Das Geld liegt bei Geldersheim zwar nicht auf der Straße, aber doch ziemlich reichlich im Acker. Man muss es nur finden. Die Zuckerrüben sind abgeerntet - beste Gelegenheit für die Sondengänger Lance Goolsby, Bernd Rottmann und Ryan Joule, das Feld mit ihren Metalldetektoren abzugehen. Nummer vier im Team, Daniel Ainsworth, ist an diesem Tag verhindert.

An der Straße zwischen dem südlichen Ortsausgang und der Deponie Rothmühle stapeln sich die Rüben. Die Ernte der drei Hobbyschatzsucher ist nicht ganz so üppig. Auch wenn die Erde an sich zum "Sondeln" passt, nicht zu nass, nicht zu hart ist. Die Hochspannungsleitung sorgt allerdings für ein permanentes Störsignal im Detektor.

Das Magnetfeld am Kopf des Minensuchgeräts reagiert auf Metallteile im Boden. Über einer Furche erklingt ein Brummen. Lance Goolsby scheint nicht zufrieden: "Ein tiefer Ton ist Eisen."

Wahrscheinlich liegt da unten nur der Rest einer landwirtschaftlichen Maschine. "Vielleicht ein Nagel." Ein paar Meter weiter werden die Geräusche heller: So klingt Messing. Lance Goolsby gräbt mit einem Messer nach. Zum Vorschein kommt ein ausgefranster Metallschnipsel. "Der Splitter einer Flakgranate", sagt der ehemalige US-Soldat. Auch so etwas ist ein eher unerwünschter "Beifang". Bei den Luftkämpfen des letzten Weltkriegs sind die Geschosse in Mengen am Himmel über Schweinfurt detoniert.

Mitsucher Bernd Rottmann hat etwas gefunden: Eine kleine Scheibe mit einer altertümlich geformten 19 (oder 61?) darauf. Ein Uniformknopf? Neuzugang Ryan hat weniger Glück: Sein Bundeswehr-Detektor, ein Einsteigermodell, findet erst einmal nichts.

"Es ist wie beim Angeln", sagen die Jäger verlorener Mini-Schätze: Manchmal ist was am Haken, an manchen Tagen beißt nichts an. Als Infanterist war Goolsby mehrere Jahre am Main stationiert. Der Veteran ist geblieben, seiner Frau wegen. In den Jahren als GI ist er viel herumgekommen, hat die Bürgerkriegs-Gräuel auf dem Balkan miterlebt und im Norden des Irak gekämpft. Die Suche nach historischen Relikten ist für den Familienvater, der für einen Industriezulieferer arbeitet, eine Art Therapie. In Feld und Flur ist er allein mit dem zirpenden, brummenden Singsang des Sensors. Beste Gelegenheit, den Kopf frei zu bekommen.

Inspiriert wurde er 2012 von "Diggers", eine amerikanische Reality-TV-Serie, in der sich Hobby-Archäologen auf die Suche nach Überbleibseln der Vergangenheit machen. Der 46-Jährige stammt aus Seattle. Von Franken, wo einige Dörfer schon seit der Steinzeit bestehen, ist er fasziniert. Die reichhaltige Geschichte seiner Wahlheimat will er buchstäblich den Einheimischen zurückgeben, ins Dorfmuseum etwa, wenn ein Fund historisch wertvoll sein sollte. Der materielle Wert ist in der Regel gering: Der Weg über die Äcker, das Finden und Begutachten eines Stückchens Vergangenheit sind das Ziel.

"Wir sind keine Raubgräber", betont Lance Goolsby , auch wenn seine Truppe schon mal irrtümlich als solche vertrieben wurde und es in der Szene durchaus schwarze Schafe gibt. Von kartierten Bodendenkmälern halten sie sich fern, auf den Acker geht es nur mit Erlaubnis des Landwirts. Bearbeitete Felder sind wie Riffe am Rand des Zeitstroms: Wo anderswo Überbleibsel in die Tiefe sinken, wird die Erde immer wieder aufgewühlt und manch Metallstück oben gehalten.

International gehört Lance Goolsby zu "Global Detection Adventures", eine Vereinigung von Enthusiasten der Metall-Detektion, wo man Youtube-Videos ins Netz stellt oder sich bei der Zuordnung der Funde hilft. "Wir könnten ein Werkzeug für die Archäologen sein", findet Filmemacher Lance.

Ein paar Münzen findet das Trio dann doch, aus den 30er-Jahren, ebenso die alte Schrotkugel eines Jägers oder den Nagel eines Fuhrwerks. Bernd Rottmann legt einen Pfennig aus dem Kaiserreich frei, Prägejahr 1906. Wie überhaupt viel Kleingeld auf den Feldern liegt: Laut gängiger Theorie, weil früher der Abfall eines Dorfes als Dünger auf den Acker entsorgt worden ist, inklusive Viehdung, dem Inhalt der Sickergruben, und allem, was sonst noch so zusammenkam. Die älteste Kleinmünze, die Goolsby gefunden hat, stammt aus dem Jahr 1535.

Einmal ist der Sondengänger auf eine rostige Panzerfaust gestoßen und hat die Polizei informiert: Zum Glück nur eine Übungswaffe. Ansonsten sind die Metalldetektoren auch anderweitig einsetzbar: "Wenn jemand seinen Ehering oder Geldbeutel vermisst, kann er uns gerne kontaktieren", sagt Bernd Rottmann, Lance Goolsby ist online präsent.

Dann wäre da noch der kleine weiße Plastikhelm in seinem Auto: Ein Relikt der Sturmtruppen. Der Feldforscher ist "Krieg der Sterne"-Fan, und bisweilen als Jedi-Meister Obi-Wan Kenobi unterwegs.