"Kein Mensch versteht das", sagte Theo Kohmann, Vorsitzender der SUB (Solidargemeinschaft umweltbewusster Bürger). Auch nach dem offiziellen Abschluss der Altlastsanierung kämpfen die Eigentümer der sanierten Anwesen mit der deutschen Bürokratie und um ihr Recht.

Die SUB, die die Eigentümer vertritt, hatte eine Versammlung organisiert. Erster Tagesordnungspunkt war die Dokumentation über den zweiten Bauabschnitt, die den Eignern zugegangen ist. Ein mindestens 100 Seiten dicker DIN-A-4-Wälzer, voller Fachwissen. Die Hauseigentümer müssen nun unterschreiben: "Die Dokumentation wird von mir als richtig anerkannt." Nach Rücksprache mit dem SUB-Anwalt erklärt Kohmann, dass es darum gehe, den Erhalt als richtig anzuerkennen, nicht die fachlichen Aussagen. "Absurd", findet er, aber die Unterschrift ist die Voraussetzung dafür, dass die Eigentümer die ihnen zustehenden Entschädigungen bekommen.


Juristische Falle

Und bei dieser stolpern die Altlastopfer in die nächste juristische Falle. Die Entschädigungen wurden nach dem Baukostenindex von 2010 berechnet. Jeder ging davon aus, dass sie entsprechend angepasst werden. Mündlich sei dies mehrfach von den Behörden bestätigt worden, erklärte Kohmann. Das bedeutet, es müsste nach den heute geltenden Preisen abgerechnet werden. Diese liegen etwa 9,5 Prozent über denen von 2010.

Davon aber will weder die Regierung von Unterfranken noch das Landratsamt etwas wissen. Leider habe man versäumt, dies schriftlich in die Einzelsanierungsverträge aufzunehmen, bedauerte Kohmann. Insgesamt spare die Regierung dadurch 30 000 Euro. Für den einzelnen Hausbesitzer bedeutet diese Tatsache einen Verlust zwischen 500 und 5000 Euro, je nach Grundstücksgröße.


Einen polistischen Weg gehen

Man könne jetzt vor dem Verwaltungsgericht klagen, meinte der Vorsitzende der SUB, riet aber davon ab. Das würde eine vielleicht jahrelange Aussetzung der Auszahlungen bedeuten. Kohmann will den politischen Weg gehen und einen Landtagsabgeordneten bitten, die Sache der SUB zu vertreten.

"Das ist doch im Prinzip wieder ein Druckmittel nach dem Motto, die werden wir schon kleinkriegen", schimpfte Friedrich Richter. Kohmann empfahl den Eigentümern, die Dokumentation als richtig anzuerkennen, damit das Geld ausbezahlt werden kann. Zur fehlenden Anpassung des Geldwerts sagte er: "Wir werden das wohl als fehlerhaftes Verwaltungshandeln akzeptieren müssen."


Manko haftet Immobilien an

Eine weitere Herausforderung sehen die Bewohner in der Wohn- und Eigentumssituation im ehemaligen Altlastgebiet. Seit 15 Jahren sei an den Häuser nichts mehr gemacht worden. Bis auf zwei Besitzer wollten in der Sattlerstraße alle Hauseigentümer ihre Häuser verkaufen, erzählt Kohmann. Sie bekommen sie aber kaum los, weil der Gegend immer noch das Altlastenmanko anhafte und an den Häusern lange nichts mehr gemacht worden sei.

"Operation gelungen, Patient tot", kommentiert Richter. Diese Sorgen kennt auch Bürgermeister Stefan Rottmann. Auf der Sattlerwiese wird ein Altenpflegeheim entstehen, für das Gelände interessieren sich 14 Investoren. Das Dürr-Gelände dagegen, auf dem noch alter Baubestand steht, will keiner haben. Man überlege in der Gemeinde, ob man nicht beides koppeln kann. Also: Wer die Sattlerwiese bekommt, muss auch das Dürrgelände dazu nehmen. Kohmann schlug vor, über ein Städtebauförderprogramm die Möglichkeit zu schaffen, private Investoren zu unterstützen. Das will Rottmann prüfen.

Pläne und Ideen hat der Bürgermeister genug. Wohnungen für Angestellte oder ein Gesundheitszentrum könnten dort entstehen. Die Gemeinde könne aber auf keinen Fall Privathäuser und Grundstücke kaufen, dazu fehle das Geld, sagte Rottmann. Allerdings bat er darum, dass sich die Verkaufswilligen auch in der Gemeindeverwaltung melden, damit man die Häuser in die Immobilienbörse der Gemeinde einstellen kann. Ursula Lux