Entweder Mario W. ist ein simpler Dealer mit einer blühenden Fantasie - oder der ehemalige V-Mann des Landeskriminalamtes (LKA) hatte gegen Recht und Gesetz zeitweise Narrenfreiheit, um kriminelle Rocker der Gruppe "Bandidos" zu bespitzeln. Das ist die Kernfrage im gerade begonnenen Prozess vor dem Landgericht Würzburg.

Dabei geht es eigentlich nur noch darum, das Strafmaß von fast sieben Jahren für den Ex-Bandido und Ex-Spitzel zu korrigieren, der 2011 bei der Einfuhr von zehn Gramm Crystal Meth aus Tschechien erwischt worden war. Der Bundesgerichtshof hielt die Strafe für unfair.


Verdeckte Operationen

Doch Mario W. (der mit Kappe und Sonnenbrille getarnt erschien) und vier Anwälte um Wahlverteidiger Alexander Schmidtgall scheinen wild entschlossen, das Verfahren mit 17 Beweisanträgen zu einem öffentlichen Forum über die Ermittlungsmethoden des LKA zu machen.

Im Raum steht der Vorwurf, dass Beamte einer verdeckt operierenden Einheit gegen das Organisierte Verbrechen bei Verbrechen des Spitzels weggeschaut oder sie sogar gefördert haben, solange er ihnen Nachrichten aus dem Innenleben der "Bandidos" brachte. Dies hatten 2013 drei LKA-Beamte im Zeugenstand des ersten Prozesses gegen den V-Mann bestritten.

Das Interesse an dem Prozess ist groß, seit interne Ermittlungen gegen die drei Beamten und drei weitere LKA-Mitarbeiter den Verdacht nähren, dass sie vor Gericht und bei einer Befragung durch das Innenministerium gelogen und Akten frisiert haben könnten. Heikel ist die Rolle von Innenstaatssekretär Gerhard Eck. Der musste 2013 dem Landtag Rede und Antwort stehen und hatte - vom LKA präpariert - über Art und Umfang des V-Mann-Einsatzes berichtet. Seine Aussagen über den Einsatz des Spitzels bei der Drogenbekämpfung widersprachen denen des V-Mann-Führers vom LKA - der Ehemann einer aufstrebenden CSU-Politikerin in Ecks CSU-Verband Unterfranken ist. Der Landtag drängt vehement auf Aufklärung.

Ein Zwischenbericht über belastende Funde der internen Ermittler im LKA sorgt bereits seit einer Woche in den Medien für Wirbel. Dem Gericht lag er aber bisher nicht vor.

Der 48-jährige Angeklagte baut jetzt darauf und auf eine neue Version seines Drogenschmuggels: Angeblich wollte ein Teil der Regensburger "Bandidos" zur konkurrierenden Bande der "Hells Angels" überlaufen. Mario W. will den Auftrag bekommen haben, die Drogen für ein konspiratives Treffen zu besorgen. Darauf sei das LKA so "heiß" gewesen, dass es ihm erlaubt habe, das Rauschgift zu besorgen.
Das sollen Emails und Abrechnungen über den Spitzel-Einsatz belegen, widerspricht aber seiner früheren Aussage, er habe ohne Wissen seines V-Mann-Führers gehandelt.

Das Gericht hat weitere Prozesstage bis in den Januar eingeplant. Ob LKA-Beamte erneut in Würzburg in den Zeugenstand müssen? Diesmal dürfen sie die Aussage völlig verweigern - da ja gegen sie ermittelt wird. Manfred Schweidler