FC 05 Schweinfurt - FC 04 Ingolstadt II 4:1 (2:0). Tore: 1:0 Lukas Billick (35.), 2:0, 3:0 Adam Jabiri (36., 48.), 3:1 Patrick Hasenhüttl (59., Foulelfmeter), 4:1 Florian Trinks (79.).

In der Zeit der unzähligen Unentschieden hatte FC-05-Trainer Timo Wenzel immer die positive Serie herbeigesehnt. Jetzt ist sie mit dem 4:1 (2:0) über den FC Ingolstadt II fürs Erste perfekt: Drei Spiele, drei Siege, eine diesmal kollektiv nur Unentschieden spielende Konkurrenz, Tabellenzweiter - es läuft bei den Schweinfurtern. Auch wenn sie trotz aller Qualitäten auch das Glück bemühen mussten.

Das Prädikat Top-Qualität verdiente sich neben der Offensivabteilung dabei ein Schweinfurter, der fürs Tore verhindern verantwortlich ist: Alexander Eiban. "Ich möchte mich heute bei ihm bedanken, er war der beste Spieler auf dem Platz, wir haben durch ihn dieses Spiel gewonnen", lobte Trainer Timo Wenzel seinen Keeper, der einen Elfmeter parierte, den 2:3-Anschlusstreffer verhinderte und zahlreiche weitere starke Paraden zeigte. Erster Eiban-Gratulant freilich war Rechtsverteidiger Philip Messingschlager: Er hatte nach einer guten halben Stunde Ingolstadts Michael Senger gelegt und von Eibans Glanztag gegen Elfmeterschütze Fatih Kaya profitiert. "Ich hätte ihn vor dem Sechzehner stellen müssen, ich war zu passiv und bin einen Schritt nach hinten gegangen", zeigte sich Messingschlager selbstkritisch.

Wie auch in Bezug aufs ganze Spiel, in dem der Sieg der Nullfünfer um ein, zwei Tore zu hoch ausgefallen war: "Die Ergebnisse stimmen im Moment, aber es war längst nicht alles perfekt." Wenzel wollte dem auch gar nicht widersprechen: "Nach dem 3:0 wirkten wir gehemmt, haben uns zu langsam bewegt und den Gegner kommen lassen. Diesen Einbruch begreife ich nicht." In der Tat war der 05-Erfolg trotz des dritten Treffers kurz nach der Pause noch gefährdet. Die starke erste halbe Stunde und der traumhafte Spielzug zum 4:0 ließen den Trainer aber seine Kritik einschränken: "Wir dürfen die Messlatte jetzt auch nicht zu hoch legen."

Denn: Es war ein richtig gutes Regionalliga-Spiel. In dem der FC 05 immer dann zuschlug, als gerade die Ingolstadter am Zug schienen. Besonders turbulent: Die Minuten 32 bis 36: Erst zielte Ingolstadts Thomas Kurz allein vor 05-Keeper Alexander Eiban rechts vorbei (32.), dann scheiterte Kaya per Foulelfmeter an Eiban (34.). Und schließlich setzte der FC 05 den Konter zur 1:0-Führung: Adam Jabiri schnappte sich am eigenen Strafraum den Ball, schlug über 50 Meter diagonal nach links, fand Stefan Maderer und dessen Hereingabe nutzte Lukas Billick (35.). So stand's 1:0 statt 0:2. Und wenn's läuft, warum nicht nachlegen? Flanke Maderer, Kopfball Jabiri, 2:0 (36.).

Spätestens jetzt war FCI-Trainer Tobias Strobl so stinkig, dass er ein Exempel an seinen beiden bis dato so treffsicheren Stürmern Kaya und Amar Suljic statuierte, indem er sie vier Minuten vor der Pause auswechselte. "Es ist menschlich, wenn ein gesunder Egoismus zu Tage kommt. Aber wenn die beiden Jungs so lange nach dem verschossenen Elfmeter diskutieren, bis wir zwei Gegentore bekommen, wollte ich eine Duftmarke setzen." Er gestand aber auch verschmitzt: "Bei einer gestandenen Mannschaft wie Schweinfurt und einem Stürmer wie Adam Jabiri hätte ich mir das wohl nicht getraut." Seine Oberbayern konnten sich in der Pause vorgenommen haben, was sie wollten: Gleich nach Wiederbeginn ereilte sie das gleiche Schicksal noch einmal. Der eingewechselte Patrick Hasenhüttl traf per Kopf vermeintlich ins Tor, Schiedsrichter Roman Potemkin hatte ihm aber ein Foulspiel unterstellt (47.). Also Freistoß Schweinfurt und im Gegenzug nach Fritscher-Flanke Jabiris zweiter Streich zum 3:0 (48.).

"Es war ein Schlagabtausch mit offenem Visier, das hat Spaß gemacht. Und es macht mich stolz, dass wir so eine starke Mannschaft wie Ingolstadt geschlagen haben", wusste der Doppeltorschütze nur zu gut, dass es neben schöner Tore auch reichlich Arbeit und Disziplin bedurft hatte. Einer Disziplin, die nach der vermeintlich sicheren Führung nicht mehr in gewünschter Quantität vorhanden war bei den Gastgebern. Klar, diese Führung hätte zunächst deutlicher ausfallen können, als Jabiri erst mit einem Seitfallzieher an FCI-Tormann Fabijan Buntic scheiterte und Sekunden später Matthias Strohmaier vergaß, den Ball noch über die Linie zu schieben (63.). Dann aber holten sich auch die Gäste mal den Lohn für ihren Mut, mitzuspielen (Strobl: "jung, wild, forsch") ab: Nach Foul an Marcel Kosuch verwandelte Hasenhüttl den zweiten Strafstoß zum 3:1 (59.). Und es hätte noch knapper werden können, wäre Patrick Sussek nicht am überragend reagierenden Eiban gescheitert (63.).

So aber machten die Schweinfurter den Deckel drauf: Dominik Weiß von rechts, Jabiri legt ab, Florian Trinks schlenzt zum 4:1 in den Winkel (79.). Dann durfte "Oldie" Jabiri raus und seine Sicht des optimalen Spieltages, der die Schweinfurter auf zwei Punkte an die tags zuvor 0:0 in Fürth spielenden kleinen Bayern herangebracht hatte, schildern: "Gewinner des Spieltages? Gibt's so etwas? Davon kann man sich nichts kaufen. Jetzt müssen wir wieder schnell regenerieren - und ich etwas länger."

Regenerieren für Pipinsried, den nächsten Gastgeber und Regionalliga-Drittletzten. "Ich als erfahrener Spieler weiß, dass das die schwersten Spiele sind", so Jabiri über die Partie, die wahrlich keine Garantie für die Fortsetzung der Serie bietet. Weshalb Wenzel schon seine primäre Aufgabe für die Trainingswoche formulierte: "Es gilt, die Mannschaft so auf die Füße zu bekommen, dass sie es 90 Minuten gut macht." Denn 30 sehr starke Minuten wie gegen Ingolstadt könnten nicht reichen in Pipinsried, wo vermutlich ein 5+4-Doppelriegel den Schweinfurtern das Toreschießen nicht ganz so einfach machen wird.Michael Bauer Schweinfurt: Eiban - Messingschlager, Strohmaier, Kracun, Fritscher - Billick - Weiß (82. Philp), Trinks, Fery, Maderer (71. Krautschneider) - Jabiri (82. Pieper).