Zur Zeit trägt Peter Kuhn Bart. Das passt gut zu seiner Rolle als Latzhosen-Pädagoge, der den politischen Koalitions-Kindergarten um Puppenmutti Angela aufräumt. "Nur meine Haare müssen noch kürzer werden", findet er. Seinen Vortrag für die Fernsehsendung "Fastnacht in Franken" am Freitag, 21. Februar, aus Veitshöchheim hat er schon in die richtige Länge gebracht und von zunächst 400 auf 200 Zeilen reduziert. "2013 war einfach zu viel los. Da passte nicht mal mehr der Hoeneß rein", schmunzelt der 51-Jährige. Zehn bis zwölf Minuten Redezeit - mehr geht nicht! Denn bei Peter Kuhns Auftritten müssen noch reihenweise Lachpausen, Beifallsgesänge und Tuschs hinzugerechnet werden.

Kein Exot, sondern ein Klassiker

Immerhin gilt der Humorist als einer der besten Büttenredner im Land. Und als einer, welcher der Politik und der Gesellschaft den Spiegel in der Tradition der gereimten Rede vorhält: "Das ist doch unser Markenzeichen, das uns von den Comedians und Gagschreibern abgrenzt. Die können das nicht!" Im Gegensatz zu Peter Kuhn, der in Bad Mergentheim geboren wurde und seit seinem zehnten Lebensjahr in Oberwerrn bei Schweinfurt lebt. Schon als Schüler schrieb er Gedichte im Stil von Heinz Ehrhardt. "Ich war der Klassenclown. Es drängte mich auf die Bühne", erinnert er sich. Doch von den sechs staatlichen Schauspielschulen, bei denen er sich bewarb, kamen nur Absagen: "Und eine Privatschule konnten wir uns nicht leisten."

Aus der Traum? Keineswegs, denn als Darsteller, Regisseur, Produzent und Vorsitzender kann er heute bei der Jungen Bühne Oberwerrn das geliebte Hobby ausüben und findet Ausgleich zu seinem aufreibenden Beruf, zu dem er letztendlich über ein soziales Jahr kam: Als Erzieher arbeitet Peter Kuhn in einer Einrichtung für verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche. "Eine göttliche Fügung, denn ich kann Arbeit und Privatleben strikt trennen", findet er.

Kein Maulkorb

Aber natürlich sind die Schützlinge stolz, dass ihr Erzieher im Fernsehen auftritt und dort den Großen verbal auf die Finger klopft. Darf er eigentlich alles sagen? Peter Kuhn grinst schelmisch: "Ich habe Narrenfreiheit." Außerdem sei es nahezu unmöglich, Passagen aus einer gereimten Rede zu nehmen, ohne den Sinn und die Dramaturgie zu zerstören. Nein, ein Maulkorb sei ihm noch nie verpasst worden.

Wer jetzt denkt, Peter Kuhn würde ein ganzes Jahr an seinem Vortrag feilen, der irrt gewaltig. Gerade mal zwei Wochen vergehen zwischen dem ersten Konzept und der Premiere bei "seiner" Faschingsgesellschaft, der "Schwarzen Elf" Schweinfurt, die in diesem Jahr ihr 60. Jubiläum feiert. "Ich sehe mir um Weihnachten herum die Jahresrückblicke im Magazin Spiegel oder im Fernsehen an und wähle Themen aus, die in Erinnerung geblieben sind und die ich selbst ansprechen möchte", erklärt Kuhn sein Vorgehen. Dann kommt die größte Hürde: Alle Ideen müssen stimmig mit einer Figur zusammengebracht werden. "Wenn das geschafft ist, geht der Rest wie von selbst. Die besten Einfälle kommen mir im Schlaf und beim Spazierengehen." Und wie kann er das alles auswendig lernen? "Das brauche ich gar nicht, denn bevor ich die Verse in den Computer tippe, sind sie ja schon in meinem Kopf drin. Die Reime sind dann die Brücken, die mich von Zeile zu Zeile tragen", verrät der Fastnachter, der vor seiner Karnevals-Karriere mit der Narretei eigentlich gar nichts am Hut hatte.

Ein Joker für alle Fälle

Aber als der bekannte Humorist Walter Zänglein 1986 plötzlich starb und die "Schwarze Elf" Hände ringend nach einem Ersatzredner suchte, erinnerte sich eine Frau aus Oberwerrn an den begabten Jungdichter in der Nachbarschaft. "Warum nicht?", dachte sich Peter Kuhn und hatte schon mit seiner ersten Büttenrede als Joker 1991 in Schweinfurt so großen Erfolg, dass er auch bei "Fastnacht in Franken" auftreten sollte. "Die Sendung war damals weit vom heutigen Kultstatus entfernt. Da wurden die Eintrittskarten noch verschenkt", weiß Kuhn. Es wurde dann doch nichts mit dem TV-Auftritt, denn in diesem Jahr fiel die Gala wegen des Golfskriegs aus. Doch seit 1992 ist der eiserne Verse-Schmied regelmäßig dabei: als Mönch und Mathematiker, Weihnachtsmann und Wutbürger, Golfspieler und Göttervater, als Toilettenbesucher und als Traumschiff-Kapitänin. Die Rede von 2002 - "Ich bin schwul - und das ist gut so" - hält er für sein Meisterstück, weil er sowohl mit dem Zitat von Klaus Wowereit wie auch mit den Anschlägen vom 11. September zwei Themen einband, vor denen sich alle anderen Redner drückten.

Die Rheinländer von Franken

Weil Peter Kuhn keinen Dialekt spricht, wird er auch außerhalb des Freistaats verstanden, was ihm Auftritte in ganz Deutschland einbringt. Die Honorare investiert der ledige Fastnachter in Reisen nach London, wo er dann in einer Woche zehn Musicals anschaut. Seine eigene Bühnenerfahrung gibt Kuhn, der seit zehn Jahren auch stellvertretender Bezirksvorsitzender im Verband Bayerischer Amateurtheater ist, gerne an den Nachwuchs weiter und hält Kurse für Büttenredner.
Für das Phänomen, dass so viele gute Karnevalisten ausgerechnet aus Unterfranken kommen, hat er eine einfache Erklärung: "Die sind einfach lebenslustiger. Sozusagen die Rheinländer von Franken."

Sendetermine

Die Prunksitzung "Fastnacht in Franken" aus Veitshöchheim wird am Freitag, 21. Februar, ab 19 Uhr live im Bayerischen Fernsehen ausgestrahlt. Wiederholungen gibt es am Samstag, 22. Februar, ab 20.15 Uhr sowie am Faschingsdienstag, 4. März, ab 12.05 Uhr.
Für die Dokumentation "Frech und frei, Lust und Laune - ein Streifzug durch die Jahrhunderte" schlüpfte Kuhn in die Rolle des Göttervaters Zeus (Dienstag, 25. Februar, ab 17 Uhr, Bayerisches Fernsehen) .