Er hat eine klare Ansprache an die Spieler und hohe Ziele: Der neue FC-05-Coach Timo Wenzel startet optimistisch in die Saison 2018/19, warnt aber auch vor übertriebener Euphorie. Der 40 Jahre alte frühere Bundesliga-Profi spielte für den VfB Stuttgart, Kaiserslautern und Augsburg. Er ist Fußballlehrer und war zuletzt Trainer der U23 des Südwest-Regionalligisten SV Elversberg.

Sind Sie abergläubisch? Das erste Spiel ist ja bekanntlich am Freitag, den 13.
Timo Wenzel: Nein, ich bin nicht abergläubisch. Wir haben uns überlegt, ob Freitag oder Samstag. Und Freitagabend ist gut, da können viele Zuschauer kommen. Ich wusste gar nicht, dass es Freitag, der 13. ist.

Wie war die Vorbereitung? Es ist Zeit, dass endlich die Saison losgeht, oder?
Es war eine kurze, intensive Vorbereitung über vier Wochen, jetzt sind wir in der direkten Spielvorbereitung. Die Jungs hatten eine recht kurze Pause mit nur drei Wochen, hatten aber alle ihre Trainingspläne und sind in sehr gutem Zustand zurück gekommen. Die Werte sind gut, wir haben keine muskulären Verletzungen, es sind alle fit, was zeigt, dass wir auch mit der Trainingssteuerung bisher alles richtig gemacht haben. Wir werden uns natürlich nicht ausruhen.

Was war im Winter ausschlaggebend für Sie, nach Schweinfurt zu wechseln?
Ich bin eingeladen worden zu einem Gespräch, um sich kennenzulernen. Wenn ich so etwas mache, dann will ich auch oben mitspielen und nicht im Mittelfeld rumdümpeln. Ich bin ein Mensch, der sich immer selbst Ziele steckt. Die Ziele beim FC 05 waren klar definiert. Wir wollen eine gute Runde spielen mit einer Mannschaft, die sehr großes Potenzial hat. Wir mussten uns in der Breite des Kaders besser aufstellen, das haben wir gemacht. Der Konkurrenzkampf ist sehr groß, es kann jeder spielen. Aber natürlich wird es auch Härtefälle geben, wenn der Kader jeweils bekannt gegeben wird.

Sie haben die Worte "Dritte Liga" nicht in den Mund genommen, sondern "oben mitspielen". Die anderen Teams in der Liga sehen den FC 05 aber als einen der Meisterschaftsfavoriten neben Bayern II.
Die Bayern sind mit ihren Möglichkeiten und Gegebenheiten der Top-Favorit. Natürlich werden wir auch als Favorit gehandelt, wir werden die Gejagten sein in der Liga. Aber ich werde nicht sagen, "wir steigen auf", denn ich bin schon so lange dabei im Fußball und weiß genau, dass alles passen muss, keine Verletzten dazu kommen dürfen und Bayern Schwächen zeigen muss. Vielleicht kommt noch eine Mannschaft dazu, die keiner auf dem Schirm hatte und dann kommen noch die Aufstiegsspiele. Ich habe das in Elversberg persönlich als Spieler erlebt, weiß, was es alles braucht.

Erzählen Sie von Ihrer Bundesliga-Zeit in Stuttgart oder der Champions League?
Nein, nicht von mir aus, das ist Vergangenheit. Wenn einer kommt und fragt, wie es war, wie man trainiert hat, wie die Trainer waren, dann gerne. Ich habe großen Respekt vor meinen Spielern und werde mich nie über sie stellen. Ich bin der Boss, klar, aber nicht von oben herab.

Sie haben die Mannschaft in der Rückrunde oft beobachten können, da bereits in der Winterpause klar war, dass Gerd Klaus sportlicher Leiter wird und Sie der neue Trainer. Ein Vorteil jetzt?
Es hat mir persönlich schon geholfen, ich habe die Spieler kennengelernt und Spiele gesehen. Ich habe erst nach dem Pokalendspiel mit jedem Spieler telefoniert, vorher war die Saison die Angelegenheit von Gerd Klaus. Man hatte Zeit, sich sehr gut auf vorbereiten zu können, alles durchgetaktet. Für mich war es so perfekt.

Haben Sie jetzt Ihre Wunschmannschaft zusammen?
Wir sind gut aufgestellt. Die Spieler, die wir haben wollten, haben wir jetzt und mit denen, die wir behalten wollten, arbeiten wir weiter. Wir haben uns über jeden neuen Spieler schlau gemacht, Charakterzüge, wie er trainiert hat, alles. Wir haben das immer zu dritt entschieden. Es passt. Wir wollen auch keinen aufgeblähten Kader und werden niemanden mehr holen.

