Die Botschaft in der Anfangsphase des Konzerts ist unmissverständlich: "Wir kommen in Frieden!" ruft Sänger Michael Klimas den Fans zu und erntet frenetischen Beifall. Damit schaffen die Söhne Mannheims Klarheit: Heute Abend stehen Diskussionen und Interpretationen um einen umstrittenen Songtext im Abseits. Kein Hauch von Politik! Nur Musik beherrscht die nächsten 150 Minuten der "MannHeim zu Dir - Tour 2017", mit der die Instrumentalisten und Sänger vom Rhein das tanzfreudige Publikum in der Würzburger Posthalle begeistern.

Die Söhne Mannheims bieten die gewohnt bunte Mischung unterschiedlicher Pop-Stilrichtungen, mit der sie über 20 Jahren Erfolge feiern. Die 13-köpfige Crew präsentiert sich den rund 2100 Besuchern als illustre Truppe, die in ihrer musikalischen Vielfalt ungemein homogen wirkt. Die Besetzung an den beiden Keyboards, an Schlagzeug, E-Gitarre und E-Bass wechseln im Lauf der Tournee. Sicher auszumachen waren Florian Sitzmann am Tasteninstrument, Jonny König als Drummer, Edward Maclean mit dem E-Bass und Billy Davis als DJ am TurnTable. Als exzellente Instrumentalisten ergänzen sie sich und kreieren einen Sound, der die Füße unruhig macht und den Körper zum Mitswingen animiert.


Gute-Laune-Song zu Beginn

Mit einem sonnigen "Guten Morgen", einem Gute-Laune-Song von der neuen CD "MannHeim" weckt die wuselige Band die teilweise noch auf Stand-By gepolten Fans. Dann donnert "Lieder drüber singen" mit massiver Wucht ins Gehör. Mit dem getragenen "Vielleicht" erinnern die voller Spiellaune steckenden Jungs an die 2004er CD "Noiz" und daran, dass sie keine Scheu vor sanften Tönen haben.

Ihre friedliche Gesinnung unterstreichen sie mit einem Arrangement von "Iz on", das mit seinem x-mal wiederholten Refrain dem Publikum unter die Haut geht.

Neu im Repertoire und von Xavier Naidoo angestimmt schleicht sich "Frühling" wie ein laues Lüftchen auf die Bühne. Zwei andere Sänger mischen sich ein und es entwickelt sich ein geradezu poetischer Dialog über den Reiz dieser Jahreszeit. Ebenfalls von beeindruckender Mehrstimmigkeit getragen schließt sich "Wie lange" an, ein zartes, melodiöses Liebeslied.


Klare Botschaften in den Liedern

"Nicht, dass ihr denkt, dass wir nur Schmuselieder singen!" Mit diesen Worten kündigt Sänger Henning Wehland mehr "Gas" an und stellt mit "Komm" Heim" unter Beweis, dass auch die forschen Töne durchaus ins Metier der Band passen. Als Leitstimmen wechseln sich Xavier Naidoo, Tino Oac, Rolf Stahlhofen und Dominic Sanz ab, überschneiden sich und finden in ansprechenden Melodien zueinander: "Kinder, hier läuft was schief" weist gewitzt auf missliche gesellschaftliche Entwicklungen hin und hinter "Hört hier eigentlich jemand zu" versteckt sich ein fordernder Appell gegen die Mentalität des Wegschauens. Auch in neuem musikalischen Gewand hat "Geh davon aus" nach 17 Jahren nichts von seiner Eindringlichkeit verloren: die Fans schwenken die Arme und singen enthusiastisch mit!

Eine Steigerung ist nur möglich, wenn die ausgelassene Band ihr Lied anstimmt: "Hier kommen die Söhne Mannheims" donnert als abschließende Hymne durch die Halle - von Ende der Gaudi aber keine Spur! Im üppigen Zugaben-Block ist "Und wenn ein Lied" bei weitem nicht der letzte Titel, aber sicher der berührendste.


Alles gut also? Nicht wirklich

Die bundesweite Diskussion um das von Xavier Naidoo mitgetestete Lied "Marionetten" mit rechtspopulistischen Tendenzen vergessen? Nicht wirklich - auch wenn der Song nicht Teil des Tourprogramms ist, aus musikalischen Gründen, wie die dpa meldete. In Rosenheim wird weiterhin darüber diskutiert, ob man einen Naidoo-Auftritt am 20. Juli absagen soll. Und in Würzburg werfen ein paar junge Erwachsene mit Aluhüten auf dem Kopf den wartenden Fans an der Posthalle vor, Reichsbürger zu sein.

Auf die Nachfrage, warum sie sich heute hier versammelt haben, wollten die Demonstranten allerdings keine Antwort geben. Mit der "Lügenpresse" spreche man nicht, stattdessen mache man sich lieber noch einmal eine Flasche Bier auf. Nach den vorherigen Wallungen also eher ein Demonstratiönchen, nicht mehr.

Drinnen herrscht dafür umso mehr Einigkeit. "Danke, dass ihr uns zuhört", rufen die Söhne ihren Zuschauern immer wieder zu. Es sei nicht mehr selbstverständlich, dass einem jemand von Anfang bis Ende zuhört. Sind die Musiker einfach nur missverstanden worden? Genauer geht niemand an diesem Abend auf die Vorwürfe ein. In den Zwischenansagen wird dennoch deutlich, dass der Meidenrummel und die Kritik der vergangenen Tage nicht spurlos an ihnen vorbeigegangen ist. "Ich kann euch gar nicht sagen, wie oft sich Glück und Traurigkeit gerade jeden Tag abwechseln", gibt Henning Wehland einen Einblick in seine Gefühlswelt. Man spreche in der Band viel miteinander, sei auch nicht immer einer Meinung. Nur bei einer Sache, da seien sich alle musikalischen Mannheimer Männer einig: "One Love" rufen sie immer wieder von der Bühne. Ihre Fans formen mit den Händen Herzen. Für diese zweieinhalb Stunden sind sie dem Medienrummel entkommen.

Von Reinhard Glaab