Nirgendwo in Deutschland stehen Autofahrer so lange im Stau wie in der bayerischen Landeshauptstadt. 49 Stunden waren es laut einer am Dienstag veröffentlichten Studie des Verkehrsdatenanbieters Inrix im vergangenen Jahr. Damit ist München deutsche Stau-Hauptstadt vor Heilbronn, Köln und Stuttgart mit jeweils 46 Stunden.

Es ist nach Angaben eines Firmensprechers das erste Mal, dass München an der Spitze dieser Statistik steht. In den vergangenen Jahren hatten sich Stuttgart und Köln als Träger des zweifelhaften Titels abgewechselt. Das stärkste Verkehrsaufkommen Deutschlands gab es laut Studie in München innerhalb des Mittleren Rings, die verkehrsreichste Straße war demnach abends die Hohenzollernstraße Richtung Westen.

Im vergangenen Jahr lag Stuttgart noch mit 73 Stunden vor Karlsruhe und München. Dass in diesem Jahr andere Zahlen und Platzierungen herausgekommen sind, führt Inrix auf eine neue Methodik bei der Erhebung zurück. Die Zahlen aus den vergangenen Jahren seien zwar nicht falsch, sagte ein Sprecher. Inzwischen seien aber bessere Messinstrumente verfügbar. Inrix hat nach eigenen Angaben Daten aus 300 Millionen unterschiedlichen Quellen ausgewertet.

Insgesamt analysierte Inrix 62 deutsche Städte und große Ballungsräume. Die Kosten, die Staus für alle Autofahrer direkt und indirekt verursachten, beliefen sich den Angaben zufolge auf 69 Milliarden Euro - das sind rein rechnerisch 1531 Euro für jeden Fahrer. Die Kosten pro Autofahrer sind in Deutschland laut Inrix etwa ein Drittel höher als in den USA oder Großbritannien.

In Franken führt die Region Würzburg die Staustatistik an. Im Schnitt standen im vergangenen Jahr Pendler dort 34 Stunden lang im Stau.


So will Nürnberg das Stauchaos auf dem Frankenschnellweg lösen

Auch Frankens größte Stadt hat ein Verkehrsproblem. Dort standen im Jahr 2016 Autofahrer 28 Stunden im Stau - das bedeutet Platz drei in Bayern. Vor allem ein Verkehrsknotenpunkt kostet Nerven: der Frankenschnellweg, der sogar noch von Ampeln ausgebremst wird. 200.000 Fahrzeuge quetschen sich dort täglich durch.

Seit Jahrzehnten streiten Politik und Naturschützer darüber, wie dieser Brennpunkt am besten entschärft werden kann. Um einer Gerichtsentscheidung zuvorzukommen, hatte die Stadt Nürnberg bereits 2015 beschlossen, eine Umweltverträglichkeitsprüfung in Auftrag zu geben. Um so den kreuzungsfreien Ausbau der im Stadtzentrum unterbrochenen Autobahn A73 auf den Weg zu bringen.

Das Projekt umfasst unter anderem einen 1,8 Kilometer langen Tunnel, neue Lärmschutzwände und eine Grünanlage. Der Bund Naturschutz und vier Privatleute hatten aber gegen den Ausbau geklagt. Mindestens 450 Millionen Euro soll das Projekt kosten, der Freistaat übernimmt 90 Prozent davon. Sogar den Umweltschützern ist die Stadt weitestgehend entgegengekommen. So würde maximal Tempo 60 auf der A 73 durchs Stadtgebiet gelten, ein Verkehrsleitsystem eingerichtet, das schwere Lkw um Nürnberg herum führt, und die Stadt würde mehr für Radwege und öffentlichen Nahverkehr ausgeben. Doch das reicht den Kritikern nicht, die fordern nun nochmals 100 Millionen Euro - unter anderem für besseren Lärmschutz. Der ewige Streit um den Ausbau des Frankenschnellwegs ist wohl noch lange nicht vorbei.


Die neue Messmethode: Traffic Scorecard 2016

Bei der 2016 Traffic Scorecard kommt eine neue Methodik zum Einsatz, Inrix berechnet den Prozentanteil der Zeit, die Fahrer in Staus verbringen - zu verschiedenen Tages- und Wochenzeiten und auf verschiedenen Strecken. Das ermöglicht einen ganzheitlicheren Blick auf die Stausituation von Städten.

Die Reihenfolge der Städte wurde anhand der Stundenzahl bestimmt, die ein durchschnittlicher Fahrer im Stau verbringt, und zusätzlich anhand der staugefährdetsten Tageszeit, in der die meisten Fahrer betroffen waren.

Es wurde eine wirtschaftliche Analyse der Gesamtkosten durchgeführt, die Staus für Autofahrer und Städte durchschnittlich verursachen. Dabei wurden direkte, durch Verschwendung von Zeit und Benzin entstehende Kosten berücksichtigt, aber auch indirekte Kosten, die Unternehmen entstehen und die sie an Haushalte in Form von höheren Preisen weitergeben. mit dpa