Es kristallisiert sich heraus, dass Sie auf eine etablierte Achse aus der vergangenen Saison in der Mannschaft setzen. Alexander Eiban im Tor, Lukas Billick in der Innenverteidigung, Kevin Fery und Christopher Kracun im Mittelfeld, vorne Adam Jabiri.
Diese Achse war gut, wir haben vergangene Saison viele Spiele gesehen. Wir haben mit Stefan Kleineheismann, Ronny Philp und Alexander Piller drei Neue, die uns sofort verstärken werden. Die Mannschaft ist gut, wir haben sie nur auf der einen oder anderen Position noch mehr verbessert.
Ist Stefan Kleineheismann als Kapitän quasi die natürliche Wahl angesichts seiner Erfahrung?
Er hat über 300 Spiele in der Dritten Liga, dem muss du nicht sagen, wie er spielen muss. Er wurde von uns bestimmt. Nach den vier Wochen war klar, dass wir ihm die Binde geben. Er hat großes Ansehen in der Mannschaft, übernimmt Verantwortung und hat auch Interesse, mal als Trainer zu arbeiten.

Sie legen Wert auf Disziplin, Respekt, Verantwortung. Wie kommt das an?
Es hat den Spielern gesagt, da ist jemand, der das auch verkörpert. Ich stehe dazu, ich möchte zum Beispiel, dass die Spieler, wenn sie ins VIP-Zelt gehen, grüßen und die Leute aus dem Verein und den Gremien kennen. Ich schaue, wie es in der Kabine ausschaut, ob leere Flaschen rumliegen, leere Duschgels. Das hat mit Disziplin zu tun und ich verhalte mich auch so auf dem Spielfeld. Wenn ich sehe, wie die Mannschaft gearbeitet hat oder wie diszipliniert sie gegen Regensburg gespielt hat, glaube ich, dass es gefruchtet hat. Ich bin kein Perfektionist, aber einer, der nichts dem Zufall überlassen möchte.

Für welchen Fußball stehen Sie?
Man glaubt immer, ich sei Defensivfreak, weil ich Abwehrspieler war. Das stimmt gar nicht, wir haben immer mit zwei Spitzen gespielt. Ich will offensiv spielen, immer den Ball haben und wenn wir ihn verlieren, ihn schnell zurückbekommen. Wir brauchen sehr gute Ballzirkulation und gutes Passspiel, wollen den ersten Blick immer nach vorne richten. Wenn schnelles Umschalten nicht geht, dann brauchen wir aber Ruhe am Ball, müssen auf unsere Chance warten. Die Gegner werden oft tief stehen, da brauchen wir Geduld.

Wie ist die Zusammenarbeit im Team, auch mit Sportdirektor Gerd Klaus?
Es ist ein sehr gutes Zusammenspiel, wir verstehen uns sehr gut. Gerd Klaus ist oft auch im Training da, bei den Spielen sowieso, wo wir uns kurz in der Halbzeit austauschen. Ich fokussiere mich auf mein Team, die Co-Trainer Norbert Kleider und Jan Gernlein machen den Gegner und wir besprechen das im Spiel kurz, auch in der Pause mit Gerd Klaus.

Das Umfeld beim FC 05 dürfte alles andere als die Meisterschaft kaum goutieren. Gibt es Aufstiegsdruck?
Der Druck ist immer da, vor allem wenn man den Schritt macht, Schweinfurt zu trainieren. Die Fans können natürlich sagen, wir müssen aufsteigen. Das ist ja auch unser Ziel. Aber man darf nicht blauäugig durch die Welt laufen, ich habe da einen anderen Blickwinkel. Wir brauchen Zusammenhalt zwischen Fans und Mannschaft. Wenn man nach 60 Minuten beim Stand von 0:0 pfeift, bringt es der Mannschaft nichts. Wenn es auch gegen tief stehende Teams möglich ist, wollen wir natürlich attraktiven Fußball zeigen.

Wie wichtig ist der Nachwuchs für den Verein?
Man muss immer schauen, was man im eigenen Stall hat. Zum Beispiel Nico Pfarr, der noch ein Jahr U 19 spielen kann. Es ist mir ein Rätsel, dass den noch kein anderer Verein gesehen hat. Gut für uns! Er ist flexibel einsetzbar, ein super Junge, sehr gut erzogen. Man muss die Jungen fördern. Wir haben einen guten Mix. Man kann nicht nur mit jungen, aber auch nicht nur mit alten Spielern spielen.

Ein Tipp zum Illertissen-Spiel?
Ich tippe keine Ergebnisse, aber ich sage, wir gewinnen.

Das Gespräch führte
Oliver Schikora