelburg sei er dabei gewesen, erzählt er begeistert. Konnte sich dabei überwiegend als Dolmetscher für eine Gruppe junger französischer Musiker bewähren.

Dazu betätigte er sich einige Monate als "Sprachanimateur", wie er es bezeichnete. Besuchte 22 Schulen, zumeist Realschulen oder Gymnasien im Bezirk, und warb für die französische Sprache als Schulfach. Durchaus mit Erfolg, wie er nicht ohne Stolz berichtet. Nach seinen Besuchen hätten drei mal mehr Schüler Französisch als Fremdsprache gewählt. Da hat sich sein Einsatz schon gelohnt. Auch finanziell?

Wohl eher nicht. Als europäischer Freiwilliger erhielt er nur ein Taschengeld. 110 Euro, plus Kost und Logis. Auch die Reisekosten übernahm der Bezirk. Nichts zum Reichwerden, aber die ideale Basis, um beim europäischen Nachbarn Erfahrungen zu sammeln. Land und Leute besser kennen zu lernen. Auch um zu sehen, was anders ist im Vergleich mit dem französischen Caen, wo Aurélien aufgewachsen ist. Im Gegensatz zu Frankreich würde den jungen Leuten in Deutschland mehr zugetraut, dürften sie eher Verantwortung übernehmen, so sein Eindruck. Das ist nicht der einzige Unterschied.

Von der Mülltrennung beeindruckt

Aurélien, der vor seinem Freiwilligenjahr in Würzburg zwei Semester Biologie studierte, zeigt sich auch beeindruckt von der in Deutschland praktizierten Mülltrennung. In ökologischer Hinsicht eine tolle Sache. Da könne man in seiner Heimat noch viel lernen. Wie es mit ihm nun weitergehe, wurde gefragt. Was er beruflich für Pläne habe. So ganz genau weiß der 23-Jährige das noch nicht. Zunächst geht es zurück nach Frankreich. Biologie will er nicht unbedingt weiterstudieren. Berufliche Perspektiven gebe es da meist nur in Labors. Und diese Arbeit schätzt er weniger. Er möchte mehr mit Menschen in Kontakt kommen, möchte seine sprachlichen Möglichkeiten nutzen. Und dann hofft er, dass seine deutsche Freundin, die er im Calvados kennengelernt hat und die derzeit in Würzburg arbeitet, auch wieder den Weg zurück nach Frankreich findet.

Franken und Würzburg, das hat ihn schon geprägt, bekennt er. Die Sauberkeit der Stadt habe er schätzen gelernt. Aber auch die Weinfeste, die es in der Form im Calvados nicht gibt.