Seit vier Wochen steht das Leben von Andreas Kümmert Kopf. Und das, obwohl der 27-Jährige genau das macht, was er in den vergangenen sieben Jahren auch getan hat: Er macht Musik. Nur ist er jetzt nicht mehr einfach nur Musiker, sondern zudem noch Kandidat der Castingshow The Voice of Germany.

Und das auch noch sehr erfolgreich: Am Donnerstag konnte sich der Unterfranke im Zweikampf mit seiner Teamkollegin Janine Hecht aus Erding durchsetzen und darf nun auf den Einzug in die Live-Shows hoffen. Übrigens ist auch Janine weiterhin im Rennen: Erstmals können in dieser Staffel nach einem Battle die übrigen Coaches für das ausgeschiedene Talent buzzern und ihn oder sie so in ihr Team holen. Und für Janine buzzerten gleich zwei: Nena und Boss Hoss. Janine entschied sich für Boss Hoss und ist dadurch ab sofort im Team Boss Hoss.

Sein Coach und Mentor Max Herre (Freundeskreis) hatte Andreas und Janine als Battle-Song "To Love Somebody" von den Bee Gees vorgegeben. Ein Song, den Andreas bis dato noch nicht einmal gekannt hatte. Schließlich war seine erste eigene Band auch ein Punkrock-Projekt. "Max wollte erst, dass wir den Song in einer Akustik-Version singen", erzählt Andreas, "letztendlich wurde es dann aber doch eine souligere Variante der Originalversion."

Partner statt Konkurrenten

Mit seiner Gegnerin Janine hat sich Andreas von Anfang an gut verstanden: "Wir waren schon eher Partner als Konkurrenten." Dabei weiß Andreas als erfahrener Musiker nur zu gut, dass es nicht so einfach ist, ein Duett zu singen. "Es muss einfach passen. Wenn man da den anderen Musiker nicht kennt, kann das schwierig sein." Doch mit Janine war das offensichtlich kein Problem: "Es war interessant, mit ihr zu arbeiten, und eigentlich hatte ich nicht das Gefühl, viel machen zu müssen", sagt Andreas und lacht.

Seit Andreas vor vier Wochen erstmals im Fernsehen zu sehen war, hat sich für ihn einiges geändert. Von seiner persönlichen Einstellung her zwar nicht, wie der Unterfranke betont, aber um ihn herum ist fast nichts mehr wie zuvor. Auf seiner Facebook-Seite hat sich die Anzahl seiner Fans verzehnfacht, zu seinen Konzerten kommen mehr Zuschauer und er erhält auch mehr Buchungsanfragen. "Eigentlich mache ich das Gleiche wie immer, nur die Orte verändern sich", erzählt Andreas. "Ich kann jetzt an Locations auftreten, von denen ich bisher nur träumen konnte." Orte wie die Posthalle in Würzburg. Die fasst bis zu 4000 Zuschauer. Wenn Andreas bisher aufgetreten ist, waren eher 50 bis 200 Menschen im Publikum. So richtig fassen kann Andreas das alles noch nicht. "Da sieht man mal wieder, wie groß die Macht der Medien ist."

Andreas wurde auch schon auf der Straße erkannt. "Manche sprechen dich an, andere gucken nur, grinsen dämlich und fangen dann an zu tuscheln. Allerdings bringt dann keiner deinen Namen zustande, die sagen dann nur, ,du bist doch der von The Voice'", erzählt Andreas. "Ich finde das ja schon witzig, wie das so funktioniert: die Leute erinnern sich an dein Gesicht, aber statt deines Namens merken sie sich die Show."

Bleibt der Casting-Stempel?

Hat er keine Angst, dass dieser Effekt bleiben könnte und er in seiner weiteren Musikerlaufbahn auf die Teilnahme an einer Fernsehshow reduziert werden könnte? "Natürlich werde ich für manche immer der aus der Show bleiben, aber das macht nichts. Auch die Anzahl meiner Fans wird wieder sinken, wenn die Show um ist, aber ich werde mich über die freuen, die trotzdem bleiben." Andreas ist überzeugt: "Der Hype um uns als Kandidaten wird vergehen. Ich hoffe einfach, dass die, die meine Musik mögen, mich so als Künstler zu schätzen lernen - unabhängig von der Show."

Übrigens hatte Andreas selbst bisher kaum Zeit, sich die Voice-Sendungen im Fernsehen anzuschauen. "Ich hatte da selbst immer Termine oder Auftritte, konnte mir also außer meinem eigenen Auftritt nicht viel ansehen", gesteht Andreas. "Aber ich habe mir trotzdem viele Auftritte der anderen Kandidaten bei Youtube angesehen."

Seinen Wunsch-Coach Max Herre lobt Andreas übrigens in den höchsten Tönen: "Max hat mir bisher viel Freiraum gelassen, ich habe auch kaum Kritik bekommen, nehme aber natürlich jeden Rat gerne an. Und Max ist wirklich total bodenständig, hat sich hochgearbeitet und begegnet uns immer auf Augenhöhe. Er hat überhaupt keine Starallüren, macht mit uns Witze und ist wie ein guter Freund." Seine eigenen Songs hat Andreas Max Herre bisher aber noch nicht vorgespielt, um sich seine Meinung dazu anzuhören. "Er hat mich nicht danach gefragt, und ich fand es zu aufdringlich, ihn darauf anzusprechen."

Letzte Entscheidung vor den Liveshows

Noch sind auch eigene Songs nicht gefragt. Nach den Battles muss sich Andreas jetzt noch im Showdown gegen einen weiteren Teamkollegen behaupten. Und hier wird jeder Kandidat mit seinem Lieblingssong antreten. Wer dann als Sieger hervorgeht, darf sein Können in den Liveshows beweisen. Und spätestens dann sollte sich Max Herre für die Songs von Andreas interessieren.

Ob sich Andreas schon Gedanken über die Liveshows gemacht hat? Immerhin entscheidet ab diesem Punkt das Fernsehpublikum mit darüber, wer weiterkommt und wer gehen muss. Und Andreas ist, wie er selbst bei seinem ersten TV-Auftritt treffend bemerkt hat "nicht der Boygroup-Typ, für den kleine Mädchen anrufen". Wer also ist die Zielgruppe, die Andreas erreichen will? "Ich denke, die Menschen, die für mich anrufen würden, sind bodenständige Menschen, die sich ihre eigene Meinung bilden. Es ist aber auch interessant, wie die Masse funktioniert: Bei schönen Kandidaten scheint man nicht über den Charakter der Menschen nachdenken zu müssen."

Ob es Andreas tatsächlich in die Liveshows schafft, wird sich im Showdown zeigen. Die Sendungen werden am 21., 22. und 28. November, jeweils um 20.15 Uhr ausgestrahlt. The Voice of Germany läuft immer donnerstags auf ProSieben und freitags auf Sat.1.