Er hatte Handys in ein Aschaffenburger Gefängnis geschmuggelt - dafür ist ein 27 Jahre alter Justizbeamter am Dienstag wegen Bestechlichkeit zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt worden. Einen mitangeklagten Kollegen sprach das Amtsgericht Aschaffenburg frei. Ihm seien die Taten nicht nachzuweisen gewesen.


Im Gegenzug ließ er sich mit Marihuana bezahlen

Im Fall des 27-Jährigen sah es das Gericht als erwiesen an, dass er Strafgefangene gegen Marihuana mit Handys versorgte. Dazu sollten ihre Angehörigen Pakete mit den Mobiltelefonen neben Mülltonnen der Haftanstalt ablegen - ein Bereich, der nicht mit Kameras überwacht war. Der 27-Jährige sorgte dafür, dass die Pakete in die Haftanstalt eingeschleust wurden, indem er die Augen zudrückte, als ein Häftling beim Abfallentsorgen die Päckchen mit ins Gefängnisinnere nahm. Ermittler fanden in den Zellen des Gefängnisses insgesamt 43 Handys, die auf diese Weise hinein gelangt sein sollen.


Ein Kollege des Angeklagten wurde freigesprochen

Nach Ansicht des Gerichts gibt es zwar Anhaltspunkte dafür, dass auch der 46 Jahre alte Kollege des Verurteilten die Schmuggelaktionen beobachtet hatte und dafür ebenfalls von Häftlingen bestochen worden war. "Im Rahmen der Beweisaufnahme gab es aber keinen Zeugen, der das beobachtet hat", begründete der vorsitzende Richter den Freispruch für den 46-Jährigen.

Trotzdem hielt das Gericht auch ihn für eine weitere Beschäftigung im Justizdienst für ungeeignet. Er habe das in die Beamten gesetzte Vertrauen verletzt. Die Entscheidung darüber liegt bei Gefängnisleitung und Justizministerium.

Mit dem verhängten Strafmaß folgte das Gericht den Forderungen der Verteidiger der beiden Angeklagten. Die Staatsanwaltschaft hatte dagegen mehrjährige Haftstrafen verlangt.


Hintergrund: Schmuggel in deutschen Gefängnissen

Dass Gefängnisbeamte Handys oder Drogen in Haftanstalten schmuggeln, kommt nach Angaben des bayerischen Justizministeriums nur in Einzelfällen vor. Genaue Zahlen erhebt das Ministerium eigenen Angaben zufolge aber nicht - oder will sie nicht herausgeben. Anton Bachl, Bundesvorsitzender der Strafvollzugsgewerkschaft BSBD, spricht von ein bis zwei Fällen im Jahr in Bayern.

Dass das Ministerium keine genauen Zahlen haben will, bezeichnet er als "unglaubhaft" - in den Gefängnissen würden die Vorfälle sehr wohl gezählt. Häufiger kommt es nach Aussagen von Bachl vor, dass Besucher oder Kriminelle von außen unerlaubte Dinge in Gefängnisse schmuggeln. Auch das sei aber nicht unbedingt in Bayern, sondern vor allem in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern ein Problem.

Prominente Fälle von Haftschmuggel wurden in der Vergangenheit auch in Hessen bekannt. Dort schmuggelten Kriminelle mit fingierter Anwaltspost Drogen in zwei Gefängnisse. Außerdem ließen Besucher Drogen in Kaffeebecher fallen - die Häftlinge tranken dann den Kaffee mit dem Stoff. Im größten deutschen Männergefängnis in Berlin-Tegel wurden bei Häftlingen in mehreren Jahren mehrere Kilogramm Drogen, Waffen und fast 4000 Mobiltelefone entdeckt. Zudem wurden 2010 bei einem Häftling auf mehreren eingeschmuggelten Handys mehrere Tausend kinderpornografische Bilder gefunden.